Runde Geburtstage Boris Langendorf (70)

Boris Langendorf mit seinem Buch “Nullzins? Nein danke!”

Boris Langendorf wird heute 70 Jahre alt. Dem Gründer des Langendorf Dienstes gratuliert sein Nachfolger Matthias Koeffler:

Kurz nachdem er in Rente gegangen ist, hat Boris Langendorf ein Bild kursieren lassen. Das zeigte ihn lesend in einem ziemlich geblümten Hemd, das auch als Hawaii-Hemd hätte durchgehen können. Im Hintergrund Palmen. Er bewarb damit seinen frisch erschienenen Ratgeber „Nullzins? Nein Danke!“ Es sollte zeigen: Wer sich in aller Ruhe mit Wirtschaftsdaten und mit der Börse auseinandersetzt, kann einen entspannten Lebensabend verbringen. Auch als Buchhändler. Nicht zuletzt dazu hatte er 2002 ja auch Langendorfs Dienst gegründet.

Gleichzeitig hat es ihm wahrscheinlich auch eine diebische Freude bereitet, auf diese Weise die vielen Nachfragen zu beantworten, was er denn nun mit der ganzen Zeit im Ruhestand anfange. Denn einem so aktiven Mann konnte man kaum abnehmen, dass er jetzt so Knall auf Fall nichts mehr zu tun gedenke.

Doch solange ich Boris kenne, blieb er diskret in persönlichen Dingen und entsprach damit seiner Hanseatischen Herkunft am Tor zur Welt. Dass er schweigen konnte und mit Informationen haushaltete und nicht hausierte, war immer seine Stärke. Seine Form des Freundschaftsbeweises. Nun ist er schon fünf Jahre in Pension und außer, dass er einen Börsenratgeber geschrieben hat, weiß man immer noch nichts über ihn und das, was er sonst so treibt.

Nun gibt zum einen der Kalender etwas preis, und zum anderen wir können etwas enthüllen. Erstens also: Boris feiert heute seinen 70. Geburtstag. Und darüber werden wir nicht schweigen, sondern dazu heftigst gratulieren. Denn er ist immer noch präsent in der Branche. Auf den großen Branchentreffen, wie den Messen und den Buchtagen, ist er weiter noch gern zugegen. Im Hawaii-Hemd ist er allerdings noch nicht gesichtet worden.

Das könnte man sich auch schlecht vorstellen bei ihm. Das höchste der Gefühle ist, dass er an seinem Apple-Rechner im Garten sitzt. Und auch dann wäre er mit Dingen beschäftigt, die immer sein Motto waren: „eine Aufgabe erfüllen, die andere dringend gelöst bekommen müssen. Und wenn die Aufgabe stimmt, dann kommt das Geld ganz von allein“, wie er mal in einem Interview sagte.

Eine Aufgabe bekommt der Mann, der seit den 70er Jahren als routinierter Wirtschaftsjournalist arbeitet, ganz sicher immer noch gut erfüllt: die Urlaubsvertretung für seinen Nachfolger zu machen. Dann stimmt auf einmal wieder die Rechtschreibung und die einzelnen Nachrichten werden wieder kürzer.

Er war schon immer gegen den Mainstram: Andere tun so als würden sie arbeiten und verbreiten Bilder von sich, auf denen sie in wichtiger Arbeit zu stecken scheinen, sind aber in Wirklichkeit in der Karibik. Und Boris tut so als würde er den Tag unter Palmen verbringen und sitzt in Wirklichkeit am Rechner. Und ich würde mich nicht wundern, wenn das Foto, das er kursieren ließ, in Wirklichkeit aus dem Frankfurter Palmengarten ist. Ich gebe zu, hin und wieder recherchiere ich auf buchhandel.de, ob er nicht heimlich schon ein zweites Buch veröffentlicht hat.

Und zweitens können wir nun enthüllen: Tatsächlich hat er erst dieses Jahr, im Jahr seines Siebzigsten zum ersten Mal eine Kreuzfahrt gemacht, auf dem er hätte ein Hawaii-Hemd tragen können. (Nebenbei: Hat er aber nicht. Im Gegenteil, das Sakko war immer dabei.) Das Schöne war, sie führte an der kroatischen Stadt Rijeka unweit unseres Ferienhauses vorbei. So konnten wir ihn dort beim Landgang treffen und verbrachten einen herrlichen Tag mit ihm, indem wir ihm und seiner Gattin die Stadt zeigen durften.

Aber Sie dürfen sicher sein, der Preis für die Fahrt war gut ausgehandelt. Wir vermuten, Kapitän und Reeder haben heimlich geweint und sich anschließend besoffen.

Und wo wir beim Trinken sind, erheben wir das Glas auf den Mann,

  • der ein ganzes Stück Wirtschaftsdenken in die Branche gebracht hat,
  • der uns und mich gelehrt hat, nüchtern die Zahlen zu betrachten, während sich andere an vermeintlichen Hypes berauscht haben
  • und der für die Branche mit Erkenntnissen aus Zahlen anregend wirken konnte, ohne die sie auf dem Trockenen gesessen hätte.

Boris, immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel und halt die Ohren steif im Branchenwind

wünscht Dir

Dein

Matthias

Kontakt: Langendorf@web.de

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