Andreas Pflüger über seinen Politthriller "Operation Rubikon" (Suhrkamp) „Einiges von dem, was ich in meinem Roman beschrieben habe, hat sich tatsächlich so zugetragen“

Andreas Pflüger (c) Stefan Klüter

Der scheinbar aussichtslose Kampf gegen ein machtgieriges Kartell – Andreas Pflügers Thriller Operation Rubikon ist jetzt bei Suhrkamp erschienen. Die Reihe um seine blinde Ermittlerin Jenny Aaron, bestehend aus EndgültigNiemals und Geblendet, erscheint hier seit 2016. Wir sprachen mit dem Autor zu seinem neuen Werk von dem er sagt: „Operation Rubikon arbeitet mit klassischen Spannungselementen, zeichnet aber auch ein Sittenpanorama der Bundesregierung und der deutschen Sicherheitsbehörden, was das Buch gleichzeitig zu einem Gesellschaftsroman macht.“

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Andreas Pflüger: Operation Rubikon ist ein Politthriller, in dem ich eine Machtübernahme des organisierten Verbrechens in Deutschland durchgespielt habe. Im Zentrum steht BKA-Präsident Wolf, der am Ende seiner Amtszeit gegen den deutschen Innenminister ermitteln muss. Dabei ist er auf die Hilfe seiner Tochter Sophie angewiesen, die sich vor vielen Jahren von ihm losgesagt hatte. Das Buch arbeitet mit klassischen Spannungselementen, zeichnet aber auch ein Sittenpanorama der Bundesregierung und der deutschen Sicherheitsbehörden, was das Buch gleichzeitig zu einem Gesellschaftsroman macht.

Wie entstand die Idee?

Ein Filmproduzent brachte mich mit dem früheren BKA-Präsidenten Hans-Ludwig Zachert zusammen, der mir bei unserer ersten Begegnung erzählte, dass er aufgrund einer Gesetzesnovelle, die vom Bundestag ohne größere Diskussion durchgewunken worden war, nicht gegen seinen eigenen Dienstherren ermitteln dürfe. Mehr brauche ich nicht, um mein Kopfkino in Gang zu setzen.

Wie haben Sie recherchiert?

Zu dem ersten Treffen mit Hans-Ludwig Zachert kam ich in Lederklamotten mit meiner Harley und er mit sechs Leibwächtern und Panzerlimousine. Wir wurden beide gleichermaßen neugierig auf den anderen – was später zu einer ganz engen Freundschaft geführt hat. Beim Recherchieren kenne ich kein Augenmaß, das ist Fluch und Segen zugleich. In diesem Fall habe ich mich drei Wochen lang jeden Tagacht Stunden mit Hans-Ludwig Zachert getroffen, dem wohl besten Kenner der deutschen und internationalen Sicherheitsarchitektur überhaupt. Aus diesen Gesprächen ist eine Abschrift von 12.000 Seiten entstanden, die Grundlage meiner Arbeit an dem Roman. Dazu kamen Treffen mit hochrangigen Experten, wie einem früheren Generalbundesanwalt, Geldwäscheexperten einer führenden deutschen Bank und Verdeckten Ermittlern des BKA, um nur einige zu nennen. Von dem Wissen, das ich damals erworben habe, zehre ich bis heute, auch bei den Jenny-Aaron-Romanen.

Was war die größte Herausforderung?

Bei Büchern wie diesem ist es immer am schwersten, unendlich viel lernen zu müssen, um es dann beim Schreiben wieder zu vergessen. Ich finde nichts lähmender, als den Leser mit Wikipedia-Wissen beeindrucken zu wollen. Man darf sein Publikum nicht belehren, sondern muss es fesseln und das Recherchewissen eher subkutan einfließen lassen.
Warum ist Operation Rubikon auch heute noch aktuell?
Zum einen habe ich schon beim Schreiben die Handlung in eine nahe Zukunft versetzt und technische Entwicklungen eingebaut, an denen noch gearbeitet wird. Zum anderen ist ja vor einigen Wochen ein Skandal hochgekocht. Wie sich herausstellte, hat der BND noch bis 2018 fremde Regierungen bespitzelt und dieses Wissen mit der CIA geteilt. Sinnigerweise lautete der Tarnname dafür »Operation Rubikon«. Es stellte sich heraus, dass einiges von dem, was ich in meinem Roman beschrieben habe, sich tatsächlich zugetragen hat – und auch noch unter demselben Label. Mehr Reklame darf man sich als Autor kaum wünschen.
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