Björn Thümler über den neuen Literaturpreis "Walter Kempowski Preis für biografische Literatur" „Mit der Auslobung des Preises möchten wir darauf aufmerksam machen, wie groß das Spektrum an herausragender Literatur ist“

Björn Thümler: „Die Literatur macht aus abstrakten Fakten persönliche Erlebnisse. Damit trägt sie dazu bei, dass wir neue Perspektiven einnehmen, aus der Geschichte lernen und darüber diskutieren“ (c) MWK/brauers.com

Das Land Niedersachsen lobt in diesem Jahr zum ersten Mal den „Walter Kempowski Preis für biografisches Schreiben“ aus, der alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen vergeben wird. Wir haben mit Björn Thümler, dem Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, über den neuen Literaturpreis gesprochen.

BuchMarkt: Wie entstand die Idee, einen solchen Preis auszurufen?

Björn Thümler: Walter Kempowski war ein herausragender Chronist deutscher Zeitgeschichte. In seinem Werk hat er immer wieder herausgearbeitet, wie historische Ereignisse, gesellschaftliche Strömungen und Politik sich unmittelbar auf individuelle Lebensgeschichten auswirken. Das Haus Kreienhoop in Nartum bei Rotenburg an der Wümme, in dem er bis zu seinem Tod 2007 lebte, ist nach wie vor ein ganz besonderer literarischer Begegnungsort, an dem man das erleben kann. Mit dem neuen Preis möchten wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller ehren, die mit ihren Texten ein Stück weit in seiner Tradition stehen.

Wer ist federführend verantwortlich?

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur stiftet den Preis – er ist mit 20.000 Euro dotiert. Eine aus unterschiedlichen Bereichen des Literaturbetriebs zusammengesetzte Jury bewertet die Bewerbungen.

Woher kommt die Begeisterung für solche Themen?

Literatur vermag es, Themen und Ereignisse auf besondere Weise zu transportieren. Dies gilt insbesondere für die biografische Literatur. Durch die Auseinandersetzung mit individuellen, persönlichen Erfahrungen wird uns immer wieder vor Augen geführt, dass gesellschaftliche und politische Ereignisse Spuren in den Leben der Menschen hinterlassen. Die Literatur macht aus abstrakten Fakten persönliche Erlebnisse. Damit trägt sie dazu bei, dass wir neue Perspektiven einnehmen, aus der Geschichte lernen und darüber diskutieren.

Wer sollte sich angesprochen fühlen, bewerben?

Bis zum 20. August 2019 können Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Autorinnen und Autoren vorschlagen. Voraussetzung sind Texte von besonderer literarischer Qualität. Hier sind ausdrücklich auch wissenschaftliche Biografien eingeschlossen.

Der Preis umfasst auch eine Lesereise durch die Literaturhäuser in Niedersachsen –  wie genau sieht das konkret aus?

Wir freuen uns, dass wir die Arbeitsgemeinschaft der niedersächsischen Literaturhäuser als Partner für die geplante Lesereise gewinnen konnten. Dahinter steht die Idee, der Preisträgerin oder dem Preisträger eine große Öffentlichkeit zu verschaffen, die über das einmalige Ereignis der Preisverleihung hinausgeht. So können viele Literaturinteressierte sie oder ihn und seine Texte kennenlernen.

Was versprechen Sie sich insgesamt von dem Preis und welche Wirkung erhoffen Sie sich?

Als Kulturminister in Niedersachsen ist mir die Literaturförderung auch ein großes Anliegen. Mit dem Preisgeld möchten wir einen Beitrag für künstlerische Freiräume leisten, sich auf zukünftige Texte konzentrieren zu können. Gleichzeitig möchten wir mit der Auslobung des neuen „Walter Kempowski Preis für biografische Literatur“ darauf aufmerksam machen, wie groß das Spektrum an herausragender Literatur ist.

Weitere Informationen zur Ausschreibung erhalten Sie auf der Website des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. 

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