Barbara Scheuer über Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei der Verlagsgruppe Random House „Klimaschutz ist kein Modethema“

Barbara Scheuer: „Wir haben z.B. eine Website mit Buchempfehlungen zu verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit eingerichtet“ © Bernd Hoppmann

Im Februar dieses Jahres hatte die Bertelsmann AG eine Content Alliance begründet, die den Monat September zum Klimaschutz-Monat ausgerufen hat. Was das für die Verlagsgruppe Random House bedeutet, das haben wir Barbara Scheuer gefragt. Sie ist Gesamtherstellungsleiterin und Umweltbeauftragte bei der Verlagsgruppe:

Die Bertelsmann Content Alliance hat den September  zum „Klimaschutz-Monat“ erklärt. Was bedeutet das ganz konkret für die Verlagsgruppe Random House?

Barbara Scheuer: Nachhaltige Produktion, Umwelt- und Klimaschutz sind für uns keine Phrasen oder Modethemen, sie stehen schon lange ganz oben auf der Agenda. Mit der gemeinsamen Aktion „Packen wir’s an“ wollen wir das, was uns wichtig ist und worauf wir täglich Wert legen, mit vereinten publizistischen Kräften in die Öffentlichkeit tragen.

Aber was heißt das konkret?

Bei der Verlagsgruppe Random House haben wir eine Website mit Buchempfehlungen zu verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit eingerichtet – da reicht die Palette von Sachbüchern von Harald Lesch oder David Wallace Wells über Ratgeber für ein plastikfreies Leben und Romane bis hin zu Kinderbüchern. Und auch unsere Verlagspodcasts greifen das Thema auf: in einer Sonderfolge von „Penguin lädt ein“  spreche ich mit meiner Kollegin darüber, wie wir die Nachhaltigkeitsstrategie bei Random House über die gesamte Produktionskette hinweg umsetzen.

Wie sieht diese Strategie aus, was wollen Sie erreichen?

Wir wollen unsere Treibhausgasemissionen in den nächsten Jahren insgesamt deutlich senken. Zu diesem Thema treffe ich mich drei-bis viermal pro Jahr mit den Umweltbeauftragten der verschiedenen Bertelsmann-Firmen. Mithilfe unserer digitalen Plattform „green.screen“ dokumentieren und analysieren wir unsere Klimabilanzen jeweils sehr genau und erarbeiten gemeinsam Maßnahmen, um die negativen Auswirkungen unserer Unternehmen auf Umwelt und Klima zu minimieren –  in der Produktion wie auch im Betrieb unserer Gebäude. Die Verlagsgruppe steht hier schon sehr gut da, das wurde uns auch kürzlich von einem unabhängigen Energieberater bestätigt. So konnten wir zum Beispiel unseren Gesamtenergieverbrauch von 2016 bis 2018 um 14 Prozent senken.

Was tun Sie dafür, dass Sie Ihre Ziele erreichen?

Viele Maßnahmen für nachhaltige Produktion sind für uns nichts Neues. Seit über zehn Jahren nutzen wir nahezu 100 Prozent FSC-Materialien für unsere Bücher. Der Zellstoff für diese Papiere stammt aus Gebieten mit geschütztem und kontrolliertem Waldbau. Außerdem produzieren wir zu über 80 Prozent in Deutschland oder in benachbarten EU-Staaten. Bei unseren Lieferanten legen wir großen Wert auf die entsprechenden Zertifizierungen, aussagekräftige Ökobilanzen und auf enge Kontrollen der Produktionsstätten. Dazu kommt, dass wir auch kürzere Transportwege haben und damit den CO2-Ausstoß auch bei der Logistik minimieren.

Sie haben aber auch einen Anspruch …

…  Ja, den Anspruch immer besser zu werden. Wir experimentieren viel mit verschiedenen alternativen Materialien und Produktionsarten wie Cradle-to-Cradle. Vor allem ist uns aber die Ausweitung der klimaneutralen Produktion wichtig. Das Gütersloher Verlagshaus und der Ludwig Verlag produzieren bereits seit 2018 komplett klimaneutral und auch in den anderen Verlagen spielt das eine immer größere Rolle.

Klimaneutral produzieren heißt …?

Klimaneutral bedeutet, wir versuchen Emissionen soweit wie möglich zu vermeiden und zu reduzieren. So produzieren wir in unserem Verlag Strom und Wärme mit einem hocheffizientem Blockheizkraftwerk selbst und kaufen für den restlichen Stromverbrauch Ökostrom ein. Für die restlichen Emissionen, die bei der Produktion anfallen, unterstützen wir ausgewählte Klimaschutzprojekte und gleichen so unsere Emissionen aus. Über die Projekte besteht 100-prozentige Transparenz, denn man kann über einen OCR-Code auf dem Buch genau nachvollziehen, welches Projekt mit dem Geld gefördert wird.

Das wird wahrgenommen?

Ja, und das kommt bei unseren Leserinnen und Lesern, aber auch bei den Kolleginnen und Kollegen gut an. Wir freuen uns sehr, dass Nachhaltigkeit hier im Haus bis in die Geschäftsführung im Großen wie im Kleinen sehr wichtig ist.

Woran merken Sie das?

Zum einen an den kritischen Nachfragen zu Umweltthemen in der Produktion, die mich von Kolleginnen und Kollegen aus der eigenen Abteilung, aber auch aus dem ganzen Haus erreichen. Das zeigt uns, wie interessiert die Kolleg*innen sind und wie ernst sie das Thema nehmen. Gerade in der Herstellung ist Nachhaltigkeit seit vielen Jahren relevant, aber nie war das Interesse so groß wie heute. Wir legen großen Wert auf größtmögliche Transparenz, Aufklärung und Beratung.

Außerdem freuen wir uns sehr über die rege Beteiligung an unserem Umwelttag, dem be green Day. Unter dem Motto „Waste less“ hatten wir in diesem Jahr zum Beispiel Bastler eines Repair Cafés zu Gast, die vielen Geräten zu einem zweiten Leben verholfen haben. Und wir haben zum be green Day in der Kantine und der Hauseigenen Café-Bar das Pfandsystem RECUP für Kaffee-to-go-Becher eingeführt, das wird super angenommen.

Und über unser be green-Postfach bekommen wir das ganze Jahr über tolle Hinweise und Ideen von Kolleginnen und Kollegen, wie wir den Arbeitsalltag im Verlag nachhaltiger gestalten können. Das motiviert mich sehr in meinen Bemühungen.

 

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.