Suhrkamp: Was bedeutet das Schutzschirmverfahren?

Suhrkamp hat ein sogenanntes “Schutzschirmverfahren” eingeleitet, wie wir vorhin gemeldet haben [mehr…]. Aber was heißt das? Übernehmen jetzt Fachanwälte für Insolvenzrecht die Suhrkamp-Geschäftsleitungsetage? Wir haben uns ein wenig umgehört.

Voraussetzung für das sogenannte Schutzschirmverfahren, einer Art “Insolvenz light”, ist, dass sich ein Unternehmen sich in der Krise befindet, also die Zahlungsunfähigkeit droht und es auf die Insolvenz zusteuert. Dies ist offenbar vorliegend bei Suhrkamp deshalb der Fall, weil die Wirtschaftsprüfer von Suhrkamp verlangt haben, dass auch für die Barlach-Forderungen, die vom Landgericht Frankfurt noch nicht rechtskräftig zuerkannt wurden, bereits Rückstellungen in die Bilanz aufzunehmen sind. Deshalb hat Suhrkamp beim für Suhrkamp zuständigen Amtsgericht Charlottenburg den Antrag auf Schutzschirmverfahren gestellt, einem Verfahren, das es erst seit wenigen Monaten in der Insolvenzordnung gibt.

Dieses Schutzschirmverfahren wird vom Gericht angeordnet, wenn die Sanierung nach Ansicht des befassten Amtsgerichts nicht aussichtlos ist. Dies prüft das Gericht im Fall Suhrkamp nun. Es muss dabei vom Verlag ein Sanierungswille dokumentiert werden und eine Fortführungsprognose, also eine schlüssige Sanierungsidee, dargelegt werden. Wenn das Gericht jenes Verfahren bewilligt, dann muss die Geschäftsführung – anders als im regulären Insolvenzverfahren – die Abwicklung der laufenden Geschäfte nicht an den Insolvenzverwalter übertragen, sondern ist noch selbst befasst.

Allerdings sollte sie sich dabei wie auch bei der eigentlichen Sanierung, also der Begleichung der Altschulden, eng mit einem beim Insolvenzgericht gut bekannten Experten abstimmen, dem vorläufigen Sachwalter, einer Art Sanierungsberater. Dieser soll dann den Kontakt zu den Gläubigern aufnehmen und diese dazu bewegen, die Geschäftsbeziehungen nicht aufzukündigen. Daneben soll der Sanierungsberater einen Insolvenzplan erarbeiten, in dem die Gläubiger eine lediglich anteilige Erfüllung ihrer Forderungen akzeptieren, die sogenannte Quote. Im Idealfall akzeptieren die Gläubiger einen Forderungsverzicht, damit also einen Abschlag auf die ihnen eigentlich zustehende Forderungserfüllung, der aber im “richtigen” Insolvenzfall vermutlich höher ausfallen würde, und die Sanierung ist abgeschlossen.

Im gesamten Schutzschirmverfahren sind komplexe insolvenzrechtliche Fragestellungen berührt. Nicht zufällig dürfte der vorläufige Sachwalter von Suhrkamp, Prof. Rolf Rattunde, ein Fachanwalt für Insolvenzrecht sein. Interessanterweise hat diese Qualifikation auch der vom Insolvenzrecht nicht vorgesehene, von Suhrkamp aber mit sofortiger Wirkung bestellte Generalbevollmächtigte Dr. Frank Kebekus, der für die seit dem noch nicht rechtskräftigen Absetzungsurteil des Landgericht Berlins angeschlagene Geschäftsführung offenbar künftig die Geschäfte führen soll.

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