Wie war Ihr Jahr, Ralph Möllers?

Ralph Möllers

Seit Nikolaustag 2009 fragen wir täglich bis zu den Heiligen drei Königen in der Buchbranche herum: “Wie war Ihr Jahr?”. Wenn’s gefällt, gibt es am Jahresende eine Neuauflage! Heute wird der „andere“ Fragebogen von Terzio Verleger Ralph Möllers beantwortet.

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Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Der 7. August! Da habe ich zum ersten Mal nach über sechs Jahren mein Whisky-Faß auf der schottischen Hebriden-Insel Islay besucht. Im Juni 2003 ist es destilliert worden und seitdem liegt es reifend und seinen Inhalt mit den Engeln teilend im Lagerhaus von Bruichladdich auf dieser herrlichen, langsamen Insel. In vier Jahren ist es vielleicht fertig und Jim McEwan, der Masterdestiller, und ich werden entscheiden, ob es vielleicht noch ein bisschen Ruhe braucht. So slow can Slow Food sein! (Nicht schlecht war auch der 12. April: Ein „Hole in One“ glücklicherweise nicht im Turnier).

2

Worüber haben Sie sich 2009 am meisten geärgert?
Dass die Banken sich aus der Finanzierung der Realwirtschaft verabschiedet haben und wir sie dafür auch noch mit Steuergeldern belohnen. Die Politik wirft die Kohle in den Kamin der Ackermänner und wundert sich, warum die Heizkörper des Mittelstandes kalt bleiben.

3

Was war 2009 Ihr schönster Erfolg?
Der Start von book2look zusammen mit Rainer Rossipaul. Es macht einfach einen Riesenspaß Neuland zu betreten und andere für eine neue Sache zu begeistern. Ja und das „Hole in One“ natürlich.

4

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Eine Kiste grauenhafter Bio-Spätburgunder von der Mosel, offenbar produziert nach dem Motto „Gesinnung statt Geschmack“.

5

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Mein liebster Verlag ist, wie sooft, Antje Kunstmanns wunderbare Titelmanufaktur. Toll wie Antje und ihre Leute das Beharrungsvermögen und das Qualitätsgespür des klassischen Buchverlages und die Offenheit für neue Vertriebs- und Marketingformen miteinander vereinen. Meine Lieblingsbuchhandlung: Boll, Schmid & Co hier bei uns in München-Solln. Hier kämpft der altmodische Büchernarr mit den Tücken der Urknall-Theorie. Wenn das Universum sich ständig ausdehnt, warum ist seine Buchhandlung dann immer noch zu klein für die Bücher, die er einkauft?

6

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Preisbindung für E-Books nebst abenteuerlichen Kalkulationen dazu: Bitte!!!! Auch das Thema „Wie kann man E-Books in einer Buchhandlung verkaufen oder wenigstens so tun, als wäre das ein sinnvolles Unterfangen? Und was ist dann mit dem Partieexemplar?“ ist nicht so hitverdächtig. Von Amazon möchten wir keine eMails mehr über die Vorteile des „Advantage“ Programms und über neue strafbewehrte Regeln für die Anlieferung von Büchern, die Rechnungsstellung und die erlaubten Kommunikationswege lesen. Und zum Schluss natürlich der Evergreen: Ich will nie wieder Vorträge, Artikel und sonstige Beiträge mit der Überschrift „Kommt mit dem (neues Medium Ihrer Wahl) das Ende des Buches?“ lesen.

7

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Gute Ideen für Buchmarketing in den Social Networks. Gute Ideen für Community Building für Buchhändler und Verlage. Warum Bücher der ideale „Networking Content“ sind.

8

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Fehler? Welche Fehler?

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Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Das Nichterkennen der eigenen Fehler nebst der Verwunderung darüber, was eigentlich schief gegangen ist.

10

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Abteilung Fremdfreude: Die Stieg Larsson Krimis! Abteilung Eigenlob: Das Musicalbuch zu „Ich mach Dich gesund, sagte der Bär“ weil es zeigt, dass Jazzmusiker auch mal den schwarzen Rollkragenpullover ablegen und richtig tolle Musik für Kinder machen können. Franz-David Baumann (Musik) und Henk Flemming (Liedtexte) eröffnen ein neues Kapitel der Kindermusik.

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Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Klare Sache! Der neue, zehnte Band unserer Erfolgsserie „Ritter Rost. Diesmal ist der Ritter krank. Allerdings simuliert er nur einen akuten Anfall von „pfeifendem Dosenfieber“. Die Musik (und nicht nur die) ist eine tiefe Verbeugung vor vier berühmten Musikern aus Liverpool. Immer wenn ich denke, Hilbert/Janosa können nicht mehr zulegen, dann setzen die beiden noch eins drauf. Chapeau!

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Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von meiner Frau.

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Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Wieso arbeiten bei Terzio eigentlich ausschließlich junge, hinreißend aussehende, hochintelligente Frauen?

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Hier können Sie die auch beantworten…
Das fragen Sie am besten mal meine Frau.
Zum vorigen Beitrag [mehr…]; morgen antwortet Hans-Werner Serwe, Leiter Buchvertrieb der edel AG

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