Börsenverein Wirtschaftspressekonferenz des Börsenvereins: Stabiler Markt / Politik ist jetzt in Sachen Urheberrecht gefragt

Matthias Heinrich, Heinrich Riethmüller, Alexander Skipis, Thomas Koch

 

Erstmals begrüßte der neue Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Börsenvereins, Thomas Koch, die Medienvertreter zur Wirtschaftspressekonferenz im Haus des Buches in Frankfurt.

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, nannte vier Eckpunkte für die Entwicklung der Branche: Stabilität, digitalen Erfolg, sinkende Kundenfrequenz und hoher Druck auf die Verlage durch das geplante Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz.

„Die Umsatzsteigerung 2016 um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist gerade angesichts neuer Player auf dem Markt eine gewaltige Leistung“, stellte Skipis fest. Der stationäre Buchhandel verbinde gute Beratung und Online-Shop. „Wir sind damit ein Vorbild für den Einzelhandel und gut vorbereitet“, bemerkte der Hauptgeschäftsführer. Zwar gäbe es weniger Käufer, diese aber bringen mehr Umsatz. Dennoch müsse bei den Städten und Gemeinden ein Umdenkungsprozess einsetzen, um die Einkaufsstraßen der Kommunen attraktiver zu gestalten. „Soll die Vergabe von Ladenlokalen ausschließlich nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten stattfinden? Besser ist doch ein gesunder Mix attraktiver Geschäfte“, meinte Skipis. Im Deutschen Städtetag werde über die Struktur der Städte diskutiert, man sei auch mit Einzelhändlern im Gespräch.

Mit der gegenwärtigen politischen Entwicklung hinsichtlich des Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetzes könne man nicht zufrieden sein: „Das ist eine schlechte Perspektive für die Branche“, sagte Skipis. Kostenlose Angebote an Dritte auf dem Wissenschaftsbereich können nicht der richtige Weg sein. „Das Gesetz zur Wissenschaftsschranke zerstört den Wissenschaftsbuchmarkt komplett.“ Geplant sei, dass sich andere bis zu 15 Prozent an Angeboten der Verlage bedienen können. „Das ist das Aus für kleine und mittlere Verlage. Gefördert werden dadurch nur ein paar Großverlage.“ Das habe auch Auswirkungen auf den Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt und betreffe schließlich die Existenzgrundlage vieler in diesen Bereichen tätigen Menschen. Außerdem führe es tendenziell zu einem staatlich gesteuerten Informationsmarkt.

„Wir werden Verfassungsbeschwerde erheben, sollte dieses Gesetz kommen“, kündigte Skipis an.

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins, kommentierte die Branchenzahlen. Umsatz-Gewinner sei mit einem Plus von 5,3 Prozent der Internetbuchhandel, der auch die Online-Shops stationärer Buchhändler einschließe. Etwa 1.500 Buchhändler haben einen Online-Shop und generieren damit durchschnittlich vier Prozent ihres Umsatzes.

Insgesamt hat der Online-Vertrieb einen Anteil von 18,2 Prozent um Gesamtumsatz. Mit einem Anteil von 47,3 Prozent steht der Sortimentsbuchhandel nach wie vor an erster Stelle.

„Das Weihnachtsgeschäft ist nicht so gut gelaufen. Wir glauben, dass der Rückgang der Kundenfrequenz im Dezember auch mit der Attraktivität der Städte zu tun hat“, erläuterte Riethmüller. Außerdem sprach er das Thema Verpackungen an; während Buchhändler Geld für Plastiktüten verlangen, gibt es eine solche Abgabe im Online-Handel nicht. „Hier ist eine Gleichbehandlung erforderlich“, sagte der Vorsteher.

Kaufintensität und Preise seien gestiegen, der Trend gehe zum wertigen Buch – vielleicht auch als Gegengewicht zum E-Book.

Mit 72.820 Titel-Erstauflagen sei die Zahl der Novitäten zwar etwas rückläufig, der Buchmarkt bewege sich jedoch auf sehr hohem Niveau.

Bei den Lizenzverkäufen stehe China an erster Stelle.

Über den E-Book-Markt informierte Matthias Heinrich, Vorstandsmitglied des Börsenvereins. „Wir haben keine super Wachstumsraten mehr, aber mit einem Umsatzanteil von 4,6 Prozent und 28,1 Millionen verkauften Exemplaren eine stabile Entwicklung in diesem Bereich.“ In den USA betrage der Umsatzanteil rund 20 Prozent, das liege allerdings auch an der Buchhandelslandschaft; nur in größeren Städten gibt es ein stationäres Sortiment.

Mehr dazu auch auf BuchMarkt online.

JF

 

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