Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Jan Weitendorf?

Seit dem 6. Dezember 2016 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2017 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“ Heute beantwortet Jan Weitendorf, Geschäftsführer W1-Media unseren „anderen“ Fragebogen:

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Jan Weitendorf Foto: Jan Kermes

1. Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Der 29. Mai – weil ich mich von einer Last befreit habe und dadurch neue Wege gehen konnte.

2. Worüber haben Sie sich 2016 am meisten geärgert?

Über die Macht der großen Konzerne, die über Steueroasen Einnahmen verschieben und mit ihren dadurch erwirtschafteten zusätzlichen Milliarden in den Wettbewerb mit dem Mittelstand treten. Dadurch wird Leistungsfähigkeit, Innovation und Dynamik untergraben und die Radikalisierung unserer Gesellschaft nimmt weiter zu, wovor ich mich extrem fürchte.

3. Was war 2016 Ihr schönster Erfolg?

Der Ausspruch von Maxim Biller in der Sendung „Das literarische Quartett“, in dem er zu „Alles, was ich sonst noch verpasst habe von Lucia Berlin“ sagte: „… meiner Ansicht nach das beste Buch, das wir bisher im Literarischen Quartett gehabt haben…“ – damit hat Arche endlich mal die Beachtung gefunden, die Arche auch zusteht. Aber auch die erste Vorschau des ersten Arctis Programms, das im Januar in den Handel kommt, in den Händen zu halten, war ein Highlight.

4. Und ihr traurigster Misserfolg war…?

Zum Glück gab es keinen großen Misserfolg, den es dieses Jahr zu erwähnen gibt. Sicherlich hätte der Umsatz viel höher ausfallen dürfen –  hier steht die Hoffnung eines kleinen Verlages, der wir im Zusammenschluss sind, noch mehr vom Handel entdeckt zu werden.

5. Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Hamburger Lokalkolorit: Ich liebe nach wie vor die Frontalpräsentation von „Stories“. Die zwei Läden hier in Hamburg haben für mich das beste Konzept mit sich stets ändernden Schwerpunkten. Hier stellt auch die Chefin noch Bücher vor…

6. Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?

Von Radikalen Strömungen, denen aus meiner Sicht sowieso viel zu viel Raum gegeben wird.

7. Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Über das Thema „New Adult“, das aus meiner Sicht eine viel größere Fläche im Buchhandel benötigt. Wie sollen künftige Generationen zum Lesen gebracht werden, wenn nicht über die Literatur, mit der sie am engsten durch andere Medien sozialisiert sind? Im Zeitalter von Instagram und YouTube müssen auch die Angebote an die Bedürfnisse angepasst werden. Dystopien, Anti-Utopien und Fiction-Fantasy in gut gemachter Form müssen eine eigene Angebotsfläche erhalten.

8. Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Den Journalisten zu viel Interpretationsspielraum zu geben – ich möchte lieber proaktiv informieren.

9. Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

10. Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Ich liebe den Stil von Illustrator Torben Kuhlmann, der für „Armstrong“ und „Lindbergh“ dieses Jahr mehrfach ausgezeichnet wurde. Ich hatte schon sein erstes Buch zeitgleich mit Herwig Bitsche von NordSüd in Bologna in einer Ausstellung entdeckt und gehofft, mit ihm in Zukunft arbeiten zu können. Für mich der Deutsche Shan Tan.

11. Welches Buch wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Wir haben potentielle Bestseller im Gepäck: Im Frühjahr: Mysterium von Federico Axat, der schon jetzt im Ausland mit Stephen King verglichen wird. Im Herbst: ein neues Buch von Lucia Berlin, einen Krimi von Donato Carrisi, der in Spanien mit „grandios“ und „atemberaubend“ besprochen wurde. Aber auch in Bezug auf Erich Kästner werden wir eine phantastische Entdeckung präsentieren können..

12. Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von meinen Kollegen im dtv-Beirat, die sich in der Öffentlichkeit häufig zurück halten.

13. Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Warum haben Sie sich an mehreren Verlagen beteiligt – ist das wirklich, wie im Börsenblatt behauptet, eine Sammelleidenschaft?

14. Hier können Sie die auch beantworten:

Natürlich nicht… es geht in einer kleinen Verlagsgruppe noch viel mehr um Synergien als bei den Dickschiffen der Verlagslandschaft. Gerade bei den heute notwendigen Kosten der EDV, der Produktion und des Vertriebs ist eine Kostenteilung unabdingbar. Außerdem machen mir die verschiedenen programmatischen Ansätze und die unterschiedlichen Akteure unglaublich Spaß.

Gestern sprachen wir mit Constanze Neumann über ihr Jahr 2016. Morgen beantwortet Thomas Bez unseren „etwas anderen Fragebogen“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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