Jochen Kalkas "StartUp-Lüge" (Econ) erklärt, wie die Existenzgründungseuphorie missbraucht wird – und wer davon profitiert “So ticken StartUps wirklich!”

Jochen Kalka: “Das Buch ist für Gründer ebenso wie für Investoren, aber auch für Krimi-Fans und Realitäts-Checker, die mit wirklich unglaublichen – aber wahren Geschichten unterhalten werden wollen” (c) Thomas Dashuber

Jochen Kalkas neues Buch Die StartUp-Lüge (Econ) will ein augenöffnendes Buch für alle sein, die mit StartUps zu tun haben. Der Autor konfrontiert die Modeerscheinung StartUp mit der Realität und erklärt, wie die Existenzgründungseuphorie missbraucht wird –  und wer davon profitiert.  Denn Fakt ist: Neun von zehn StartUps scheitern. Feste Arbeitsverträge gibt es nicht. Ausbeutung ist Normalzustand. Anlass für Fragen an den Autor:

BuchMarkt: Worum geht es in dem Buch?

Jochen Kalka: Das Buch führt vor Augen, dass Startups alles andere als cool sind, dass Bällebad und Tischkicker Ablenkungsmanöver sind. Anhand von 12 identifizierten Lügen zeigt das Buch ganz konkret anhand gründlich recherchierter Fakten, wie Startups wirklich ticken. Wie brutal sie ausbeuten, wie frauenfeindlich sie agieren, wie sie Investoren täuschen, wie grauenhaft das glorifizierte Scheitern am Ende ist.

Was ist die Intention dahinter, wie entstand die Buchidee?

Nun könnte ich sagen: Ich habe selbst mal ein Startup gegründet und einen patentierten Knopf erfunden. Nur war mir nie klar, dass es ein Startup ist.

Ich könnte auch sagen, dass ich als Chefredakteur von Internet-, Medien- und Marketingtiteln (im Süddeutschen Verlag u.a. W&V, Lead digital, Kontakter) seit Jahren über Startups schreibe, in etlichen Startup-Jurys war, in Japan, Israel und im Silicon Valley Startups besucht und über sie recherchiert habe.

Doch die Idee der Startup-Lüge kam von Econ-Chef Jürgen Diessl. Als er sie im Gespräch sagte, sprang sofort der Funke über und all die Beispiele und Geschichten zu dem Thema platzten mir geradezu heraus.

Nennen Sie doch konkrete Beispiele.

Allein die Eindrücke aus dem Silicon Valley, dem Las Vegas der Investoren, dem Silicon-Tourismus deutscher Manager als Selbstvermarktung. Oder die Sprache, das Startupsich, eine linguistische Bla-Bla-Blase. Die erzwungene Einführung des Duzens über alle Hierarchieebenen hinweg, den Befehl einer großen Versicherung, die Krawatte abzuschaffen, die affigen Aufkleber auf Laptops. Aber auch die wirtschaftlichen Aspekte, wenn sich etwa ein altes Forschungsinstitut plötzlich Survey-Startup nennen soll, um leichter an frisches Geld von den Banken zu kommen. Wenn ein Getränkeunternehmen Blockchain auf seine Fahnen schreibt und seinen Marktwert damit schlagartig massiv erhöht. Startups erinnern zu oft an des Kaisers neue Kleider.

Welche Leserschaft soll angesprochen werden?

Einerseits sind es junge Menschen, die sich von dem Startup-Zauber gerne verführen lassen wollen, die nicht wissen, was sie dort erwartet, die aus der Literatur und dem Netz bisher nur Sirenengesang darüber wahrgenommen haben. Ihnen sollen die Augen geöffnet werden – aber in lockerem Stil geschrieben, nicht lehrhaft!

Andererseits sind es ältere Menschen ab 30 Jahre, um die Startup-Brille aufzusetzen, die sich mit ihren Oldschool-Unternehmen und –Abteilungen unbedingt moderner aufstellen wollen, die aus der latenten Angst heraus, den Anschluss zu verlieren, Sneakers zum Anzug anziehen, in ihrer Firma ein Kreativzimmer einrichten und junge Menschen ein Zukunftskonzept ausarbeiten lassen, das sie allerdings nie ernst nehmen werden. Sie sollen merken, es ist nicht alles Gold, was Startup glänzt

Natürlich eignet sich das Buch für Gründer ebenso wie für Investoren, aber auch für Krimi-Fans und Realitäts-Checker, die mit wirklich unglaublichen – aber wahren Geschichten unterhalten werden wollen.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Lieber 18 Euro in dieses Buch investieren und Spaß haben, als Tausende von Euro in ein Startup zu stecken und Ärger zu haben.

Welche 3 Wörter umschreiben das Buch optimal?

Aufklärung, Warnung, Unterhaltung

Wird es eine Fortsetzung geben?

Ich hoffe doch stark, dass mit diesem Buch schon alles gesagt ist! Insofern ist momentan keine Fortsetzung geplant.

Was lesen Sie privat gerne/aktuell?

Ich habe neulich „Change mich am Arsch“ von Axel Koch sehr genossen. Neben Fachliteratur lese ich für mein Leben gern Romane wie zuletzt Paul Austers „4321“ oder, was mein Leben tatsächlich verändert hat: von Kazuo Ishiguro „Die Ungetrösteten“. Mariana Lekys „Was man von hier aus sehen kann“ hat mich auch sehr beeindruckt, es ist einfach wunderschön geschrieben. Oder ich kugle mich mal vor Lachen auf dem Boden mit den „Känguru-Apokryphen“ von Mac-Uwe Kling.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Haben Startups denn auch was Gutes?

Hier können Sie dies nun tun:

Nach knapp 200 Seiten Dresche über Startups finde ich durchaus versöhnliche Worte. Denn Startups können neue Impulse bringen, wenn sie disruptiv unterwegs sind, sogar die Welt verändern. Ganz gleich ob durch scheinbar einfache Dinge wie Freundschaftspflege oder Business-Organisation, oder aber durch zukunftsweisende Innovationen zur Mobilität oder dem Gesundheitswesen. Auch können klassische Unternehmen von der Startup-Denke profitieren. Etwa durch das Aufbrechen von betonierten Hierarchieebenen oder durch ein offenes Innovationsmanagement. Nicht aber durch das Tragen von Sneakers oder das Einrichten eines Kreativzimmers.

 

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