Mikko-Pekka Heikkinen über sein Buch "Rentiermafia" (Antium) „Mafiageschichten lassen schließlich niemanden kalt“

Mikko-Pekka Heikkinen. © Otto Virtanen / Johnny Kniga / WSOY

„Eine fesselnde Schilderung eines knallhart ausgetragenen Generationenkonflikts mit Situationskomik, skurrilen Figuren und einem guten Schuss Exotik“ –  Mikko-Pekka Heikkinen legt mit Rentiermafia einen Roman bei Antium vor, das vom organisierten Verbrechen erzählt. Übersetzt wurde das Buch von Verleger Beat Hüppin, der aufgrund des ungewöhnlichen Vokabulars „mitunter fast verzweifelt wäre“ und der Heikkinens Werke erstmals ins Deutsche übersetzte. Anlass für Fragen an Autor und Verleger:

BuchMarkt:Worum geht es in dem Buch?

Mikko-Pekka Heikkinen: Das Buch erzählt vom organisierten Verbrechen unter den Rentierhaltern in Nordfinnland. Ausserdem von Familie, Macht und einer umwerfenden Geschäftsidee, die die Lebensweise der Rentierhalter auf den Kopf stellt.

Wie entstand die Idee dazu?

Ich war in Lappland und schrieb am Vorgänger der Rentiermafia, als ich von einem Rentierhalter hörte, wie skrupellose Methoden beim Hüten der Rentiere verwendet werden, wenn es hart auf hart kommt. „Das ist wie eine Rentiermafia“, rief er aus. So entstand die Idee. Ich ergänzte vieles aus der Fantasie, weil ich wollte, dass die Geschichte eine waschechte Mafiasaga mit einem richtigen Mafioso werden sollte. Ausserdem mit Gangstern, die in MC-Lederwesten gekleidet auf Schneemobilen fahren.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Es ist, als ob die Coen-Brüder einen Roman von Arto Paasilinna verfilmt hätten.

Welche Leserschaft soll angesprochen werden?

Ein breites Publikum, weil Mafiageschichten schliesslich niemanden kalt lassen. Besonders gut kommt das Buch bei Freunden von Filmklassikern wie „Der Pate“ oder „GoodFellas“ an.

3 Wörter, die das Buch optimal beschreiben?

Mitreissend, originell und exotisch.

Wird es eine Fortsetzung geben?

Das weiß ich noch nicht.

Was lesen Sie privat aktuell?

Gegenwärtig lese ich meinen Text über Clint Eastwood wieder und wieder. Ich arbeite an einem Porträt von Clint Eastwood für die Zeitung „Helsingin Sanomat“, bei der ich Redakteur bin.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Besitzen Sie selbst Rentiere?

Hier können Sie dies nun tun:

Nicht mehr. Ich besaß als Kind und Jugendlicher Rentiere, aber die haben wir nach dem Tod meines Vaters verkauft. Als kleiner Junge war ich mit meinem Vater oft im Wald, wo wir uns um die Rentiere kümmerten.

Herr Hüppin, wie kamen Sie als Übersetzer und Verleger auf die Idee, „Rentiermafia“ herauszubringen?

Beat Hüppin: Das war tatsächlich ein außergewöhnlicher Fall. Ich kannte den Autor und seine Werke noch nicht, als mir zufällig an einem Bücherkiosk im Flughafen Helsinki-Vantaa ein „Poromafia“-Taschenbuch (also „Rentiermafia“) in die Hände geriet. Das Cover, der Titel und der Klappentext sprachen mich sofort an. Spontankauf. Nachdem ich nur die erste Seite gelesen hatte, wusste ich sofort: Das ist genial, das muss ich für den Verlag kriegen. Tatsächlich war noch keines von Heikkinens Werken ins Deutsche übersetzt worden und es klappte.

Und haben Sie Ihre schnelle Entscheidung später beim Übersetzen jemals bereut?

Nein, niemals. Aber ich bin aufgrund des ungewöhnlichen Vokabulars mitunter fast verzweifelt. Man denke nur an die vielfältigen Begriffe im Zusammenhang mit der Rentierzucht, die in der Regel nicht einmal Finnen verstehen (alle, die nicht beruflich mit Rentieren zu tun haben). Dank Internet findet man einiges, was nicht in normalen Wörterbüchern verzeichnet ist – aber auch nicht alles.

Was macht das Buch Ihrer Meinung nach für die Leserschaft interessant?

Man hat hier als Mitteleuropäer wirklich die Möglichkeit, in eine ganz fremde Welt einzutauchen. Dank der humoristisch-satirischen Schreibe des Autors macht das auch noch einen Heidenspass. Seine Idee, eine Lederwestengang einzuführen, die alle Klischees eines Bikerclubs erfüllt, bloss dass die schweren Jungs statt mit Motorrädern mit aufgemotzten Schneemobilen unterwegs sind, ist schlichtweg genial.

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