Europa Verlag mit „gefälschtem“ (?) Schinken / Wie weit ist die „Marke“ Donna Leon schutzfähig?

Der Europa Verlag hat den Roman „Prosciutto di Parma“ von Franca Permezza noch nicht ausgeliefert (er soll erst Ende Januar kommen, aber das Leseexemplar kursiert

FOCUS Bericht: Fischt Inspektor Trattoni im Trüben?

halt), und schon überlegt das Nachrichtenmagazin Focus vom 31.12.04, ob es sich dabei um eine Parodie, eine Travestie oder gar ein Plagiat des Gesamtwerks von Donna Leon handeln könnte.

Diese Spekulation ist durchaus reizvoll, hat doch die Autorin (?) kräftig im Genre von Donna Leon gewildert – was eine Reihe von Überlegungen nach sich zieht: Was ist schützbar, wo sind die Grenzen, wenn es erkennbar um eine Pardodie geht? Ist etwa der Schauplatz Venedig urheberrechtlich geschützt? Schließlich siedelten auch Nicolas Remin, Edward Sklepowisch, Gabrielle Wittkopp, Helen MacInnes und Gabriella Wollenhaupt Kriminalromane dort an. Aber: Parodien auf Micky Maus, Asterix oder Zeitschriften wie STERN oder SPIEGEL – sind die zulässig? Ist ein „Marke“ wie Donna Leon und ihre Machart schutzfähig?

„Prosciutto di Parma“ soll allerdings mehr sein, wie aus dem Umfeld deutlich wird:

Wolfgang Körner

Der Roman entwickelt auf der ersten Ebene einen Kriminalfall, der den Leser schnell in seinen Bann zieht, enthält auf einer zweiten Ebene zahlreiche Anspielungen auf Autoren wie Raymond Chandler, Rex Stout, Mike Spillane, Patricia Highsmith und, last but not least, Thomas Mann und Donna Leon. Gleichzeitig spielt er, am Beispiel der Kunstgalerie der Ehefrau des Commissario Trattoni, mit dem Motiv der Kunstfälschung: Giulia handelt mit nicht signierten Gemälden.

Und: „Solche Erzählstrategien sind in der post-modernen Hochliteratur alltäglich – ob sie in der Unterhaltungsliteratur zulässig sind, bleibt abzuwarten.“ Wer das sagt, ist Wolfgang Körner, BuchMarkt-Kolumnist der ersten Stunde, u.v.a. Autor des steady sellers „Der einzig wahre Opernführer“ (Rowohlt) und Hauptautor der Comedyserie „Büro, Büro“. Er hat wie man dem Leseexemplar entnimmt, das Buch „Aus dem Veneziano“ übersetzt – hüllt sich aber ansonsten lächelnd in Schweigen – und lässt die beeindruckende Liste seiner seiner Bücher auf www.wolfgangkoerner.de für sich sprechen.

Und sein Verleger Vito von Eichborn, dessen Parodie „Barry Trotter und die schamlose Parodie“ von Michael Gerber auf den Bestsellerlisten landete, ist noch in Urlaub und nicht zu erreichen.

Spannend dürfte vor allem werden, wie sich der Diogenes Verlag verhält. Auf die 1986 bei Goldmann erschienene Süskind-Parodie „Das Soufflè“ hat er seinerzeit ebenso wenig reagiert wie Luchterhand auf die – bitterböse – Parodie „Günter Ratte, Der Grass“, 1986 bei Eichborn.

Fazit: Es scheint so, als ob ein hierzulande nach dem Tod Robert Neumanns („Mit fremden Federn“) ein in Vergessenheit geratenes Genre seine fröhliche Wiederauferstehung feiert.

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