Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Johannes Hauenstein?

Seit dem 6. Dezember 2016 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2017 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“ Heute beantwortet Johannes Hauenstein, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb/Kaufmännisches bei Ravensburger  unseren „anderen“ Fragebogen:

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Johannes Hauenstein

 

1. Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Es gab davon zwei und beide fanden am selben Ort statt. Der erste war mein Geburtstagsfest zum 60. im März, der zweite war die wunderbare Abschiedsparty, die mir der Verlag am 8. Dezember für 26 Jahre Ravensburger Buchverlag gegeben hat.

2. Worüber haben Sie sich am meisten geärgert?

Über die vielen medialen Überhöhungen, Dramatisierungen und Vereinfachungen, die zu Skandalisierungen und leider oft auch zu falschen Schlussfolgerungen führen.

3. Was war 2016 Ihr schönster Erfolg?

Dass sich die geschäftlichen Erwartungen in mein letztes Geschäftsführerjahr, trotz sehr harzigem Start mehr als erfüllt haben.

4. Und Ihr traurigster Misserfolg war …?

Dazu fällt mir beim besten Willen nichts ein, weil die eher trauigen Dinge nichts mit Misserfolg zu tun hatten und umgekehrt.

5. Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

a. In diesem Jahr haben mir von den vielen besuchten Buchhandlungen drei besonders gut gefallen: Bücherladen Appenzell, weil in einem pittoresk anmutenden Dorf im kleinsten Halbkanton mit c.a 10.000 Einwohnern eine literarische Buchhandlung mit ausgesuchtem Sortiment und umfangreichen Programm eine Willkommensatmosphäre für jede Art von Buchkäufer geschaffen hat. Buchhandlung Pegasus in Möhringen bei Stuttgart, die Buch und NonBook auf geniale Weise inszeniert und verbindet, wie ich es nirgendwo schöner gesehen habe. Dussmann nach dem kräftszehrenden Umbau erstrahlt als Kulturkaufhaus im neuen Glanz und  macht seinem Namen alle Ehre.

b. Mein liebster Verlag in diesem Jahr ist eindeutig Diogenes. Es liegt am Programm, an den Menschen im Verlag, an dem einzigartigen Auftritt. Ein konsequentes Produktmarketing und eine verlegerische Handschrift, die offensichtlich den schwierigen Generationswechsel ohne Brüche überstanden hat.

6. Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?

Von allen Themen, die Gruppenegoismen in den Vordergrund stellen und Schuldzuweisungen gegenüber anderen in der Branche aussprechen.

7. Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Von Ideen und praktischen Erfolgen engagierter Händler.

8. Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Den inneren Stress vor dem nächsten Triathlon-Wettkampf.

9. Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Der Hang zur Pedanterie.

10. Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Das Ende der Einsamkeit von Benedict Wells, das ich von Margarete und Michael Riethmüller zum Geburtstag geschenkt bekam.

11. Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Auf meinem Stapel liegt von John Dos Passos Manhattan Transfer ganz oben auf. Ob es das wichtigste Buch ein wird, weiß ich allerdings jetzt noch  nicht.

12. Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von meiner überaus geschätzten und sympathischen Kollegin Anuschka Albertz.

13. Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Was sind die persönlichen Motive, warum man sich in heutiger Zeit für die Buchbranche entscheidet.

14. Hier können Sie die auch beantworten:

Geht nur bedingt, da ich mich vor über 40 Jahren entschieden habe: Ich hatte 1977 die höhere Handelsschule als Wirtschaftsassistent abgeschlossen und wollte schlicht die Theorie in einer Branche praktisch ausprobieren, die mir interessant erschien. Und da ich in einem Haus voller Bücher aufgewachsen bin, gerieten Verlage nicht ganz von ungefähr in meinen Fokus.

Gestern sprachen wir mit Felicitas von Lovenberg über ihr Jahr 2016. Morgen beantwortet Karsten Kredel unseren “ etwas anderen Fragebogen“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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