Franziska Bär über ihr Buch "Ins Nirgendwo, bitte" (Conbook) „Abenteuer sind nicht jeden Tag schön, aber am Ende lohnt sich alles, das verspreche ich“

Franziska Bär

Immer freitags hier ein Autorengespräch: In ihrem Buch Ins Nirgendwo, bitte! (Conbook/ET April 2019) erzählt die Autorin Franziska Bär von einem besonderen Abenteuer.  Sie selbst sagt dazu: „Ich glaube, während des Schreibens (drei Jahre nach der großen Reise) habe ich zum ersten Mal wirklich verarbeitet, was wir dort alles erlebt haben. Es gab Abende, da war ich nach dem Schreiben fix und fertig“. Anlass für Fragen an die Autorin, die zuvor mit ihrer Kurzgeschichte Gekritzel im Sand gegen die große Einsamkeit  den Autorenwettbewerb des Reiseblogs The Travel Episodes gewann.

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BuchMarkt: In Ihrem Buch Ins Nirgendwo, bitte geht es um eine Wanderung durch die Mongolei.  Was macht Ihre Geschichte aus?

Franziska Bär: Wir wandern durch das am dünnsten besiedelte Land der Welt. Mit allem auf dem Rücken, was man zum Überleben in so einer wilden Gegend braucht. Und wir zeigen, dass es möglich ist – ohne, dass wir in die Kategorie der „Extremreisenden“ fallen, die sich ihr Leben lang mit abenteuerlichen Expeditionen auseinandersetzen. Man könnte sagen, wir sind das Paar von Nebenan, das seine Träume verfolgt, anstatt sie für verrückt zu erklären.

Wie entstand die Buchidee?

Was das angeht, hatte ich ehrlich gesagt wahnsinnig viel Glück. Eine gute Freundin von mir, die selbst auch schreibt, sagt immer: ‚Wenn ein Buch geschrieben werden soll, dann findet es seinen Weg selbst‘.  Ich schätze, so ähnlich war das bei mir: Ich hab im Sommer 2017 bei einem Autorenwettbewerb mitgemacht, den der Reiseblog The Travel Episodes zusammen mit dem Piper Verlag ausgeschrieben hatte. Beworben habe ich mich mit einer Kurzgeschichte, die unser Abenteuer in der Mongolei zusammenfasst.  Gekritzel im Sand gegen die große Einsamkeit, so heißt sie. Damit bin ich unter die Gewinner gekommen, das hat alles ins Rollen gebracht. Erst kam die Agentin, dann der Verlag. Und jetzt das Buch.

Wussten Sie während der Reise schon, dass Sie über Ihr Abenteuer ein Buch schreiben werden?

Ehrlich? Nie und nimmer! Ich hatte nie vor, überhaupt irgendwas über die Mongolei zu schreiben, obwohl ich ja zu dem Zeitpunkt als Redakteurin gearbeitet habe. Als wir zu dem Abenteuer aufgebrochen sind, da war das so eine Zeit, da wollten wir das Erlebnis einfach für uns haben. Als wir nach der Reise gemerkt haben, wie groß das Interesse ist, war es aber schön , unsere Erlebnisse zu teilen. Das haben wir dann immer mehr gemacht.

Das Buch haben Sie ungefähr drei Jahre nach der Reise geschrieben. Wie haben Sie es geschafft, sich so genau an alles zu erinnern?

Das war tatsächlich viel viel leichter, als ich selbst gedacht hätte. Wenn man sich Tag für Tag so viele Stunden mit diesem einen Thema beschäftigt und alles ausgräbt, was einem dazu einfällt, dann verselbstständigen sich die Gedanken irgendwann. Man kommt von einem ins andere. Plötzlich sind mit Kleinigkeiten aufgefallen, an die ich seit der Reise kein einziges Mal mehr gedacht habe. Was natürlich auch geholfen hat, waren unzählige Gespräche mit Felix. Gegenseitig haben wir uns auf die Sprünge geholfen. Außerdem habe ich in der Mongolei alle paar Tage mal in ein Notizbuch geschrieben, und wir haben viele Fotos und sogar Videosequenzen.

War das immer einfach, dieses Abenteuer Jahre später noch einmal aufzuarbeiten?

Nein, gar nicht. Um ehrlich zu sein, war es die meiste Zeit überhaupt nicht einfach. Ich glaube, während des Schreibens habe ich zum ersten Mal wirklich verarbeitet, was wir dort alles erlebt haben. Und das waren ja nicht nur schöne und tolle Momente. Wir haben oft gehadert: Mit der Einsamkeit, dem Ausgesetzt-Sein und nicht zuletzt mit der Angst, was das alles mit unserer Beziehung anstellen wird. Wir mussten uns schließlich auch darauf vorbereiten, dass unsere Beziehung dem Abenteuer nicht gewachsen ist. Und dann gab es Momente, die man am liebsten so schnell wie möglich wieder vergessen würde. Was ich stattdessen machen musste: Mich in jedes kleinste Detail dieser Momente zurückdenken, ganz genau nachfühlen, wie das war. Es gab Abende, da war ich nach dem Schreiben fix und fertig.

Wie war Ihre Schreibroutine, gab es einen bestimmten Ort, an dem Sie geschrieben haben?

Weil ich nebenbei einen festen Teilzeitjob habe, war meine Schreibroutine recht vorgegeben: Ich hatte immer zwei Tage unter der Woche für mein Buch und hab mir zusätzlich einen Tag am Wochenende genommen. Für mich hat das gut gepasst,weil ich zwischendurch immer wieder gezwungen war, den Kopf frei zu bekommen. Mehr oder weniger :). Um kreativ zu sein,brauche ich Raum um mich herum. Das klingt vielleicht komisch, aber wenn ich eine Wand vor der Nase habe, engt mich das beim Schreiben irgendwie ein. Meistens saß ich deswegen auf dem Fensterbrett und bin mit der Sonne gewandert. Dieser Ortswechsel hat mir außerdem bei kleinen Hängern geholfen.

Mit welchen Argument kann der Buchhändler das Buch am besten im Laden verkaufen?

Über die Mongolei gibt es so gut wie keinen Lesestoff. Sie ist eine unentdeckte Welt. Das war es, was uns bei der Vorbereitung unter anderem zu schaffen gemacht hat. Außerdem ist meine Geschichte ein Mix aus Abenteuer, Emotionen und Beziehung. Ich würde also sagen: Es ist für jeden was dabei.

Welche Leserschaft soll angesprochen werden?

Auf der einen Seite Reisende, die für ihr nächstes Abenteuer nach Motivation, Mut und Erfahrungen suchen. Eine Inspiration, mal was Ungewöhnliches zu wagen. Auf der anderen Seite möchte ich auch alle Zuhausegebliebenen ansprechen, die fasziniert sind von der Welt und sich ein Bild durch die Augen anderer verschaffen wollen.

Gibt es drei prägnante Wörter, die das Buch passend beschreiben?

Abenteuer, Alleinsein und Liebe. Die Liebe zu alldem.

Welche Reaktionen erhoffen Sie sich auf das Buch?

Natürlich würde ich mir wünschen, ein paar Menschen zu inspirieren. Dazu, dass sie sich trauen, Neues zu wagen und weit außerhalb der Komfortzone unterwegs zu sein. Ich will ganz viele Portionen Mut verteilen und die Stärke, an eigene Träume zu glauben. Auch, wenn sie verrückt klingen. Dabei will ich aber niemanden verblenden. Mir ist wichtig, zu sagen, dass solche Abenteuer nicht jeden Tag schön sind. Aber am Ende lohnt sich alles, das verspreche ich.

Die nächste Reise ist entsprechend mit Sicherheit schon in Planung?

Klar. Ganz unmittelbar als nächstes: Eine Reise in die Wüsten des Oman. Im Sommer durchwandern wir außerdem das Kaukasus-Gebirge in Georgien. Könnte sein, dass da ein paar Erinnerungen an die Mongolei hochkommen. Für nächstes Jahr gibt es natürlich auch schon Ideen und soviel kann ich verraten: Wir haben Lust auf ein richtig großes Abenteuer.

Franziska Altepost

 

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