Ullstein soll literarischer werden – Claassen bringt keine Novitäten mehr

Siv Bublitz
Foto: Sören Stache

Große Veränderungen bei den Ullstein Buchverlagen. Im Dezember wurde es kurz vermeldet, aber augenscheinlich ist im Weihnachtsgeschäft die Tragweite der Meldung ein bisschen untergegangen: Ullstein will sich als literarischer Verlag stärker positionieren, und bei Claassen wird es keine Neuerscheinungen mehr geben.

„Grundlage der Veränderungen im belletristischen Programm der Ullstein Buchverlage ist die Entscheidung, den Ullstein Verlag wieder für die Literatur zu öffnen, für die er in seinen Anfängen immer auch stand. Damit haben wir 2007 begonnen, und es ist recht schnell gelungen“, so Verlegerin Dr. Siv Bublitz auf Nachfrage von buchmarkt.de. „Unterstützt von einem seriösen Sachbuchprogramm hat sich dadurch das Profil des Ullstein Verlages verändert: Die internationale Literatur erfolgreicher Claassen-Autoren wie Wassili Grossman oder Joan Didion erscheint nun dort neben Yasmina Khadra, Yan Lianke oder James Frey. Hinzu kommen interessante deutschsprachige Autoren wie Helene Hegemann und Zoran Drvenkar und hochkarätige Spannungsliteratur von John le Carré oder Jo Nesbø.“

Internationale und deutschsprachige Literatur sowohl bei Claassen als auch bei Ullstein anzusiedeln, hieße, so Bublitz weiter, zwei Verlage mit einander überschneidenden inhaltlichen Profilen zu betreiben: „Das ist nicht sinnvoll: Wir wollen gute Bücher auswählen und sie gut verlegen, nicht einfach Imprints befüllen. Für Leser, Buchhändler und Autoren ist in dieser Hinsicht weniger mehr.“

Eine weitere programmatische Entwicklung ist die Gründung des Graf Verlages im November 2009, der sich ebenfalls literarischen Entdeckungen widmen wird. „Der Graf Verlag ist eine Neugründung, kein Nachfolgeunternehmen des SchirmerGraf Verlags. Das Programm ist klein und trägt die sehr persönliche Handschrift von Tanja Graf“, womit der Verlag inhaltlich klar von Ullstein abgegrenzt sei. „Frau Grafs Präsenz im Buchhandel und bei der Presse sichert ihrem Verlag eine besondere Aufmerksamkeit. Mit Ullstein und Graf gibt es also künftig für literarische Titel zwei starke Programme in den Ullstein Buchverlagen. Hier wollen wir unsere Kräfte bündeln, um für die Bücher so viele Leser wie möglich zu begeistern.“

List und Marion von Schröder widmen sich wie schon in den vergangenen Jahren den klassischen Genres der Unterhaltung. „Bei Claassen werden wir einstweilen keine Novitäten mehr anbieten. Der Verlag bleibt bestehen, die Backlist wird weiterhin angeboten, und die zuständigen Kollegen im Haus bleiben Ansprechpartner für das Claassen-Programm. Personalkürzungen wird es nicht geben. Neue Titel der Claassen-Autoren, die wir weiterführen wollen, werden künftig bei Ullstein erscheinen.“

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