Ira Loh über ihr Buch "Auf doppeltem Boden" (Anthea Verlag) „Feinsinnig inszeniert der Roman das, was die Vielleser, die Leserschaft 50+, persönlich interessiert“

Ira Loh

In ihrem Debüt Auf doppeltem Boden (Anthea Verlag) stellt die Psychologin Ira Loh die Fragen nach Schuld und Verzeihen in den Mittelpunkt. Eine Liebesgeschichte zwischen den Enkeln ehemaliger Feinde, die das geschichtliche Verhältnis zwischen Deutschland und Polen in den Blick nimmt. Anlass für Fragen an die Autorin:

BuchMarkt: Worum geht es in dem Buch?

Ira Loh: Es ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei sehr unterschiedlichen Charakteren, der 24-jährigen Katharina und dem 26-jährigen Jens. Die nachdenkliche Katharina lenkt ihren Blick zurück in die Geschichte und recherchiert über ihre polnische Großmutter, der leichtherzige Jens schaut gern in die Zukunft. Im Verlauf der Erzählung werden die beiden gewahr, dass durch die Geschehnisse während des Vernichtungskriegs der Deutschen gegen Polen ihre Großeltern zu „Opfern“ und „Tätern“ werden mussten. Was ist in der Enkelgeneration noch davon übrig? Eine Liebesgeschichte, die das Schicksal der Kriegsenkel erzählend aufnimmt und das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen geschichtlich beleuchtet.

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Wie entstand die Buchidee?

Wie Katharina und Jens, die beiden Protagonisten dieser Liebesgeschichte, bin auch ich in der Generation der Kriegsenkel aufgewachsen. Als Psychologin erlebe ich zudem, wie durch das Kriegserleben und die nachfolgende Vermeidung von Schuldgefühlen und Ängsten ein Nährboden für psychische Erkrankungen geschaffen wurde. Die „Kriegskinder“, die den Krieg unmittelbar erlebten, haben ihre Traumata oft nur scheinbar überwunden. Unter der Hülle des Fleißes und der Rechtsschaffenheit steckt ein verwundeter Kern. Die Generation der Kriegsenkel erlebte die Eltern oft als untergründig bedauernswert, als Eltern, die gut sind, währen sie selbst diejenigen zu sein scheinen, die es gut haben.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Es ist ein vielseitiger Liebesroman mit ungewissem Ausgang. Kommen diese beiden zusammen? Können sie zusammen bleiben? Sprachlich anspruchsvoll und feinsinnig inszeniert er das, was die Vielleser, die Leserschaft 50+, persönlich interessiert. Die psychologische Thematik der Kriegsenkel und die Geschichte zwischen Deutschland und Polen sind differenziert gezeigt. Man erfährt Neues. Nach der Lektüre sind die Leserinnen und Leser etwas reicher als vorher. Leserinnen und Leser ab fünfzig, die einen niveauvollen Liebesroman suchen, die Spaß daran haben, wenn bei der Lektüre die Welt und die Wahrnehmung nicht in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse zerfällt, diejenigen werden mein Buch mögen.

Welche drei Wörter beschreiben das Buch ideal?

Herzlich, untergründig heiter, intellektuell

Was lesen Sie privat gerne/aktuell?

Dana von Suffrin: Otto. Dörte Hansen: Altes Land und Steven Pinker: Gewalt.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Welcher Leitsatz hat Sie beim Schreiben dieses Romans geführt?

Hier können Sie dies nun tun:

Ronald B. Tobias zitiert in 20 Masterplots einen Satz von Federico Garcia Lorca: „Für die, die fühlen ist das Leben eine Tragödie, für die, die denken, ist das Leben eine Komödie.“

Die Tragödie ist in der Herzlichkeit, die ich in diesen Roman gesteckt habe, zu spüren. Die Komödie ist in den gleichrangig geführten Konflikten und in der Auswahl der Figuren versteckt.

 

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