Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Jeannette Hammerschmidt?

Seit dem 6. Dezember 2018 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2019 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Loewe – Programmleiterin Jeannette Hammerschmidt unseren “anderen” Fragebogen:

Jeannette Hammerschmidt: „Die Lust am Lesen und die Begeisterung für Geschichten zu wecken, ist ein Auftrag für die ganze Branche, Autoren und ihre Geschichten inszenieren, ihnen Raum und Sichtbarkeit verschaffen, Selbstbewusstsein ausstrahlen, Erfolge feiern und würdigen, Bücher machen, die in die Zeit passen, d.h. Kinder und Jugendliche dort abholen, wo sie herkommen, und berücksichtigen, dass Bücher nicht nur außen, sondern auch innen anders AUSSEHEN müssen, als noch vor zehn Jahren, weil Seh-und Lesegewohnheiten sich nun mal massiv verändert haben. Das sollten wir nicht immer nur als Nachteil sehen, sondern als echte Chance begreifen“

 

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Da muss ich spontan an unseren Brainstorming-Tag in der Fränkischen Schweiz im Sommer denken. Der war rundherum locker, fröhlich  und produktiv. Privat war es ein Tag auf Borkum – bei viel Wind und Sonne zusammen mit meinem Mann.

Worüber haben Sie sich 2018 am meisten geärgert?

Ein Dauerärgernis ist für mich die fehlende Rechtsgrundlage für eine Beteiligung von Verlagen an den Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften.  Verlage leisten einen hohen kreativen Beitrag an der Entstehung von Büchern, der gewürdigt werden sollte. Aus meiner Sicht wäre das eine wichtige Voraussetzung für die Erhaltung der Vielfalt auf dem deutschsprachigen Buchmarkt auch für die Zukunft.

Was war 2018 Ihr schönster Erfolg?

Für uns im Loewe Verlag gab es mehrere schöne Erfolge –  da kann ich mich schwer für „den schönsten“ entscheiden.  Stories for boys von Ben Brooks gehört dazu, aber auch die Marktführerschaft im Erstlesesegment, die wir im letzten Jahr zurückerobern –  und in diesem Jahr ausbauen konnten.  Darüber hinaus freue ich mich darüber, dass es mir gelungen ist, eine ehemalige Mitarbeiterin in den Verlag zurückzuholen.

Und Ihr traurigster Misserfolg war …?

An einen wirklich traurigen Misserfolg kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Ich nehme mal an, da verdränge ich was …

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Immer noch die zu einer Buchhandlung umfunktionierte Kirche in Maatricht: „Bookhandel Dominicanen“. Da bin ich immer mal wieder. Außerdem liebe ich den Stammsitz der Mayerschen Buchhandlung in Aachen.  Und bei den Verlagen kann ich mich beim besten Willen nicht entscheiden. Da gibt es viele, die ich sehr mag.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?

Davon, dass wir Buchkäufer verloren haben.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Darüber, wie wir Buchkäufer (zurück)gewinnen können und wie wir bei Kindern –  auch aus sozial schwachen Verhältnissen –  die Lust am Lesen und die Begeisterung für Geschichten wecken können.

Das ist natürlich ein Auftrag für die ganze Branche, Autoren und ihre Geschichten inszenieren, ihnen Raum und Sichtbarkeit verschaffen, Selbstbewusstsein ausstrahlen, Erfolge feiern und würdigen, Bücher machen, die in die Zeit passen, d.h. Kinder und Jugendliche dort abholen, wo sie herkommen, und berücksichtigen, dass Bücher nicht nur außen, sondern auch innen anders AUSSEHEN müssen, als noch vor zehn Jahren, weil Seh-und Lesegewohnheiten sich nun mal massiv verändert haben. Das sollten wir nicht immer nur als Nachteil sehen, sondern als echte Chance begreifen.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Ungeduld, vorschnelles Urteilen, mir zu viel vorzunehmen.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Ich bin da wirklich optimistisch.

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Tyll von Daniel Kehlmann und Die Ermordung des Commendatore. Eine Idee erscheint von Haruki Murakami

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Ich weiß schon, welches es sein wird, darf aber noch nicht darüber sprechen.

Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Christian von Zittwitz (oder waren Sie schon mal dran?:))*

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Wie können wir es schaffen, dass deutsche Grundschulkinder bei der nächsten IGLU-Studie wieder besser abschneiden als zuletzt?

Hier können Sie die auch beantworten:

Wir müssen Werbung fürs Vorlesen machen und darüber sprechen, wie sehr es Kindern hilft, wenn sie früh mit Büchern in Berührung kommen. Lesen ist immer noch die wichtigste Schlüsselkompetenz, wenn es um Bildung und sozialen Aufstieg geht. Wir müssen daher mit unseren Kampagnen und auch mit Büchern noch stärker dorthin, wo sozial Schwächere unterwegs sind, gemeinsam mit der Stiftung Lesen, den Verlagen, dem Börsenverein, den Buchhändlern, Lehrern, Erziehern, Journalisten und natürlich den Autoren und Illustratoren.

Gestern antwortete Jochen Große Entrup, morgen antwortet Klaus Humann.

*nein

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