Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Martina Weihe-Reckewitz?

Seit dem 6. Dezember 2018 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2019 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“.  Heute beantwortet Martina Weihe-Reckewitz, Programm-Geschäftsführerin bei Koenigsfurt-Urania, unseren „anderen“ Fragebogen:

Martina Weihe-Reckewitz: Die Studie „Buchkäufer – Quo vadis?“ hat gezeigt, dass viele Menschen sich danach sehnen, mit einem Buch in eine Auszeit ihres Alltags abzutauchen. Also machen doch wohl wir, die Verlage und der Handel, etwas falsch“

Welcher Tag war Ihr schönster diesem Jahr?

Der Tag, an dem wir die letzten Titel dieses Jahres (fast) pünktlich ausgeliefert haben – immer wieder ein Kraftakt.

Worüber haben Sie sich 2018 am meisten geärgert?

Darüber, dass immer noch viel zu viel austauschbare Bücher produziert und auf den Markt geworfen werden.

Was war 2018 Ihr schönster Erfolg?

Einen neuen Vertriebsleiter gefunden zu haben, mit dem das Arbeiten viel Spaß macht.

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Trotz intensiver Arbeit mit einer erfolgversprechenden Autorin im Endeffekt einen Abbruch des Projekts akzeptieren zu müssen.

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Bücher Bartz in unserem Stadtteil Bonn-Beuel. Dort werde ich total nett betreut und finde ich immer so viele Bücher, die ich unbedingt haben muss, dass ich immer wieder mit viel zu viel neuer Beute rausgehe.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?

Dass das gedruckte Buch tot sei – die Studie „Buchkäufer – Quo vadis?“ hat gezeigt, dass viele Menschen sich danach sehnen, mit einem Buch in eine Auszeit ihres Alltags abzutauchen. Also machen doch wohl wir, die Verlage und der Handel, etwas falsch.

Und über welches Thema wollen Sie in diesem Jahr mehr lesen?

Darüber, dass Verlage und Handel wirklich neue Ideen entwickeln und sich trauen, diese auszuprobieren.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Mir viel zu viel vorzunehmen.

Und welchen Fehler werden  Sie trotzdem wiederholen?

Mir viel zu viel vorzunehmen.

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Freude würde ich nicht direkt sagen, aber sehr beeindruckt hat mich die nach vielen Jahren erneute Lektüre von Anna Seghers‘ Roman „Transit“. Sie hat mir intensiv vor Augen geführt, wie sich Menschen fühlen, die im Aufbruch in eine neue Heimat sind und dabei völlig der Willkür staatlicher Behörden ausgeliefert sind. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wenn man Bücher liest, die man als Jugendliche gelesen hat, und feststellt, dass sie heute noch dieselbe Aktualität und Intensität aufweisen.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Natürlich alle Bücher und Karten-Sets des Königsfurt-Urania Verlags.

Von wem würden Sie auch gern mal  die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von einem erfolgreichen Verleger aus dem Jahr 2019.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben,  hätten Sie gern beantwortet?

Warum es sich immer wieder lohnt, so viel Energie für diesen Job aufzubringen.

Hier können Sie die auch beantworten:

Weil es so viele tolle Menschen in der Branche gibt und wir mit Produkten arbeiten, die so wunderbar, vielseitig, liebenswert und wichtig sind. Da muss man doch alles dafür tun, dass die Erfolgskurve nach oben geht.

Gestern antworteten Elisabeth Raabe und Regina Vitali, morgen Dr. Constanze Neumann und Dr. Andreas Rötzer

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