Der Berliner Buchhändler Edgar Rai über seinen mitreissenden Roman über den ersten UFA-Tonfilm und die Anfänge von Marlene Dietrichs Weltkarriere „Man muss weder Marlene Dietrich, Emil Jannings oder den Film der Blauen Engel kennen, um den Roman zu mögen“

Edgar Rai: „Es geht um die unglaubliche Entstehungsgeschichte des ersten, international bedeutenden deutschen Tonfilms und damit verbunden die vielen Zufälle, die zusammenkommen mussten, um die internationale Karriere von Marlene Dietrich zu ermöglichen – und viel mehr“ (Durch Klick auf Bild zum Buch)

Der Berliner Buchhändler Edgar Rai hat mit Im Licht der Zeit (Piper) einen hinreißenden Roman über die Anfänge von Marlene Dietrichs Weltkarriere geschrieben, den man nicht nur als  Geschichte auch über die Verfilmung des ersten großen deutschen Tonfilms, sondern auch als Parabel auf den gesellschaftlichen Umbruch damals wie heute lesen kann. Das war Anlass für Fragen an den Autor: 

Herr Rai, worum geht es in Licht der Zeit?

Edgar Rai: Vor allem geht es um die unglaubliche Entstehungsgeschichte des ersten, international bedeutenden deutschen Tonfilms, des Blauen Engels, und damit verbunden die vielen Zufälle, die zusammenkommen mussten, um die internationale Karriere von Marlene Dietrich zu ermöglichen.  Außerdem geht es natürlich noch um viel mehr: Das Erstarken der Nazis gegen Ende der 1920er-Jahre, die Ablösung des Stummfilms durch den Tonfilm, der Tanz auf dem Vulkan im Berlin von 1929/30, die Rollen von Karl Vollmöller, Emil Jannings, Erich Pommer, Carl Zuckmayer, Billy Wilder etc. pp.

Und mit welchem Argument könnte ein Buchhändler das wem am besten verkaufen:?

Das kommt auf den Kunden an. Die einen springen auf „Berlin 1920er-Jahre“ an, andere auf „außergewöhnliche Story“, wieder andere auf „ein neuer Blick auf Marlene Dietrich“, und dann gibt es noch die, denen „einfach ein guter Roman“ reicht.

Es ist in meinen Augen viel mehr, ich lese es auch als Parabel auf die Entwicklung heute um uns herum. Aber kennt der Leser heute noch den Film und Marlene Dietrich oder Emil Jannings?

Das ist der Punkt. Man muss weder Marlene Dietrich, Emil Jannings oder den Film der Blauen Engel kennen, um den Roman zu mögen (das sage ich so selbstbewusst, weil ich die Story nicht erfunden, sondern nur ausgegraben habe). Die Story funktioniert, einfach weil sie eine gute Story ist.

Das stimmt, ich wollte kaum mit dem Lesen aufhören. Aber war es wirklich so, stimmen die Fakten?

Es beginnt, zu verschwimmen. Neulich hat mich ein Radiomoderator nach einer bestimmten Szene gefragt und ob die erfunden oder historisch belegt sei. Ich war mir nicht mehr sicher. Auf jeden Fall ist sehr viel mehr historisch verbürgt, als Leser wohl glauben. Ich musste eigentlich nur die Dramaturgie herstellen, die Szenen auswählen und dann die Figuren hineinsetzen. Den Rest haben die gemacht.

Wie sind Sie denn auf die Geschichte gestoßen?

Es war ein bisschen, als würde man im eigenen Garten auf Öl stoßen. Denn ich habe zwar nach etwas gesucht, wusste aber nicht, wonach. Es begann mit Henny Porten, deren Biografie mich interessierte, über die kam ich zur Geschichte der UFA (ebenfalls sehr interessant), irgendwann verkleinerte sich das Zeitfenster dann auf die Jahre 1929/30. Ich las alle Berliner Tageszeitungen aus dieser Zeit, es wurde immer spannender, aber einen Roman sah ich noch immer nicht. Dann stieß ich auf den Stummfilm- / Tonfilmkonflikt, über den von Marlene Dietrich und auf den von Karl Vollmöller, der so etwas wie das Rückgrat des Romans bildet. Und schon war die Story gefunden.

Hier durch Klick auf Cover ein Blick in den Roman

Sie müssen lange recherchiert haben, so präzise wie Sie erzählen?

Wer sich als Schriftsteller auf historisches Terrain begibt, kommt um eine gründliche Recherche nicht herum. In diesem Fall allerdings fühlte sich die Recherche selten nach Arbeit an als vielmehr nach einem  spannenden Abenteuer. Ich habe wirklich selten so euphorisch recherchiert wie für diesen Roman.

Nach dem Erfolg von „Berlin Babylon“ sehe ich schon eine Verfilmung. Ruft der Stoff nicht geradezu danach? 

Wir hatten großes Glück. Der Roman war erst zu zwei Dritteln fertig, da hat sich eine Münchner Produktionsfirma die Filmrechte gesichert. Und die scheint es nicht bereut zu haben. Im Moment entwickeln wir den Stoff für ein 6 x 45 Minuten-Format, in der Freude, dass Piper schon die dritte Auflage in Auftrag gegeben  hat.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.