Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Friederike Jacob?

Seit dem 6. Dezember 2018 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2019 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Friedenauer Presse-Verlegerin Friederike Jacob unseren “anderen” Fragebogen:

Friederike Jacob: „Ich möchte über erfolgreiche Büchermenschen lesen … über AutorInnen, Verlagsleute, BuchhändlerInnen, alle, die daran mitarbeiten, dass das Lesen im Zentrum unserer Gesellschaft fortbesteht“

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Der 1. September – an diesem Tag ist das erste Programm in meiner wiedergegründeten Friedenauer Presse erschienen. Dicht gefolgt von jenem Moment ein paar Tage später, als ich die Bücher im Schaufenster der Marga Schoeller Bücherstube zum ersten Mal in freier Wildbahn entdeckt habe.

Was war 2018 Ihr schönster Erfolg?

Den Friedenauer Kranich, das Wappentier meines Verlages, wieder auf dem Rücken von frischgedruckten Büchern zu sehen.

Worüber haben Sie sich 2018 am meisten geärgert?

Über das peinliche Gerangel der Großen Koalition um den Umgang mit Hans-Georg Maaßen.  Das hat die Aufmerksamkeit von den eigentlich im Zentrum stehenden Thema, dem Rechtsruck in der öffentlichen Debatte und der Politik, abgezogen.  Und hatte leider prototypischen Charakter.

Ihre schönste Buchhandlung in diesem Jahr?

An das Jahr 2018 werde ich mich als dasjenige erinnern, in dem ich die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in den Buchhandlungen viel besser als zuvor kennengelernt habe – und seither noch viel mehr wertschätze, welche unersetzliche Arbeit sie leisten.

Meine Schwester Pauline und ich haben in diesem Jahr vier Buchhandlungen besucht und den Verlag und sein Programm vorgestellt: die Buchhandlung Leporello in Wien, das ocelot in Berlin-Mitte, die Buchhandlungen Der Zauberberg in Berlin-Friedenau (dem Gründungsort der Friedenauer Presse) und Anna Rahms Laden Mit Büchern unterwegs. Die sind zuerst zu nennen.

Darüber hinaus gab es aber auch aus der Ferne so viel Unterstützung, zum Beispiel von Morawa in der Wiener Wollzeile, Buch78 aus der Kölner Goltsteinstraße, Willfang in Bad Oldesloe, Schleichers in Berlin. Ich freue mich darüber sehr.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?

Über die Zersplitterung der deutschen Gesellschaft. Ich halte diesen Befund zwar in Teilen für richtig, aber nicht für neue Entwicklung der vergangenen Jahre und finde seine Beschwörung unproduktiv.

Über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Über erfolgreiche Büchermenschen! AutorInnen, Verlagsleute, BuchhändlerInnen, alle, die daran mitarbeiten, dass das Lesen im Zentrum unserer Gesellschaft fortbesteht.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Auf Zauderer und Zweifler zu hören.

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Edward Debickis Totenvogel – um Büchern wie diesem eine Chance zu geben, habe ich mich für die Literaturbranche entschieden.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Ein Band mit Tiertexten von Alexander von Humboldt, Tierleben wird er heißen.  Die junge Schweizer Wissenschaftlerin Sarah Bärtschi gibt ihn in der Friedenauer Presse heraus. Die Texte sind hochinteressant, wissenschaftsgeschichtlich wie zoologisch. Und ich genieße es, mit Frau Bärtschi und Pauline Altmann, die den Band gestaltet, daran zu arbeiten. Für uns alle steht die Qualität des Buches im Mittelpunkt.

Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von Nina Wagenbach.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Was ziehen Sie zu Silvester an?

Hier können Sie die auch beantworten:

Ein glitzerndes Paillettenkleid.

Gestern antwortete Harald Kiesel, morgen antwortet Ulrich Dombrowsky.

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