„Die Woche“ wird eingestellt / Verlust für Leser.

Das tut mehr als weh, den Mitarbeitern, denen am Mittwoch abend Manfred Bissinger und Thomas Ganske das sofortige Aus ihrer vor neun Jahren gegründeten Wochenzeitung verkünden mussten – und den Fans des mehrfach ausgezeichneten und glänzend gemachten Blattes. Denn kress blitz exclusiv meldete gestern, dass die Verlagsgruppe Ganske mit sofortiger Wirkung das verlustreiche Prestige-Objekt “ Die Woche “ einstellt. Das Blatt unter der neuen (noch kommissarischen) Chefredakteurin Sabine Rosenbladt ging gerade erst mit einem überarbeiteten Konzept an den Start. Sichtlich sind die Verhandlungen mit der WAZ-Gruppe nicht zu einem Ergebnis gekommen. Die WAZ Gruppe hatte Interesse an einer Zusammenführung der JALAG-Zeitschriften mit den eigenen Blättern gehabt [mehr…], Thomas Ganske hatte aber dazu längst abgewinkt [mehr…]. In der SZ („Woche für Woche ein Gerücht“ )vom Freitag der Vorwoche http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel128081.php war von in neun Jahren aufgelaufenen Verlusten von geschätzt rd. 40 Mio. Euro die Rede – ein Fass wohl ohne Boden, dass in diesen Zeiten auch für ein gut situiertes Haus auf Dauer nicht mehr tragbar war. Hoffentlich kein Signal für andere Verlage, auch schärfer nachzurechnen.
Was die Einstellung auch für uns als Leser bedeutet, wird wohl erst später wirklich deutlich werden: Solche journalistischen Leistungen wie etwa die (monothematische) Ausgabe nach dem 11. September waren Sternstunden – wir werden das vermissen. Das wäre auch die Richtung gewesen, in die sich das Blatt jetzt nach der neuen Konzeption hinentwickelt hätte.

In der NETZEITUNG von heute http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=564&item=181240
heißt es, Die Woche sei «ein journalistisches Projekt» (Bissinger) gewesen. Bei der Gründung sei man überzeugt gewesen, dass das Blatt mit seiner neuartigen Konzeption notwendig sei und von den Lesern und Leserinnen gesucht werde. Im Nachhinein müsse man zugeben, dass man sich vielleicht zuviel vorgenommen habe. «Eine Zeitung als Quadratur des Kreises , womöglich zu gewöhnungsbedürftig für den Markt», heißt es in der Erklärung.

Die Zeitung habe Stil bildend sein wollen und sei es auch gewesen, so Bissinger. So sei zum Beispiel das farbige Erscheinungsbild für Zeitungen mit seriösen Inhalten 1993 noch eine Seltenheit gewesen. Heute sei dies längst selbstverständlich. Vor allem für Layout und Gestaltung war die Zeitung mehrfach ausgezeichnet worden. So erhielt sie dreimal den amerikanischen Preis «World’s Best Designed Newspaper». Die Zeitung erreichte zuletzt eine Auflage von 135.000 Exemplaren.

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