1972 war innenpolitisch ein spannendes Jahr: Aufbruchstimmung im ganzen Land, das gescheiterte Misstrauensvotum gegen Kanzler Willy Brandt - Brigitte Glaser über ihr Politdrama "Rheinblick" (List) „Ich kann nur über Themen und/oder Menschen schreiben, die mich neugierig machen“

Brigitte Glaser: „Ich kann nur über Themen und/oder Menschen schreiben, die mich neugierig machen, über die ich mehr wissen will. Deshalb stehen am Anfang eines neuen Romans ganz viele Fragen, auf die ich Antworten suche“

In  ihrem  neuen Roman Rheinblick (List)  widmet  sich  Brigitte Glaser dem Wahlsieg Willy Brandts und der SPD im November 1972 und erinnert damit an die Geschichte der noch jungen Bundesrepublik, an eine Zeit, als mit dem Slogan  „mehr  Demokratie  wagen“  wider  den  Konservatismus der  Nachkriegszeit  Bewegung  in  Politik  und  Gesellschaft kam.

Brigitte Glaser  schreibt  Bücher für Jugendliche und Krimis für Erwachsene, u. a. ihre erfolgreiche Krimiserie um die Köchin Katharina Schweitzer.  Mit Bühlerhöhe gelang ihr der Durchbruch.

BuchMarkt: Worum geht es in Rheinblick?

Brigitte Glaser: Um zwei Frauen, die in einen politischen Machtkampf verwickelt werden. Die eine ist Hilde Kessel, schlagfertige Wirtin des Rheinblicks, bei der ganz Bonn – vom Minister bis zum Taxifahrer – verkehrt. Die andere ist die junge Logopädin Sonja Engel, die in der Abgeschiedenheit der Uni-Klinik auf dem Venusberg mit Willy Brandt um seine Stimme kämpft, die ihm nach dem Wahlkampf versagte. Beide Frauen sind erpressbar. Verrat ist die gültige Währung.

 

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Wie entstand die Idee zum Thema?

Nach Bühlerhöhe wollte ich wieder einen Roman mit historischem Hintergrund schreiben und bin im Jahr 1972 gelandet. 1972 war innenpolitisch ein spannendes Jahr: Aufbruchstimmung im ganzen Land, das überraschend gescheiterte Misstrauensvotum gegen Kanzler Willy Brandt, die Gerüchte um gekaufte Stimmen, die vorgezogene Neuwahl, die Brandt, den die SPD mit dem Slogan „Willy wählen“ in den Wahlkampf schickte, sensationell gewann. Mit dem Sieg versagte ihm die Stimme. Warum? Wie ging Brandt damit um? Was passierte danach? Diese Fragen haben mich interessiert.

Mit welcher Intention haben Sie geschrieben?

Ich kann nur über Themen und/oder Menschen schreiben, die mich neugierig machen, über die ich mehr wissen will. Deshalb stehen am Anfang eines neuen Romans ganz viele Fragen, auf die ich Antworten suche. Meist dauert das seine Zeit, meist kommen neue Fragen hinzu. So ein Roman ist ein langer Ritt mit vielen Durststrecken, den ich nur durchstehe, wenn ich mich selbst immer wieder für das, worüber ich schreibe, begeistere. Nur so kann ich auch die Leser/innen begeistern und eine spannende Geschichte schreiben.

Welche Leserschaft soll damit angesprochen werden?

Zunächst all die, die Bühlerhöhe gelesen haben. Dann all die, für die Willy Brandt eine prägende politische Figur war. Dann all die, die in Büchern nach vielschichtigen Frauenfiguren suchen. Dann all die, die sich für neuere deutsche Geschichte interessieren. All die, die als Krimifans wissen wollen, wer den Mord an dem Heilsarmeemädchen begangen hat. All die, die für Rock und Pop aus der Zeit schwärmen. All die, die gut erzählte Geschichten lieben.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Das beste Argument bleibt, er oder sie hat das Buch selbst gelesen und für gut befunden. Aber ich weiß, wie hoch sich die Stapel der zu lesenden Bücher bei einer Buchhändlerin türmen können. Dann helfen beim Verkauf sicher die Antworten auf die vorige Frage.

In welchem literarischen Umfeld?

Wie Bühlerhöhe ist auch Rheinblick ein Genrebastard, ein spannender Mix aus historischem Roman, Frauengeschichte/n und Krimi.

Was lesen Sie privat gerne/aktuell?

Im Sommer, mit Blick auf den Comer See, Francesca Melandris Alle, außer mir, ein dichter, spannender, verstörender Roman, der mein Italienbild verändert hat. Ganz aktuell: Machandel von Regina Scheer, das Beste, was ich seit langem zur Geschichte der DDR gelesen habe. Und: Wiedersehen in Manhattan von Antje Dertinger. Die Journalistin folgt den Spuren deutscher Widerstandskämpferin gegen das Nazi-Regime, die in Frankreich als „feindliche Ausländer“ interniert wurden.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet? 

Wo beginnen Geschichten?

Hier können Sie dies nun tun:

Im Kopf – wie alle wahren Abenteuer.

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