Das Sonntagsgespräch Bertram Pfister über Strukturwandel im Buchhandel und die Chancen für den Buchhandel

Zum neunten Mal bereits findet im Mai der Libri.Campus in Bad Hersfeld statt – und hat sich nicht nur als größte Weiterbildungsveranstaltung der Branche etabliert.

Wieder ist die Veranstaltung völlig ausgebucht – das war Anlass für unser heutiges Sonntagsgespräch mit Libri-Vertriebsleiter Bertram Pfister.

Herr Pfister, an den Themen der jährlichen Campus Veranstaltungen kann man genau die Veränderungen in der Branche ablesen. Der Libri.Campus hat es über die Jahre verstanden, den Strukturwandel zu erspüren und zu begleiten.

Bertram Pfister

Bertram Pfister: Das liegt ganz einfach daran, dass von Beginn an unser Hauptanliegen war, mit dem Libri.Campus den inhabergeführten Buchhandel zu stärken. Und durch den stark wachsenden Onlinehandel und die Digitalisierung wurde Weiterbildung noch wichtiger.

Die Schwerpunkte des Libri.Campus 2011 und 2012 stehen in engem Zusammenhang und tragen dem Strukturwandel Rechnung…

Ja, mit dem Thema „online – vom Spielbein aufs Standbein“ hatten wir letztes Jahr ins Schwarze getroffen. Beim letzten Libri.Campus herrschte deshalb schnell die einhellige Erkenntnis, dass Kunden heute sowohl im Laden als auch online einkaufen. Dass sich Umsätze stark ins Internet verlagern wird heute kein Buchhändler mehr ernsthaft in Frage zu stellen…

… mit der Konsequenz, dass sich Buchhändler heute viel stärker auch um ihr Onlinegeschäft kümmern müssen?

Zumindest geht es darum, stationär und online sinnvoll zu verzahnen und damit wenigstens die Onlineumsätze der eigenen Kunden in der Buchhandlung zu halten und mit den Kunden die Zukunft zusammen zu erleben.

Haben Sie denn Ideen dazu?

Wir haben Konzepte erarbeitet, wie der Onlineshop in das eigene buchhändlerische Geschäftsmodell integriert und dann auch bekannt gemacht werden kann. Dabei reicht es natürlich nicht, die Shopadresse auf alle Firmenunterlagen zu drucken und mal ein Plakat aufzuhängen. Kein Buchhändler würde ja auf die Idee kommen, eine neue Filiale nur über einen Hinweis auf Visitenkarten zu bewerben. Aber darum geht es: Um die eigene Online-Filiale.

Hat die denn gegen Amazon und Co überhaupt eine Chance?

Natürlich, denn jeder Buchhändler hat etwas, was kein Onlinehändler hat, nämlich den direkten, persönlichen Draht zum Kunden. Buchhändler sollten diesen persönlichen Kontakt nutzen und ihren Onlineshop aktiv ins Kundengespräch einbauen. Hier besteht oft große Zurückhaltung weil befürchtet wird, dass die Kunden dann über kurz oder lang komplett ins Internet abwandern würden. Aber alle Untersuchungen belegen, dass dieses Szenario unbegründet ist. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Die Stärke der persönlichen Begegnung und das persönliche Erlebnis wird man nie ersetzen können.

Aber die Amazons dieser Welt vertsehen das Internetgeschäft besser…

Da ist was dran, im Internetgeschäft haben sich heute Standards etabliert, die als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Dazu gehören ein umfangreicher Katalog, eine treffsichere Suche, eine intuitive Navigation, sichere Prozesse im Zahlungsverkehr und eine zuverlässige, schnelle Belieferung. Technisch und auch wirtschaftlich sind die meisten Buchhändler nicht in der Lage, dies aus eigener Kraft zu stemmen.

Da kommen Sie als Zwischenbuchhändler ins Spiel…

Das ist ja nicht neu. Aber auch wir haben unser Angebot erheblich weiterentwickelt. Mit Libri.Shopline bieten wir unseren Kunden ein leistungsfähiges Shopsystem. Bei der Weiterentwicklung von Libri.Shopline war es uns darüber hinaus wichtig, dass jeder Buchhändler seinen Onlineshop genau wie das stationäre Geschäft ganz individuell bespielen kann. Das betrifft die komplette Optik, die Informationen über die Buchhandlung, individuellen Buchempfehlungen und vieles mehr. Und weil sich Kunden vor dem Buchkauf auch häufig im Internet vorab informieren, können Buchhändler, die mit einer Warenwirtschaft arbeiten, im Onlineshop sogar zeigen, welche Bücher im Laden vorrätig sind. An diesem Beispiel wird deutlich, dass aus der Verzahnung von stationär und online auch neue Möglichkeiten entstehen.

Die diesjährige Libri.Campus-Veranstaltung setzt auf die des letzten Jahres auf…

… ja, denn eine reine Fokussierung auf das Onlinegeschäft wird nicht ausreichen, dem Strukturwandel zu begegnen. Die veränderten Konsum- und Lesegewohnheiten werden auch das stationäre Geschäft in weiteren Dimensionen tangieren. So sind bestimmten Warengruppen rückläufig, weil sich die Menschen Informationen zunehmend im Internet beschaffen. Alles in allem geht es darum, das eigene Geschäftsmodell, in dem bisher weder der Onlinehandel noch die Digitalisierung eine wesentliche Rolle gespielt haben, insgesamt neu zu denken.

Mit welchem Ziel?

Das zentrale Ziel des Campus 2012 wird sein, den sichtbaren Veränderungen den Schrecken zu nehmen und an Beispielen aufzuzeigen, wie sich Händler in ähnlichen Situationen erfolgreich neu aufgestellt haben. Handel war schließlich immer schon Veränderungen von außen unterworfen. Insofern ist die Arbeit am eigenen Geschäftsmodell zwar mühsam, aber auch nicht außergewöhnlich. Ganz wichtig wird es dabei sein, auf den eigenen Stärken aufzusetzen und diese dann gezielt weiter auszubauen. Somit lautet der Titel der diesjährigen Veranstaltung auch: „Wer seine Stärken kennt gewinnt: so steigern Sie die Attraktivität Ihrer Buchhandlung im digitalen Zeitalter.“

Nächstes Jahr feiern Sie 10 Jahre Libri.Campus…

Ja, stimmt. Und der Libri.Campus bleibt auch das Herzstück unseres Fortbildungsangebots, ist aber längst nicht mehr die einzige Veranstaltung. So gibt es seit einigen Jahren das Konzept Libri.Campus.kompakt. Dabei handelt es sich um eintägige Tagesseminare, die bundesweit an verschiedenen Orten stattfinden. Und einen immer größeren Stellenwert gewinnen Online-Webinare. Der Teilnehmer kann dabei das Seminar am Bildschirm in der Buchhandlung oder von zu Hause aus verfolgen. Die persönliche Kommunikation mit dem Moderator und den anderen Teilnehmern erfolgt parallel über das Telefon. Webinare sind eine wunderbare Ergänzung zu unseren Vor-Ort-Veranstaltungen. Sie sind zeitsparend und unterstützen unsere Kunden in der praktischen Umsetzung vieler Themen. Allein rund um Libri.Shopline bieten wir dieses Jahr über 25 Webinare download(Libri.Shopline Webinartermine 20124.pdf) mit verschiedenen Schwerpunkten an, die inhaltlich aufeinander aufbauen. Damit haben unsere Kunden die Möglichkeit, ihren Onlineauftritt schrittweise weiterzuentwickeln.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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