Vorschau auf die Frankfurter Buchmesse: neue Formate und eine Kampagne

Im Haus des Buches fand heute Vormittag eine Pressekonferenz zur kommenden Frankfurter Buchmesse statt, die in vier Wochen eröffnet wird. Katja Böhne, Leiterin Marketing und Kommunikation, Messedirektor Juergen Boos und Lars Birken-Bertsch, Direktor Business Development DACH, stellten Neues und Besonderes in diesem Jahr vor.

Birken-Bertsch sprach zunächst über den Pavilion – Wert wird bei der internationalen Messe auf die englische Schreibweise und Aussprache gelegt. Im Lateinischen bedeute das Wort „papilio“ „Schmetterling“, im Französischen der „pavillon“ „Zelt, Anbau, Lusthäuschen“. „Der neue Frankfurt Pavilion soll ein Lustzelt der Literatur und der Begegnung werden“, formulierte Birken-Bertsch. Auf etwa 300 Quadratmetern Nutzfläche für rund 250 Besucher sind diverse Veranstaltungen geplant, darunter Diskussionen, Buchvorstellungen, Preisverleihungen und am Messe-Sonntag von 9.30 Uhr bis 14 Uhr ein Programm für Kinder.

Zum zweiten Mal gibt es das Bookfest, das sowohl auf der Messe als auch in angesagten Restaurants und Bars der Stadt organisiert wird. Nach 20 Jahren Harry Potter gibt es einen Weltrekordversuch: Mindestens 1000 Personen in einem Harry-Potter-Kostüm sollen am Messe-Samstag zwischen 15.30 Uhr und 17 Uhr im Saal Harmonie (Congress Center Messe Frankfurt) zusammenkommen. Insgesamt listet das Bookfest 30 Veranstaltungen an 15 Orten auf.

Juergen Boos ergänzte zum Bookfest: „Im vergangenen Jahr haben wir das Programm oft den Ausstellern überlassen, in diesem Jahr wirken wir stärker kuratorisch mit. Die Verlage wollen besser mit ihren Lesern in Kontakt kommen, die Frankfurter Buchmesse ist nicht nur eine Veranstaltung für Fachbesucher, sondern ein Kulturfest für alle Interessierten.“ Das Glamouröse stehe nicht nur Filmevents und Clubs zu, sondern auch dem Buch. Das Bookfest bediene ein anderes Spektrum als die städtische Veranstaltungsreihe Open Books und verstehe sich als Ergänzung dazu.

Auf einige Schwerpunkte in der großen Themenpalette ging Katja Böhne ein. Gerade die Regionen Afrika, Südostasien und die USA wachsen hinsichtlich ihrer Beteiligung an der Messe. Der afrikanische Kontinent ist beispielsweise mit 34 Ausstellern aus 19 Ländern vertreten.

Die Gastländer bereiten sich immer früher und intensiver auf ihren Auftritt vor. Georgien hat 70 Autoren angekündigt, einige von ihnen sind bereits in Deutschland unterwegs. 160 Titel aus dem Gastland erscheinen bis Dezember 2018 in 70 Verlagen auf Deutsch. 200 Verlage aus 38 Ländern beteiligen sich mit rund 600 Büchern an der internationalen Ausstellung Books on Georgia. In Frankfurt gibt es 16 Expositionen zum Ehrengast.

Das Agentenzentrum verzeichnet einen Zuwachs von sechs Prozent, etwa 800 Agenten aus 33 Ländern werden erwartet.

„Wir haben den Bereich für Kinder und Jugendliche erweitert. Es gibt erstmals im Foyer 5.1/6.1 ein Kinderbuchzentrum für Business und Networking. Im Pavilion findet am Sonntag der Family Day statt“, erläuterte Böhne.

Auf der dritten The Arts+ in Halle 4.1 geht es in diesem Jahr um die Gestaltung des digitalen kulturellen Ökosystems. Ein Future of Culture Festival ist mit außergewöhnlichen Perfomances geplant. Außerdem werden die Frankfurter Buchmesse Film Awards – neu dabei die Kategorie Bester Bildband zum Thema Film – und der Global Illustration Award auf dem Areal von The Arts+ verliehen. „Es gibt viele kleine Messen unter dem Dach der großen“, verdeutlichte Böhne.

„Die Buchmesse hat eine ökonomische, kulturelle und eine politische Dimension“, unterstrich Juergen Boos. Über 900 Journalisten aus aller Welt haben sich angemeldet, zur Eröffnung wird Federica Mogherini, Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, erwartet. „Natürlich spiegeln sich auf der Buchmesse auch Konflikte in Europa und im eigenen Land wider“, sagte der Direktor. Alle Stimmen, die nicht gegen das Grundgesetz verstoßen, müssten zugelassen werden. „Wir wollen keine Zensur. Aber wir können eigene Zeichen setzen“, betonte Boos und nannte die Kampagne #onthesamepage. 70 Jahre nach Verabschiedung der  von den Vereinten Nationen wird ein Aktionsbündnis von Frankfurter Buchmesse, Börsenverein des Deutschen Buchhandels und weiteren Partnern ins Leben gerufen, um sich für die Einhaltung der Menschenrechte zu engagieren. Damit soll ein Zeichen für freiheitliche Grundregeln und Respekt, für eine friedliche Begegnung der Kulturen gesetzt werden. Buchhandlungen können dazu schon im September Thementische gestalten, Verlage Lesungen und Veranstaltungen organisieren. Im Zentrum Weltempfang wird es zahlreiche Veranstaltungen zum Thema geben.

Der Terminkalender der Messe ist jetzt schon rappelvoll. Einmal mehr hat der Besucher die Qual der Wahl in einem übergroßen Angebot mit vielen Glanzpunkten. Dass es sich bei der internationalen Schau der Buchbranche und ihrer Partner um die 70. Nachkriegsmesse handelt, geht fast ein bisschen unter. Genau besehen liegen die Anfänge der Buchmesse ja auch im Jahr 1485, die der Herbstmesse in Frankfurt gehen sogar auf das Jahr 1240 zurück.

JF

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