Auszeichnungen Wer bekommt den dritten Wortmeldungen-Preis?

Sandra Poppe, Aslak Petersen, Daniela Strigl und Sighard Neckel

Das entscheidet heute Nachmittag die siebenköpfige Jury in ihrer zweiten Sitzung. Dem Gremium gehören Beate Gütschow, Hasnain Kazim, Sandra Kegel, Stephan Lebert, Christine Lötscher, Sighard Neckel und Daniela Strigl an. Außerhalb der Zusammenkünfte tauschen sich die Juroren natürlich aus und diskutieren über die Bewerbungstexte. Die Namen der Autoren sind von Anfang an bekannt, spielen aber keine Rolle im Bewerbungsverfahren.

Vor der Sitzung fand im Restaurant „Margarete“ neben dem Haus des Buches in Frankfurt ein Pressegespräch statt. Daran nahmen Aslak Petersen und Sandra Poppe vom Wortmeldungen-Initiator Crespo Foundation, die Juroren Daniela Strigl und Sighard Neckel sowie Murielle Rousseau von der Agentur Buch Contact teil.

„Ziel des W( )rtmeldungen Literaturpreises für kritische Kurztexte, der 2017 zum ersten Mal ausgelobt wurde und im Frühjahr 2018 an die Österreicherin Petra Piuk ging, ist es, kurze literarische Texte zu fördern, in denen sich Autoren mit verschiedenen Themen auseinandersetzen“, sagte Petersen. Dafür werde ein substantielles Preisgeld in Höhe von 35.000 Euro bereitgestellt. „Es ist nicht nur das Preisgeld. Der Gewinner erhält die Auszeichnung auf einer öffentlichen Veranstaltung. Anschließend beleuchtet ein Podiumsgespräch mit dem Preisträger und Teilnehmern aus unterschiedlichen Bereichen das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln“, ergänzte Poppe. „Darüber hinaus können wir die Autoren mit ihrem Anliegen mit Experten vernetzen“, fügte Petersen hinzu.

In den Texten – Reden, Essays, kurze Prosa – sollen sich die Bewerber mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen auseinandersetzen. Zugelassen werden veröffentlichte und unveröffentlichte Texte. Voraussetzung ist zudem eine bereits vorliegende literarische Publikation.

Der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Förderpreis ist thematisch an den Preisträger-Text gebunden. So ging es beim zweiten Preis, den 2019 der österreichische Autor Thomas Stangl erhielt, für die Nachwuchsautoren bis 30 Jahre um Leben und Sterben, Demenz und Tod. Im November 2019 wurde der Förderpreis zu gleichen Teilen an Luca Manuel Kieser, Jana Krüger und Katherina Braschel vergeben.

Bis zum 30. September 2019 sind für den Hauptpreis 282 Bewerbungstexte eingegangen. „Wir können alle Texte analog und digital erhalten, sie werden auf die sieben Juroren aufgeteilt. Eine Zweiergruppe erhält jeweils ein Drittel der Arbeiten, anschließend noch etwa 20 Texte, die mehrere Befürwortungen bekamen, aus den anderen Gruppen“, erläuterte Strigl und meinte im Hinblick auf Bewertung und entsprechende Kriterien: „Der Hauptfeind der Literatur ist die Phrase.“ Da die Juroren aus verschiedenen Richtungen kommen, gibt es unterschiedliche Sichtweisen und Beurteilungen.

Neu ist 2020 die Shortlist: Erstmals wurden zehn Autoren ausgewählt, es sind Nora Bossong, Johanna Dombois, Ulrike Dreasner, Raphaela Edelbauer, Andrea Grill, Sudabeh Mohafez, Stefan Petermann, Kathrin Röggla, Dorian Steinhoff und Bernhard Strobel. Ihre Texte sind auf www.wortmeldungen.org nachlesbar. „Mit der Shortlist wird die Auswahl transparenter“, sagte Strigl.

Einblick in die Arbeit eines Juroren gewährte auch Sighard Neckel. „Mich interessiert das, was nicht aus Soziologie und Wissenschaft kommt, für mich spielt die Autonomie einer literarischen Wahrnehmung eine Rolle, die Entdeckung des Grauenhaften in der Normalität, der Unterschied zum Strom der Mitteilungen.“ In den Texten geht es um existentielle Erfahrungen in Bezug zur Gesellschaft. Zwar seien Beruf und Wirtschaft wenig präsent, soziale Schieflagen hingegen schon. Über die Themenbreite äußerte sich Strigl: „Merkwürdigerweise haben wir nichts zum Klimawandel bekommen. Es geht beispielsweise um die Gefährdung von Kindeswohl, um sozialen Abstieg“, äußerte Strigl. Aggressiv-autoritäre Tendenzen der Politik, die Festschreibung von Identität, Diskriminierung, Dramatik der Flucht, die Macht digitaler Scheinwelten, Kriminalität und künstliche Intelligenz werden in den Texten diagnostiziert. „Interessant sind eigenwillige und vom Mainstream abweichende Texte in einer Zeit, in der wir uns oft nur noch in Echokammern befinden“, fügte Petersen an.

Im Februar wird der Name des Preisträgers 2020 bekannt gegeben. Am 16. Mai wird im Schauspiel Frankfurt die feierliche Preisverleihung stattfinden, der Preisträger wird in die Gestaltung des Programms mit eingebunden.

„Der Unterschied zu anderen Literaturpreisen ist das ungewöhnlich hohe Preisgeld und die Tatsache, dass nach der Verleihung kein Schlusspunkt steht, sondern etwas in Gang kommt“, sagte Strigl.

Der Förderpreis, dessen Thema der Preisträger bestimmt, wird im November vergeben.

Bislang sind die Texte der Shortlist nur online verfügbar. „Aber wird denken über eine Printversion nach“, bemerkte Poppe.

JF

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