Das Blaue Sofa präsentierte norwegische Publikumslieblinge in Berlin Vorhang auf für den Ehrengast der Frankfurter Buchmesse

Warm-up für die Frankfurter Buchmesse gestern Abend in Berlin. Im Rahmen einer Literatur-Soirée hatte Das Blaue Sofa auch in diesem Jahr wieder ausgewählte Autoren des Gastlandes in die Berliner Bertelsmann Repräsentanz unter den Linden geholt. Jostein Gaarder, Erik Fosnes Hansen, Erika Fatland und Lars Saabye Christensen gaben dem Publikum einen Vorgeschmack auf die Messe, die in zwei Wochen ihre Tore öffnet.

Gastgeberin Helen Müller begrüßte mehr als 160 Gäste aus Politik, Kultur und Medien, da­runter zahlreiche Buchhändler und Verleger. Bereits seit 19 Jahren bringe das Blaue Sofa, das gemeinsame Autorenforum von Bertelsmann, ZDF, Deutschlandfunk Kultur und 3sat, auf den Messen in Frankfurt und Leipzig Autorinnen und Autoren mit Lesern ins Gespräch, be­tonte sie. In diesem Jahr werden in Frankfurt 85 Gäste auf dem Sofa Platz nehmen.

Erfolgreicher Ausblick auf den Ehrengast der Frankfurter Buchmesse

In Anwesenheit des norwegischen Botschafters Petter Ølberg gratulierte Helen Müller Erik Fosnes Hansen zum Willy-Brandt-Preis, mit dem die Willy-Brandt-Stiftung den Autor im September für seinen Beitrag zum norwegisch-deutschen Literaturaustausch auszeichnete. „Es gibt keinen Preis, den ich mehr schätze. Die Auszeichnung hat mich sehr berührt“, sagte Erik Fosnes Hansen in perfektem Deutsch und bekannte sich zu seiner lebenslangen Liebe zur deutschen Literatur und Kultur. Seine Faszination habe begonnen, als er mit 17 Jahren zum ersten Mal Günter GrassDie Blechtrommel las. Gestern Abend hatte Erik Fosnes Hansen seinen jüngsten Roman im Gepäck. Ein Hummerleben, erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, erzählt vom Niedergang eines einstmals mondänen Hotels in den norwegischen Bergen. Er habe auch die deutsche Fassung gelesen, erzählte der Autor und lobte ausdrücklich die Leistung des Übersetzers Hinrich Schmidt-Henkel. „Er hat meine Bücher noch besser gemacht, als sie im Original sind.“

Marie Sagenschneider, Erika Fatland (r.)

Erika Fatland, Die Ehefrau von Erik Fosnes Hansen, berichtete von der Recherche zu ihrem Buch Die Grenze. Eine Reise rund um Russland (Suhrkamp). Ein Dreivierteljahr reiste sie durch 14 Länder, immer entlang der über 20.000 Kilometer langen russischen Grenze. Ulrich Sonnenberg hat ihren ausführlichen Bericht ins Deutsche übersetzt. Jostein Gaarder, den sein Roman Sophies Welt weltberühmt gemacht hat, brachte sein neues Buch Genau richtig. Die kurze Geschichte einer langen Nacht mit, das in der Übersetzung von Gabriele Haefs im Hanser Verlag erschienen ist. Der ehemalige Philosophielehrer machte neugierig auf die Lektüre der Geschichte über einen Mann, der nach einer niederschmetternden Diagnose eine Nacht allein in einer Hütte am See verbringt und über das Leben nachdenkt. Soll er den schnellen Weg wählen und sein Leben selbst beenden, bevor es die tödliche Krankheit tut? Lars Saabye Christensen, der ebenfalls zu den bedeutenden Autoren der Gegenwart zählt, präsentierte seinen neuen Roman Die Spuren der Stadt (btb), übersetzt von Christel Hildebrandt, der ins Oslo der Nachkriegszeit führt. Christensen regte zudem zur Lektüre des Romans Hunger an. Den Klassiker von Knut Hamsun sollten alle kennen, die sich für norwegische Literatur interessieren.

Margit Walsø, Direktorin der Norwegian Literature Abroad (NORLA), und Messedirektor Juergen Boos, machten gleich zu Beginn der Soirée im Gespräch mit Marie Sagenschneider Appetit auf das Gastland-Programm. Unter dem Motto „Der Traum in uns“, das einem Gedicht von Olav H. Hauge entlehnt ist, werden mehr als 100 Autorinnen und Autoren aus Norwegen erwartet, die Einblick in die Vielfalt der norwegischen Literatur und Gesellschaft geben. Insgesamt erscheinen auf Deutsch mehr als 450 Titel aus und über Norwegen.

Wer gestern Abend nicht dabei sein konnte, kann die kann die Gespräche am 6. Oktober, 23:03 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur hören. Danach ist die Sendung als Podcast verfügbar.

ml

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