Werner Labisch verlässt Verbrecher Verlag

Jörg Sundermeier, Werner Labisch

Werner Labisch wird den Verbrecher Verlag Ende des Jahres verlassen. BuchMarkt sprach mit den beiden Verlegern über die Gründe.

Erst vor einigen Wochen haben Sie gemeinsam den 15. Geburtstag des Verlags gefeiert und nun das. Gab’s Unstimmigkeiten?
Jörg Sundermeier: Nein. Werner Labischs Weggang erfolgt freundschaftlich.

Warum dann die plötzliche Trennung?

Werner Labisch: Meine Frau hat ein Jobangebot in Leipzig bekommen, das sie annehmen wird. Wir werden also demnächst nach Leipzig umziehen und ich kümmere mich dort mehr um unseren Sohn. Das ist der Hauptgrund. Außerdem möchte ich endlich wieder schreiben. Wie jeder Verleger bin auch ich ein verkappter Schriftsteller. Das möchte ich einmal ausleben, und wenn ich’s jetzt nicht mache, dann gar nicht mehr.

Jörg Sundermeier: Der Termin 31.12. mag nach außen überraschend erscheinen. Werner Labisch wird aber de facto noch bis etwa März für eine geregelte Übergabe sorgen.

Die Trennung kommt in einem Jahr, das für den Verbrecher Verlag gut gelaufen ist. Man hat den Eindruck, Sie werden von Feuilleton endlich wahrgenommen.

Werner Labisch: Es war tatsächlich ein gutes Jahr. Erstmals bieten wird dem Handel sogar Plakate an. Es ist ein seltsames Gefühl, jetzt, wo es endlich losgeht, nicht mehr mitzumachen. Aber es ist zugleich ein gutes Gefühl, weil ich sagen, ich gehe nicht, weil der Verlag nicht läuft.

Jörg Sundermeier: 2010 war unser umsatzstärkstes Jahr. Ich hätte den Verlag gerne weiter geführt wie bisher, aber die Gründe meines Partners leuchten mir ein. Wir hätten natürlich eine „Fernbeziehung“ führen können, aber das wäre zu schwierig geworden. Im Moment fordert der Verlag uns sehr stark, gerade weil sehr viel passiert. Aber bei allem Unglück, bin ich froh, dass die Trennung jetzt erfolgt. Werner Labisch verlässt ein bestelltes Haus.

Wie verkraftet man eine solche Trennung – emotional und finanziell?

Jörg Sundermeier: Finanziell ziemlich gut. Ich übernehme den Bestand und die Verbindlichkeiten. Wenn jetzt Geld abgezogen würde, würde der Verlag das auf Dauer nicht aushalten. Ansonsten war ich ein paar Wochen lang sehr durcheinander. Aber wie bei jeder guten Scheidung: Wir werden Freunde bleiben.

Wie wird es mit dem Verbrecher Verlag weitergehen?

Jörg Sundermeier: Momentan bin ich auf der Suche nach einer Lösung. Wir schauen beide wie und an wen man Werners Part übergeben kann.

Ist schon eine Lösung absehbar?

Jörg Sundermeier: Wir führen Gespräche, aber es ist noch nichts spruchreif.

Wird es Kurskorrekturen im Verlag geben?

Jörg Sundermeier: Unsere festen freien Mitarbeiter bekommen mehr Mitspracherecht. Da wir beide Ostwestfalen sind, haben wir uns ohne Worte verstanden. Von manchen Abläufen wussten unsere Mitarbeiter zum Teil gar nichts, weil die nonverbale Kommunikation so gut funktionierte. Da besteht Handlungsbedarf.

Programmatisch bleibt alles beim Alten?

Jörg Sundermeier: An unserem Selbstverständnis eines Autorenverlags wird sich nichts ändern, auch nicht an der Autorentreue. Aber was wir in der Vergangenheit verschludert haben, ist die Akquise junger Autoren.

Durch unsere Werkausgaben etwa von Giwi Margwelaschwili, Rudolf Lorenzen und Gisela Elsner – haben wir eine Basis. Im Frühjahr starten wir zudem eine Ausgabe der gesammelten Tagebücher von Erich Mühsam. Daneben wollen wir uns verstärkt für junge Autoren engagieren. Durch neue Leute entstehen automatisch Veränderungen. Und sicher auch Reibereien. Darauf hatte ich eigentlich keine Lust, aber es fängt an, mir Spaß zu machen. In den Vorgesprächen mit den Kandidaten habe ich viel konstruktive Kritik gespürt.

Wann und wie werden wir wieder von Werner Labisch hören?

Werner Labisch: Erst einmal werde ich meine Romanideen sortieren. Ich brauche zum Schreiben Zeit, denn ich bin kein Dietmar Dath, der sich zwei Mal im Jahr in Klausur begibt und mit einem großen Roman wieder rauskommt. Wahrscheinlich werde ich Ende 2012 bei den Agenten vorsprechen. Bis es soweit ist, möchte ich ein fertiges Werk haben und nicht nur ein Exposé und ein erstes Kapitel. Das ist mein Traum, etwas ganz Rundes zu machen.

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