Veranstaltungen WUB: „Das Lesen der Anderen“ in Bücher im Bogen Frankfurt

Marion Schulze begrüßt die Gäste

Gestern Abend standen Witz und Humor auf dem Programm der Buchhandlung Bücher im Bogen im Frankfurter Stadtteil Preungesheim. Jörg Becker präsentierte Das Lesen der Anderen. Auf seiner Homepage steht: „Als gebürtiger Hesse bin ich kein Mann von wenig Worten.“ Genau das traf über zwei Stunden zu – und zwar höchst unterhaltsam und sehr lustig bei mitgebrachter Nostalgie-Tischlampe und dazu passendem Wecker: „Der bleibt jetzt nur so stehen, wenn ich ihn anschalte, macht einen das Ticken verrückt“, kommentierte Becker, der nicht nur Texte anderer Autoren liest; er spielt und inszeniert sie, mit mundartlichen Einsprengseln je nach Region, mit Körpereinsatz, Gestik und faszinierender Mimik.

„Alle Autoren, deren Texte ich lese, standen schon ein- oder mehrmals auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste“, begann der komödiantische Vorleser und startete mit Horst Evers, der 1990 die Berliner Lesebühne Dr. Seltsams Frühschoppen gründete. Becker stellte den Autor kurz vor und meinte: „Er kann wunderbar überfordert sein.“ Die Geschichte Youtube und Brot, enthalten im Band Der witzigste Vorleseabend der Welt, herausgegeben von Jürgen von der Lippe und erstmals 2009 bei Eichborn erschienen, treibt das Absurde auf die Spitze.

Zweiter Autor war Harald Martenstein, bekannt aus seinen Kolumnen für Die Zeit. Martenstein schildert was passiert, wenn ein zwölfjähriges Kind unbedingt das neuste Handy zu Weihnachten haben möchte. Gerade vor dem Fest eine empfehlenswerte Lektüre, an diesem Abend angereichert mit eigenen Erfahrungen von Becker.

Bei der Kurzgeschichte Rheine von Horst Evers bog sich das Publikum vor Lachen. Urkomisch, wie Becker die Geschichte vom „Teller aufessen“ in Szene setzte.

Frank Goosen ist im Ruhrpott zu Hause, drei seiner Bücher wurden bereits verfilmt. Becker versuchte sich in Mundart, versicherte: „Wer da nicht herkommt, merkt keinen Unterschied.“ Der besondere Humor beim Blick von der Eisenbahnbrücke auf Bochum: „Nee, schön ist das nicht.“

Um Brot-Attrappen in einem Londoner Supermarkt und um Einkaufserlebnisse mit stark parfümierten Klamotten (die Großflasche im Koffer ging kaputt) geht es in einer weiteren Evers-Geschichte. Vom gleichen Autor folgte Ich war der Appendix. Haarsträubend. „Aber der Patient hat überlebt“, bemerkte Becker.

Ein von Becker verehrter Autor und Zeichner, „der unfassbar viele tolle Sachen“ geschrieben und gemalt hat, wurde nun ins Licht der Nostalgie-Tischlampe gerückt: Robert Gernhardt. Mit Gedämpfte Mumeln charakterisiert Gernhardt hessische Eigenheiten humorvoll-hintergründig, auch hier spielte Becker Gast und Wirt gleichermaßen grandios.

Dass in solch einem Programm Marc-Uwe Klings Känguru-Chroniken nicht fehlen dürfen, ist klar. Nach Erscheinen des Ergänzungsbandes Känguru-Apokryphen im Oktober bei Ullstein ist nun eine Verfilmung des ersten Buches mit dem Regisseur Dani Levy geplant.

Torsten Sträter mit Warum die 80er ganz allgemein nicht schön waren folgte, eine Bahngeschichte von Horst Evers schloss den Abend ab – fast, denn eine Zugabe ebenfalls von Evers zum Thema Innere Sicherheit war dem langen Applaus noch geschuldet.

Die Buchhandlung füllt sich
Hinweis auf die Woche der unabhängigen Buchhandlungen

Buchhändlerin Marion Schulze und ihr Team hatten den Abend gut vorbereitet, die Lesung im Rahmen der Woche der unabhängigen Buchhandlungen war ausverkauft. Den Tipp, Jörg Becker einzuladen, hatten die umtriebigen Buchhändlerinnen von Moderator Tim Frühling, der bereits zweimal zu Gast war.

Am 19. November 2016 öffnete Bücher im Bogen auf rund 60 Quadratmetern in den Arkaden am Gravensteiner Platz im Neubaugebiet in Preungesheim. „Wir haben eine tolle Resonanz, gerade bei Familien, und werden am Wochenende erstmals auch die Kinderbuchmesse Kalbach unterstützen“, sagte Schulze.

Veranstaltungen sind immer mit viel Aufwand verbunden, wenn sie vom Publikum so gut besucht und bewertet werden wie am gestrigen Abend, hat sich die Arbeit gelohnt.

JF

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