Die Liebe zum Schreiben ließ sie die Seiten wechseln: Q&A mit Regina Denk alias Fanny König „Aus der Branche kommend überlegt man genau, ob man sich auf das Abenteuer Autor einlassen will“

Regina Denk Aka Fanny König

 

Regina Denk ist nicht nur Verlagsleitung im Ratgeber-Segment „Bewusst leben“ der Verlagsgruppe Droemer Knaur, sondern auch Autorin und zweifache Mutter. Unter dem offenen Pseudonym Fanny König schreibt sie niederbayerische Dorfkrimis. Ihr Debütroman Himmel, Herrgott, Hirschgeweih ist seit März erhätlich.

BuchMarkt:Wie kam es dazu, eigene Bücher zu veröffentlichen?

Regina Denk: Der Wunsch Autorin zu werden ist tatsächlich viel älter, als der Wunsch ein Verlagsprogramm zu gestalten. Schon als Jugendliche habe ich, wenn ich nicht gerade gelsen habe, selbst geschrieben. Die Liebe zu den Büchern begleitet mich seit frühester Kindheit. Lange war das „Selbst-Schreiben“ aber wirklich nur ein Hobby neben der Verlagsarbeit und nur Familie und Freunde durften lesen. Aus dieser Ecke kam letztendlich auch der Schubs damit an die Öffentlichkeit und an Verlage heranzutreten. Gezögert habe ich immer noch einige Zeit, weil man – aus der Branche kommend – natürlich die Wege kennt und sich genau überlegt, ob man sich auf das Abenteuer Autor einlassen will.

 Wo sehen Sie darin die besondere Herausforderung?

 Selbstverständlich ergeben sich durch die eigene Berufserfahrung gewisse Vorteile: man kennt die Abläufe, die Timings, weiß, was Verlage und Händler brauchen, um einen Titel möglichst erfolgreich zu platzieren und kann sicherlich unterstützend zuarbeiten, was ich auch versuche – wo immer möglich. Andererseits weiß man auch um die Herausforderungen in den Häusern, allen Titeln gerecht zu werden, jeden Autor und jedes Projekt so gut es geht zu unterstützen und was das im Detail bedeutet. Da ist es manchmal sehr schwer, vielleicht schwieriger als für jemanden, der die Maschinen nicht kennt, loszulassen und nicht zu versuchen, sich um alles zu kümmern, wie man es für das eigene Programm und die eigenen Autoren macht. Einfach nur Autor sein – das ist dann die größte Herausforderung. Ich versuche dann, die beiden Rollen voneinander zu trennen und nehme mir immer auch vor, meine eigenen Autoren-Sorgen im Blick zu haben, wenn ich das nächste mal als Verlagsleitung spreche.

Worum geht es in Ihrem neuen Buch?

Himmel Herrgott Hirschgeweih von Fanny König

In  Himmel, Herrgott, Hirschgeweih geht es um ein kleines Dorf in Niederbayern. Dort wird der Hauptbrandmeister Wimmer tot im Wald aufgefunden – aufgespießt von einem Hirschgeweih. Die Bewohner der kleinen Gemeinde Eichenberg fallen beinahe vom Glauben ab: ein Mörder in den eigenen Reihen? Dumm nur, dass die sturen Dörfler den ermittelnden Polizisten aus dem fernen München nicht leiden können.  Der sieht nur einen Weg, den Fall zu lösen: Er braucht göttliche Unterstützung – und zwar in Form vom beliebten Dorfpfarrer Leopold Meininger und seiner Köchin Maria. Denn die kennen ihre Schäfchen schließlich am besten. Auch die schwarzen…

Und woher stammt Ihre Inspiration zu so einem Krimi?

Ich stamme selbst aus Niederbayern und fand es immer schon bemerkenswert, dass meine Heimatkulisse so idyllisch ist und trotzdem hinter vielen Türen wahnsinnige Schiksale und kaum zu glaubende Geschichten warten, die einem doch ab und an den Atem stocken lassen. Beim Sonntagskaffee, wo’s gemütlicher nicht sein könnte, hat die Oma, hinter der Torte verschanzt, Tragödien ausgepackt, dass selbst Rosamunde Pilcher noch was hätte lernen können. Das muss man einfach aufschreiben. Der Krimi ist zwar frei erfunden, aber im Grunde könnte er vielleicht irgendwo sogar wahr sein…

Wird es denn noch mehr vom Dreiergespann aus Eichendorf zu lesen geben?

Auf jeden Fall. Der zweite Band ist schon so gut wie fertig und kommt demnächst. Besuch aus Berlin wirbelt in Eichendorf so richtig Staub auf. Es wird alles in Frage gestellt von kulinarischen Genüssen bis hin zu großen Gefühlen, kein Wunder, dass es da wieder eine Leiche gibt.

Im dritten Band verschägt es den Pfarrer Leopold dann nach Rom, da muss er sich selbst ordentlich ins Gewissen horchen, wie es für ihn und die Maria weitergeht und stören tut ihn dabei nicht nur eine Leiche. Es bleibt also spannende an der Täter – und Beziehungsfront.

 Und wie kommt es, dass Sie unter Pseudonym schreiben?

 Es handelt sich um ein offenes Pseudonym. Es ist also kein Geheimnis, wer ich im wirklichen Leben bin. Am Anfang war es mir vor allem wichtig, dass meine Bücher aufgrund des Textes bewertet werden und nicht aufgrund meiner Branchentätigkeit. Meine Manuskripte wurden den Verlagen von meiner Agentur deswegen unter einem Pseudonym angeboten. Außerdem ist geplant, dass ich auch außerhalb des Krimi-Gernres veröffentlichen werde. Dann, schon aus Leserfreundlichkeit, nochmals unter anderem Namen. Für alle Googler ist es so einfach leichter die Person zu finden, die man auch sucht: Regina Denk, die Verlagsleitung, Fanny König und die Regio-Krimis und was auch immer in der Zukunft noch kommt.

 Und in welchem Genre schreiben Sie noch?

Im Herbst wird es den ersten dystopischen Roman von mir zu lesen geben. Der erscheint auch bei Random House. Ein ganz anderer Stoff, der mich im Moment sehr nachdenklich stimmt, weil er Themen und Situationen streift, die vor einem Jahr bei Fertigstellung wilde Sience Fiction waren und nun plötzlich so real erscheinen, dass man beinahe Gänsehaut bekommt.

Das könnte ja unterschiedlicher kaum sein. Welches Genre bereitet Ihnen denn mehr Freude?

Das ist wirklich schwer zu beantworten. Die Krimis sind schon ein riesen Spaß, da muss ich beim Schreiben oft selbst lachen, was die Leut nicht so alles anstellen. Das ist wirklich wie nach Hause kommen, nur eben zwischen Buchseiten.

Die Dystopie fordert viel mehr, das ist auf eine andere Weise kreativ fordernd – was wird passieren in den nächsten paar hundert Jahren? Gerade sitze ich an Band Zwei und der ganze Plot will sich wie von selbst nochmal verändern. Ich habe viel recherchiert und trotzdem ist viel Phanatasie im Spiel. Viel von dem, wie man sich selbst die Zukunft wünscht. Ich bin ein hoffnungsloser Optimist, das spürt man sicher in allen meinen Büchern, egal welches Genre und welcher Name. Und je nach meiner Stimmung oder Tagesverfassung arbeite ich an dem einen oder dem anderen Werk. Das ist ja das Wunderbare am Autor sein, da gibt es keine Grenzen und Regeln.

Und neben dem Schreiben arbeiten Sie außerdem als Verlagsleitung und sind Mutter – wie kriegen Sie all das unter einen Hut?

Die ehrliche Antwort: ich habe einen wunderbaren Mann und die besten (Groß-)Eltern der Welt an meiner Seite. Die sind nicht nur meine Motivation, was das Schreiben anbelangt – ich schreibe in einem Cloud-Dokument das für ausgewählte Kritiker immer offen steht – ohne sie würde auch das Alltagsleben nicht funktionieren. Das Schreiben ist mein Yoga, mein Sport, daneben habe ich (leider) fast kein Hobby mehr, aber für mich sind das die wunderbarsten Auszeiten, die man sich nur wünschen kann. Aktuell sind die Kinder noch klein und viel unkomplizierter, als ich es eigentlich verdient hätte. Wie sich das weiterentwickelt? Keine Ahnung, wir bleiben agil und im Scrum-Modus. Die Familie ist für mich das allerwichtigste und nur so lange das aktuelle Jonglieren für alle gut funktioniert, wird es auch weiter praktiziert. Andernfalls werden Bälle aussortiert. Ich hoffe aber, dass das noch nicht so schnell geschehen muss.

Und was lesen Sie privat gerne/aktuell?

Privat und beruflich lässt sich das Lesen bei mir kaum trennen, ich versuche vor allem mit Blick auf die Programmarbeit im Verlag die Sachbuch- und Ratgeberlisten an- und quer zu lesen, da begleitet mich gerade More Myself von Alicia Keys, deren deutsche Rechte wir bei Droemer eingekauft haben. The most fun we ever had von Claire Lombardo habe ich verschlungen, ein wunderbarer Roman den ich gern selbst geschrieben hätte. Und jeden Abend um 19:00 lese ich mindestens zweimal Trau dich, Koalabär von Rachel Bright für ein begeistertes Ein-Personen-Publikum, das nie genug kriegt von Kimi Koala.

 

 

 

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