Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Manuel Herder?

 Seit dem 6. Dezember 2016 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2017 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“ Heute beantwortet Verleger Manuel Herder, unseren „etwas anderen Fragebogen“.

 

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Manuel Herder (©Uwe Merz-merzcreativ)

 

  1. Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Der 11. Juli, als mein Bruder Raimund und ich mit einem großen Blumenstrauß in die Herder-Thalia Buchhandlung in Freiburg gingen und unseren soeben bekannt gegebenen Einstieg bei Thalia mit den neuen Kollegen feiern konnten.

 

  1. Worüber haben Sie sich 2016 am meisten geärgert?

Das ungerechte Urteil in Sachen VG Wort und die Konsequenzen. Ich fühle mich und meine Verlagskollegen ungerecht behandelt, ja richtiggehend betrogen: erst durch unsere Arbeit erhalten die meisten Manuskripte den Mehrwert, den es braucht, um bei Buchhandel und Leserschaft zu überzeugen.

 

  1. Was war 2016 Ihr schönster Erfolg?

Als Thalia-Mehrheitseigentürmer mit meinen Miteigentümern Henning Kreke, Michael Busch und Leif Göritz ein Team geworden zu sein, das sich versteht, vertraut, wertschätzt und schnell arbeitet. So aufgestellt können wir professionell auf die anstehenden Aufgaben und Herausforderungen des Handels und der Branche reagieren.

Als Verleger bin ich auf die Herder eBook-App unseres Hauses besonders stolz: als erster deutschsprachiger Verlag bieten wir alle eigenen eBooks in einer App an. Damit können unsere Leser ihre Herder-Lieblingsbücher flexibel auf Smartphone und Tablet speichern und lesen.

 

  1. Und Ihr traurigster Misserfolg war …?

Den habe ich vor lauter Freude verdrängt!

 

  1. Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Meine schönsten Buchhandlungen sind die wunderbaren, inhabergeführten Buchhandlungen in vielen deutschsprachigen Städten, mit dem schönen Namen einer griechischen Muse, die sich der modernen Lesekultur verschrieben haben. Und mein liebster Verlag? Drei Mal dürfen Sie raten …

 

  1. Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen? 

Da fällt mir nichts ein. Die Dauerbrenner sind oftmals echte Themen für uns, also ist mir ihre weitere seriöse, publizistische Behandlung wichtig.

  1. Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Ich lese gerne gute Nachrichten, davon will ich mehr! So habe ich mich gefreut, dass die Geburtenrate in Deutschland im Jahr 2015 wieder gestiegen ist. Das ist ein gutes Zeichen. Kinder sind Zukunft – und zukünftige Leser.

 

  1. Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Ich kam im letzten Jahr nicht dazu, eine der internationalen Buchmessen zu besuchen. Das muss besser werden.

 

  1. Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Ausgiebig Fasnacht feiern.

 

  1. Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Eins? Viele! Neben meinen hauseigenen Büchern, die Thriller und Romane, die ich im Sommerurlaub verschlungen habe, um abzuschalten.

 

  1. Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Das Staatslexikon, achte völlig neu erarbeitete Auflage. In fünf Bändern werden wir von Hunderten von Wissenschaftlern die wichtigsten Stichworte, mehr als 2000 Einträge, zu Staat, Politik und Gesellschaft verlegen. Eine Herder-Tradition seit 1889. Heute ist es das stärkste Bekenntnis, dass ein Verlag zum Buch machen kann: wertvolles Wissen gehört ins Buch und gibt’s im Buchhandel.

  1. Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von der japanischen Kaiserin Michiko. Wir werden nächstes Jahr eine von ihr für uns zusammengestellte Sammlung ihrer Gedichte auf Deutsch und Japanisch verlegen. Da lernt man einiges von ihrem Denken. Noch mehr würde man lernen, wenn sie diesen Fragebogen beantworten würde …

 

  1. Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet? 

Große Teile der Wirtschaft sehen dem Thema Industrie 4.0 angstvoll entgegen. Gibt es eine Branche, die diese grundlegende Veränderung schon hinter sich hat?

 

  1. Hier können Sie die auch beantworten:

Ja, die Branche des Verlagsbuchhandels! Wir mussten nämlich als erste lernen, dass unsere Produkte digitalisiert wurden, also digital ersetzbar waren. Ebenso digitalisierten sich die Vertriebswege. Unsere Konsumenten stellten in kurzer Zeit Smartphone-Ansprüche an uns. Verlage haben darauf bemerkenswert schnell reagiert und mit integrierten IT-Systemen wie PONDUS eine der ältesten Branchen der Welt durchdigitalisiert – schneller als die Industrie. Buchhändler ebenso. Glückwunsch an alle!

 

Gestern sprachen wir mit Martin Zeiser über sein Jahr 2016. Morgen beantwortet  Wibke Ladwig  unseren „etwas anderen Fragebogen“.

 

 

 

 

 

 

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