Morgen startet die London Book Fair und legt in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf Europa - LBF-Direktorin Jacks Thomas dazu, wie man auch in Zeiten des Brexit kulturelle Verbindungen über Grenzen hinaus erhalten kann „Das Verlegen von Büchern wird immer ein internationales und nach außen gerichtetes Gewerbe bleiben“

Morgen ist es soweit: Die London Book Fair 2019 eröffnet offiziell ihre Pforten (12.-14. März).  Die Londoner Buchmesse bringt dieses Jahr drei europäische Autoren nach London. Aus Deutschland kommt die Kriminalromanautorin Simone Buchholz. Die Gäste werden unter anderem diskutieren, wie man auch in Zeiten des Brexit kulturelle Verbindungen über Grenzen hinaus erhalten kann. Wir sprachen dazu mit LBF-Direktorin Jacks Thomas:

LBF-Direktorin Jacks Thomas

BuchMarkt: Dieses Jahr legt der London Book Fair einen Schwerpunkt auf Europa. Gast-Autoren kommen aus Deutschland, Frankreich und Belgien. Warum?

Jacks Thomas: In den 48 Jahren des London Book Fair waren wir immer hoch erfreut über die Repräsentation europäischer Verlage und Agenten. Daher ist es wundervoll dieses Jahr eine europäische Präsenz zu haben, die das enorme Talent wiederspiegelt. Unsere Gastautoren aus Deutschland, Frankreich und Belgien – Sabine Buchholz, Antoine Laurain und Stefan Hertmans – erinnern uns daran, wie wichtig interkulturelle Verbindungen sind. Das Verlegen von Büchern wird immer ein internationales und nach außen gerichtetes Gewerbe bleiben.

Europäische Literatur hatte es immer schwer in Großbritannien durchzubrechen. Ändert sich das langsam?

Ja. Jüngste Studien zeigen einen Anstieg in den Verkaufszahlen übersetzter Literatur in Großbritannien. Es herrscht hierzu immer eine angeregte Debatte in unserem beliebten Literary Translation Centre!

 In Zeiten des Brexit, haben Sie das Gefühl, dass britische Verlage ihre Verbindungen mit ihren europäischen Gegenübern verstärken?

Wir können nicht für die Verlage sprechen, aber wir laden alle herzlich ein, den London Book Fair zu besuchen. Da werden Sie sehen wie international die Verlagswelt ist, und wie stark Europa vertreten ist.

Wo wird europäische Literatur und der Brexit sonst auf der Messe diskutiert?

Ob formell und informell, europäische Literatur wird auf der Londoner Messe immer heiß diskutiert. Und ich bin mir sicher, dass es jede Menge informelle Gespräche zum Brexit geben wird. Im Programm haben wir unsere europäischen Gastautoren auf den verschiedensten Bühnen, wie etwa dem English PEN Literary Salon, und der Brexit steht bei speziellen Events am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag auf der Liste.

Der London Book Fair ist immer international. Letztes Jahr waren die baltischen Staaten zu Besuch, dieses Jahr ist Indonesien der Marktfokus. Was können wir erwarten?

Indonesien präsentiert sein eigenes, unglaublich vielfältiges kulturelles und kreatives Erbe im ganzen Land. Das ist ein fesselndes Programm aus Literatur, Gastronomie, Mode, Musik und vielem mehr. 2019 markiert 70 Jahre diplomatischer Beziehungen zwischen Großbritannien und Indonesien – der ideale Moment den Austausch zwischen den Kulturen der beiden Länder zu feiern. All das ist inspiriert vom Marktfokus auf dem London Book Fair. Das Land arbeitet in Partnerschaft mit dem British Council, der Publishers Association, und Indonesiens National Organising Committee. Das Ergebnis ist ein dynamisches Programm, das in der Literatur verwurzelt ist. Neben dem Literaturprogramm  wird es Ausstellungen geben, Grafikdesign Shows, Filmvorführungen, Modeschauen, Live Musik Konzerte, Performances, und die Chance indonesische Köstlichkeiten zu genießen: Tee, Kaffee, Kräuter, Gewürze.

Parallel zum London Book Fair findet dieses Jahr, mittlerweile  im fünften Jahr, die London Book & Screen Week statt. Warum halten Sie dieses an Konsumenten gerichtete Festival ab?  Was sind die Highlights für 2019?

London Book & Screen Week ist ein siebentägiges, stadtweites Festival das Bücher feiert, und die Filme, Videospiele, Theaterstücke, und Fernsehserien die sie inspirieren. Es ist uns wichtig, dieses Festival, das sich direkt an Konsumenten richtet, neben der Industrie-ausgerichteten Messe abzuhalten. Es verbindet von uns organisierte Veranstaltungen mit einem „open-source strand“: da kann jeder Events einreichen und veranstalten. Highlights dieses Jahr sind ein Rom Com-Event mit Sarah Morgan und Nicola Cornick, ein Gespräch mit der Autorin Holly Bourne, eine Diskussion über Königin Victoria mit der bekannten Historikerin Lucy Worsely, und ein frischer Einblick in das Leben von Oskar Wilde, mit Dr Michèle Mendelssohn, Autorin einer hochgelobten neuen Biografie.

Was begeistert Sie sonst an der diesjährigen Messe? Worauf können wir uns freuen?

Wo soll ich anfangen? Bevor der London Book Fair losgeht, am Montagabend, halten wir die Quantum-Konferenz ab. Da bekommen Verleger die letzten Debatten und Trends, und dieses Jahr liegt der Schwerpunkt auf Film- und Fernsehrechten, und Audiobooks. Faber CEO Stephen Page wird die Keynote-Rede halten. Wir feiern ja Fabers 90. Geburtstag. Der Tag endet mit einer fantastischen Zelebration von Film-, Fernseh- und Bühnenfassungen von Büchern, mit den CAMEO Awards im White City House.

In den drei Tagen der Messe (12-14 März) haben wir 135 Länder in der Olympia-Halle. Indonesien haben wir ja schon besprochen, und ich freue mich auf die kulturellen Aktivitäten im Spice Cafe. Indiens Ghandi@150 Ausstellung wird faszinierend sein und wir haben die ersten Pavillons für Japan und die Ukraine. Absolute Highlights.

Zum zweiten Mal veranstalten wir die UK Blog Awards, zusammen mit der ersten Podcast-Bühne. Im line-up hier sind unter anderem Starautor Ian McEwan. Der wird für den Vintage podcast interviewt. Sentimental Garbage spricht mit Holly Bourne und vieles mehr. Und wir haben jede Menge Kinderliteratur im Programm. Unter anderem werden wir die Geburtstagstorte für die beliebte Figur Elmer anschneiden – es ist sein 30.! – und den Schaffer, David McKee, feiern.

Der angesehene Autor und Akademiker Caryl Phillips ist Autor des Tages am Dienstag. Seine faszinierende Erforschung von Identität in Großbritannien und ein Blick auf den Brexit wird zum Nachdenken anregen.

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