Thomas Brezina über sein Buch "Blödsinn gibt's nicht" (Edition a) „Ein Ratgeber, der keine Ratschläge gibt“

Thomas Brezina will Kinder fürs Leben begeistern. Sein neues Buch Blödsinn gibt’s nicht (Edition a) für „Eltern & Co“ erscheint Ende August, doch eigentlich wollte der Autor nie einen Erziehungsratgeber schreiben. Wieso er es dann doch tat und was das Buch so besonders macht – wir haben nachgefragt:

BuchMarkt: Worum geht es in Ihrem Buch?

Thomas Brezina (c) Michael Prügl

Thomas Brezina: Es soll zeigen: Erziehung ist wichtig, aber erst Begeisterung macht Kinder stark und fit fürs Leben. Viele Eltern fühlen sich von Erziehungstipps und Theorien überfordert. In meiner Arbeit für Kinder hatte ich immer einen Grundsatz, den ich im Buch näher erkläre. Begleiten, bestärken, begeistern –  das ist eine so wichtige Aufgabe von Eltern und Lehrerinnen und allen, die mit Kindern zu tun haben. Sie kann beiden Seiten viel Freude machen und enorme Erfolge erzielen. Belehren aber führt zu Widerstand. Ich bin weder Vater, noch Lehrer, aber meine Aufgabe war es mein Leben lang, Kinder zu begeistern und selbst für schwierige Themen zu faszinieren.

Wie entstand die Buchidee?

Klick mich

Seit mehr als 30 Jahren schreibe ich Kinderbücher (es sind mehr als 500 bisher, die in 40 Ländern gelesen werden) und ich produziere TV-Sendungen für Kinder, die auch im KIKA laufen oder sogar in Thailand. Mit meinen Büchern wollte ich Kindern immer zeigen, dass Lesen ein Abenteuer ist. Viele meiner TV-Sendungen sind Wissenssendungen, in denen ich Geschichte, Physik, Chemie, Technik und Biologie so erkläre, dass Kinder davon begeistert sind.

Begleiten, begeistern, bestärken, aber niemals belehren, das ist und bleibt mein Grundsatz in dieser Arbeit.

Seit einigen Jahren schreibe ich auch für Erwachsene (Romane und Ratgeber zum Thema Freude) und meine Veranstaltungen werden von hunderten mittlerweile erwachsender LeserInnen gestürmt –  und zwar sowohl in Mitteleuropa als auch in China. Oft habe ich den Satz gehört, „Danke für eine schöne Kindheit.“ Ich denke, das ist die höchste Auszeichnung, die man als Geschichtenerzähler für Kinder bekommen kann. Meine Grundsätze wollte ich mit diesem Buch gerne weitergeben und hoffe, sie sind vielen hilfreich.

Es ist also ein Ratgeber?

Der Einfachheit halber kann es in diese Kategorie eingeordnet werden. Aber ich gebe keine Ratschläge, denn das Wort beinhaltet „Schläge“. Ich erzähle Geschichten aus meinem beruflichen Leben und über Erfahrungen und Beobachtungen in Familien rund um mich herum. Es geht um alle Bereiche des Lebens eines Kindes, einer Familie und der Fokus liegt immer darauf: Wie kann ein freudiges, ein begeisterndes Gefühl vermittelt werden? Was kann zum Verständnis von Kindern beitragen? Wo ist es gut, wenn Erwachsene vom hohen Podest steigen und die Welt mit Kinderaugen sehen? Wie kann man Kindern zeigen: Das Leben hat viel zu bieten, in dir steckt eine Menge Potenzial, ich bin an deiner Seite, um dir zu helfen, den besten Weg für dich zu finden? Ich bin ein ‚Geschichtenerzähler der Freude‘ und daher besteht das Buch nicht aus Theorien, sondern aus Geschichten, die berühren und anregen sollen.

Am Ende jedes Kapitels gibt es Fragebögen? Warum und wozu?

Manche Menschen lassen Anfang 20 einen Rollbalken herunter und sehen die eigene Kindheit entweder durch die rosarote Brille oder verdammen sie. Aber Eltern sind nie so toll, wie wir sie sehen, aber auch fast nie so schrecklich, wie sie uns manchmal erscheinen. Wer sich an die eigene Kindheit ehrlich und voll zurückerinnert, an Freuden und Schmerzen, der kann mit Kindern viel besser umgehen. Dieser Erinnerung sollen die Fragebögen auf lockere Art auf die Sprünge helfen. Es gibt aber auch Briefe, die ausgefüllt werden können und die sich an Erwachsene richten, die Kinder später einmal sein werden. Eltern und/oder LehrerInnen können darin beschreiben, wie sie das Kind in verschiedenen Lebenslagen heute empfinden. Das ist ein Zugang, das eigene Kind einmal anders zu sehen.

Welche Leserschaft wollen Sie  ansprechen?

Eltern, Lehrerinnen und alle, die mit Kindern zu tun haben.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler/die Buchhändlerin das Buch idealerweise verkaufen?

Das Buch bietet Ideen und Gedanken dafür, wie man Kindern viel Lebensfreude vermitteln kann. Es unterstützt dabei, im Trubel des Alltags, von Schule, Kindergarten, Noten etc. mehr Verständnis für Kinder zu haben. Im „Stress“ von Verantwortung und Erziehung, kann das Buch eine kleine Oase sein, in der sich Erwachsene beim Lesen erholen und durchaus auch amüsieren können und wo sie Nützliches erfahren, das sehr einfach und vor allem praktisch sofort umzusetzen ist.

Fallen Ihnen drei Wörter ein, die das Buch perfekt beschreiben?

Kinder stark machen.

Was lesen Sie privat gerne?

Mein Lieblingsautor und Vorbild ist Charles Dickens. Kaum ein anderer kann so lebendig schreiben, soziale Anliegen verpacken und gleichzeitig ein riesiges Publikum erreichen. Ich lese so ziemlich alles, Biografien, Sachbücher, Romane, Krimis – allerdings muss mich ein Buch auf den ersten Seiten fesseln.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Was soll man mit Kindern tun, die nicht gerne lesen?

Hier können Sie dies nun tun:

Führt sie in die Buchhandlung und lasst sie selbst aussuchen, ohne irgendeine Kritik an der Wahl. Wird das Buch dann doch nicht gelesen, dann bitte diese Übung wiederholen. Die Chance, dass es bei einem Kind „klick“ macht und es Freundschaft mit Büchern schließt, ist auf diese Weise sehr hoch. Seine Freunde sucht man sich nämlich auch immer selbst aus. Manchmal stellen sie sich als wirklich gute Freunde heraus, manchmal sind sie es nur für eine kurze Weile, manchmal irrt man sich. Das ist bei Büchern auch so. Was zählt, sind wahre Freunde und Bücher, die tief berühren.

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