Oktober 2005: 10 Jahre Verbrecher Verlag

Werner Labisch und Jörg Sundermeier gründeten 1994 den Verbrecher Verlag, um an unveröffentlichte Manuskripte für private Lesezwecke zu kommen. Der Name entstand ebenso wie das Logo aus einer Laune heraus, und hatte erst einmal den Zweck, bei den angeschriebenen Autoren wenig Hoffnung auf eine tatsächliche Publikation aufkommen zu lassen.

Mit diesen Absichten fragten Sundermeier und Labisch auch Autor Dietmar Dath nach Manuskripten. Er bot ihnen die ersten beiden Kapitel seines neuesten Romans an, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollendet war. Bei den Pseudoverlegern war damit das Interesse geweckt und sie vereinbarten mit dem Autor ein Treffen auf der Frankfurter Buchmesse 1994. Bei dieser Gelegenheit bekamen die Neulinge auch einen ersten Eindruck vom Verlagswesen, ohne größere Ambitionen zu entwickeln.

Erst als Dietmar Dath ihnen das vollständige Manuskript mit der Anmerkung vorlegte, er habe es gerade letzte Nacht fertiggestellt, wurde ihnen klar, dass sie sich in diesem Fall nicht mit einer üblichen schriftlichen Ablehnung aus der Affäre ziehen konnten. Zudem war das Manuskript gut, und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als „Cordula killt dich! Oder: Wir sind doch nicht die Nemesis von jedem Pfeifenheini“ im Oktober 1995 herauszugeben. Dieses Datum legen die Verleger bis heute als Starttermin für ihr Unternehmen zugrunde, auch wenn sie nach dem Erscheinen ihres ersten Titels erst einmal die Finger vom Verlagsgeschäft ließen, da sich Projekt schwieriger gestaltete als zunächst vermutet.

Diverse Zeitungs- und Werbeprojekte kennzeichneten die nach dem ersten Buch folgende verlegerische Schaffenspause. Ihnen fiel kein vernünftiges Gegenargument ein, als der mit ihnen befreundete Comiczeichner Oliver Grajewski die Wiederbelebung des Verlags vorschlug. Sie hatten ja die früher erworbenen ISB-Nummern noch, und nun auch das Büro im Haus Schwarzenberg am Hackeschen Markt.

So kam es dann zu dem zweiten Titel, der im Oktober 1999 im Verbrecher Verlag erschien: „Tigerboy #16“ von Oliver Grajewski. Mittlerweile wussten die Autodidakten schon erheblich mehr vom Verlagsgeschäft. Labisch und Sundermeier waren längst nicht mehr die einzigen im Büro. Martin Schlögl übernahm die Pressearbeit, für die Gestaltung der Bücher war zuerst Thorsten Platz zuständig, seit 2001 ist es Sarah Lamparter, das Gros der Anzeigen wird von Oliver Grajewski gestaltet und seit 2005 betreut Ruth Oelze die Presse und die Lesereisen der Autorinnen und Autoren.

Doch weiter in der Geschichte: Die Anzeige des Verbrecher Verlags in der „Jungle World“ brachte Stefan Wirner auf die Idee, hier seinen Cut-Up-Text aus Zeitungsartikeln zum Jugoslawienkrieg anzubieten. So ging dann die Verlagsarbeit weiter, „Installation Sieg“ erschien im Dezember 1999. Auch der Kontakt zu Dietmar Dath war immer noch eng, sein Roman „Am blinden Ufer“ konnte im März 2000 veröffentlicht werden. Die Arbeit gewann an Kontinuität. Drei Monate später suchte Jim Avignon, der mit seiner Band Neoangin auf einer Verbrecherversammlung aufgetreten war, einen Verlag für sein neues Buch und fand auch schnell einen Platz im Programm der Berliner.

Seitdem arbeitet der Verlag professionell. Um ihre Erzeugnisse zu vermarkten und aus Spaß an der Sache, veranstalteten die Verleger von 1999 bis Mai 2004 Verbrecherversammlungen im Kaffee Burger. Es handelte sich bei den Zusammenkünften um Lesungen, Vorträge, Konzerte und sonstige publikumstaugliche Performances. Sie erfreuten sich wie das Kaffee Burger selbst großer Beliebtheit. Seit dem Februar 2005 finden die wöchentlichen „Verbrecherversammlungen“ nun im Festsaal Kreuzberg am Kottbusser Tor statt.

Die Linken Buchtage, die der Verbrecher Verlag u.a. mit Netzwerk e.V., dem Buchladen Schwarze Risse und dem Aurora Buchversand im Mehringhof organisieren, sind seit 2002 jedes Jahr ein Erfolg. Im September 2003 zog auch der Verlag in den Mehringhof in der Kreuzberger Gneisenaustraße.

Am 25. Oktober – direkt nach der Buchmesse – gibt’s dort ein Jubiläumsfest, auf dem auch die Verlagsautoren lesen.. Anschließend wird Soul und Anverwandtes aufgelegt. Die Verleger: „Das wird laut. Und schön“.

Kontakt: info@verbrecherei.de, www.verbrecherei.de

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