Marie Reiners über ihr Debüt "Frauen, die Bärbel heißen" (Fischer Scherz) „Frauen wie meine Roman-Bärbel, haben auch eine Bühne verdient!“

Marie Reiners: „Die Erfahrung aus zahlreichen Lesungen zeigt, dass Leute mit Sinn für lakonischen Humor und abstruse Verwicklungen sehr viel Spaß am Buch haben und irgendwann sogar Bärbel fast lieb gewinnen. Behaupten sie jedenfalls“

Marie Reiners schrieb bereits während ihres Studiums fürs Fernsehen. Sie erfand die Krimiserie „Mord mit Aussicht“, die mehrfach ausgezeichnet wurde und 2014 die meistgesehene deutsche Fernsehserie war. Ihr erster Roman  Frauen, die Bärbel heißen erscheint nun bei Fischer Scherz und ist sowohl eine Geschichte über Freundschaft als auch ein Krimi mit „ordentlich schwarzem Humor“ – Anlass für Fragen an die Autorin:

BuchMarkt: Worum geht es in dem Buch?

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Marie Reiners: Bärbel, eine Einzelgängerin Mitte Fünfzig mit soziophobischen Zügen, findet eines schönen Tages auf dem täglichen Hundespaziergang einen Toten, dem dummerweise das perfekte Stöckchen, das sie eigentlich liebend gern für ihren Hund geworfen hätte, im Auge steckt. Dies ist der Ausgangspunkt einer Kette von Ereignissen, die Bärbel zwingt, ihre selbstgewählte Einsiedelei zu verlassen und sich ins Chaos menschlicher Beziehungen zu begeben, also genau das, was sie am meisten fürchtet und hasst.

Sie sind eigentlich Fernsehautorin, wieso haben Sie sich dazu entschieden nun auch einen eigenen Roman zu veröffentlichen?

Als Fernsehautorin unterliege ich in der Regel den ungeschriebenen Gesetzen der Branche – weibliche Hauptrollen sollen meist jung, attraktiv, liebenswert, klug, gepflegt und wenn überhaupt allenfalls ein bisschen verrückt sein, was sich z.B. darin manifestiert, dass sie hundertvierzig Paar Schuhe im Schrank haben oder im Urlaub nach ´nem Gläschen Prosecco zu viel im Hotelfoyer strippen.

All das trifft auf meine Roman-Bärbel nicht zu. Sie riecht schlecht, hat die Menopause längst hinter sich, besitzt keinerlei moralische Skrupel, ist mürrisch, ignorant, gewaltbereit und meilenweit davon entfernt, sich um ihr Äußeres zu scheren. Aber diese Frauen gibt´s nun mal auch und ich fand, auch sie haben eine Bühne verdient.

Welche Leserschaft soll angesprochen werden?

Darüber hab ich mir beim Schreiben erst mal keine Gedanken gemacht. Als ich die Idee für den Roman hatte, bin ich so nah wie möglich an der Figur Bärbel geblieben und habe auf Kompromisse à la geht das jetzt nicht doch zu weit? verzichtet. Aber die Erfahrung aus zahlreichen Lesungen zeigt, dass Leute mit Sinn für lakonischen Humor und abstruse Verwicklungen sehr viel Spaß am Buch haben und irgendwann sogar Bärbel fast lieb gewinnen. Behaupten sie jedenfalls.

Mit welchen Argument kann ein Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Am ehesten wohl damit, dass ich Erfinderin und Autorin der Serie Mord mit Aussicht bin, die sehr erfolgreich in der ARD lief und bis heute ständig wiederholt wird. Frauen, die Bärbel heißen hat zwar nichts mit der Serie zu tun, aber der Humor ist natürlich ähnlich und auch die Skurrilität der Romanfiguren weist Parallelen zur Serie auf.

Welche drei Worte umschreiben das Buch optimal?

Schwierig zu beantworten, wenn man selbst die Autorin ist. Wie wär´s mit: Ich mag es?

Wird es eine Fortsetzung geben?

Das hoffe ich doch sehr! Aber da ich im Hauptberuf nach wie vor Drehbücher schreibe, dauert das noch ein wenig.

Was lesen Sie privat gerne/aktuell?

Ich lese, seit ich vier Jahre bin und kann mir ein Leben ohne Bücher absolut nicht vorstellen. Aktuell lese ich Doggerland. Fehltritt von Maria Adolfsson. Krimis, vor allem skandinavische, sind sehr zahlreich in meinen Bücherregalen vertreten, ich lese aber auch viel zeitgenössische Literatur. Die Liste der Autoren, die ich verehre, ist lang, spontan erwähnen möchte ich Patricia Highsmith, Elena Ferrante, Fred Vargas, Hakan Nesser und den frühen Stephen King.

Welche Frage, die wir hier nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Das wäre die Frage: Was macht „Frauen, die Bärbel heißen“ besonders?

Hier können Sie dies nun tun:

Irgendwo hab ich mal aufgeschnappt, dass in der gesamten Trilogie Herr der Ringe kein einziges Mal eine Frau mit einer Frau redet. (was mir beim Lesen im übrigen nie aufgefallen ist). Aber jetzt wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass in Frauen, die Bärbel heißen kein einziges Mal ein Mann mit einem Mann redet. Was mir tatsächlich beim Schreiben nicht aufgefallen ist.

 

 

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