Eckhart Prahl über seine vor 20 Jahren gegründete auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisierte Verlagsagentur „Meine Erwartungen haben sich erfüllt!“

Vor zwanzig Jahren hat Dr. Eckhart Prahl seine auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisierte „Verlags Agentur Prahl“ gegründet. Das war Anlass für einen Rückblick und Ausblick im heutigen Sonntagsgespräch:

Dr. Eckhart Prahl arbeitete nach seinem Studium der Germanistik und Romanistik als Lektor und Programmleiter bei S. Fischer, Random House und Weltbild. Mit seiner 1999 gegründeten Verlagsagentur verfolgte er von Beginn an einen „verlegerischen Ansatz“ mit einer klaren Konzentration auf deutschsprachige Autoren der Kinder- und Jugendliteratur, die er zumeist von ihrem Debüt an begleitete. Größter Erfolg der Agentur ist die nun bald 20-jährige Zusammenarbeit mit Ingo Siegner, der sich in diesem Zeitraum zu einem der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautoren entwickelt hat (Durch Klick auf Foto mehr über seine Agentur)

BuchMarkt: Als Sie ihre Agentur gründeten, wie sah die Branchenwelt damals aus?

Dr. Eckhart Prahl:  Zu dieser Zeit gab es in Deutschland noch keine Agenturen, die sich ausschließlich auf die Kinder- und Jugendliteratur konzentrieren. Entsprechend schwer war es zu Beginn, Kontakte zu den Verlagen aufzubauen. Bei einem meiner ersten Termine in Frankfurt sagte mir die Lektorin eines renommierten Verlages, dass man in diesem Hause gerne noch selbst mit den Autoren spreche. Das war im Jahr 2000 – später sind dann Projekte von vier Autoren meiner Agentur allein in diesem Verlag erschienen.

Und heute?

In den letzten Jahren sind viele ehemalige Programm- und Verlagsleiter namhafter Kinder- und Jugendbuchverlage in Agenturen gewechselt oder haben eigene Agenturen gegründet. Autoren finden heute ein breites Spektrum an literarischen Agenturen vor. Der erste Weg angehender Autoren führt daher oft nicht mehr zum Verlag, sondern direkt zu einer Agentur. Durch diese Entwicklung haben sich Entdeckung und Aufbau neuer Autoren zunehmend auf literarische Agenturen verlagert. Ich weiß von einigen Verlagen, dass diese unverlangt eingehende Manuskripte nicht mehr prüfen, sondern sich auf professionelle Angebote von Agenturen oder Verlagen aus dem In- und Ausland konzentrieren. Wir steuern also in Deutschland zunehmend auf „amerikanische Verhältnisse“ zu. Dort arbeiten Autoren grundsätzlich mit Agenturen zusammen, denn der direkte Weg zum Verlag ohne Agentur ist praktisch ausgeschlossen.

Wenn Sie nicht betroffen wären und vor der Entwicklung der letzten Jahre: Welches System ist dann besser?

Nach meiner Überzeugung kann das „amerikanische System“ sowohl für die Autoren, als auch für die Verlage von Vorteil sein. Für die Autoren kann der Agent über alle Lektorats- und Verlagswechsel hinweg konstanter Partner und strategischer Berater sein. Zudem entlastet er den Autor von wirtschaftlichen, juristischen und administrativen Themen, sodass er sich weitestgehend auf seine kreative Arbeit konzentrieren kann. Die Verlage erhalten im Idealfall von einer literarischen Agentur professionell aufbereitete und auf das jeweilige Verlagsprogramm zugeschnittene Projektangebote. Außerdem ist der Agent für den Verlag kompetenter Ansprechpartner in Honorar- und Vertragsangelegenheiten.

Was wäre denn Ihr Wunsch jetzt angesichts eines 20-jährigen Agenturjubiläums?

Auch wenn Agenturen inzwischen viele Aspekte der Entdeckung und Entwicklung von Autoren mitgestalten, bleibt die Zusammenarbeit von Autor und Lektor insbesondere bei der Arbeit am literarischen Werk von zentraler Bedeutung. Die Verlagslektorate sind jedoch inzwischen oft personell so knapp ausgestattet und mit verlagsinternen Koordinationsaufgaben überlastet,dass zu wenig Zeit für die Arbeit und den Austausch mit den Autoren bleibt.  Für die Verlage gilt aus meiner Sicht ebenso wie für die gesamte Branche, dass wir die Urheber literarischer Werke wieder in den Mittelpunkt unserer Überlegungen und Aktivitäten stellen müssen.

Haben sich Ihre persönlichen Hoffnungen und Erwartungen erfüllt, die Sie damals zu Ihrem Schritt in die Selbständigkeit bewogen haben?

Im Laufe meiner Tätigkeit in einigen großen Verlagshäusern stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass der persönliche Kontakt zu den Autoren viel weniger intensiv war, als ich bei meinem Einstieg in die Verlagsbranche angenommen hatte. Der Wunsch nach größerer Nähe zu den Kreativen unserer Branche war für mich ein wichtiges Motiv, den Beruf des Literaturagenten zu wählen. Dieses Ziel habe ich definitiv erreicht – die vielen außergewöhnlichen Erfahrungen und Erlebnisse mit meinen Autoren werden später sicher zu meinen schönsten beruflichen Erinnerungen gehören. Und da sich nach den schwierigen Jahren zu Beginn inzwischen auch der wirtschaftliche Erfolg eingestellt hat, haben sich meine Hoffnungen und Erwartungen tatsächlich in hohem Maße erfüllt.

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