Tauschen als Kaufanreiz: Hitflip.de bietet jetzt auch Original-Hörbücher an

„Kaufen Sie dieses Hörbuch! Wenn es Ihnen nicht gefällt, können Sie es kostenlos und garantiert gegen ein anderes eintauschen“, sieht André Alpar als neues

Hitflip.de: Alles Originale

Verkaufsargument für Hörbuchverlage. Der Jungunternehmer aus Frankfurt ist einer von drei Geschäftsführern der Firma Hitflip OHG in Vallendar, die sich durch die gleichnamige Internet-Plattform zum Tausch von DVDs einen Namen gemacht hat. Neu im Angebot von www.hitflip.de sind seit kurzem einige hundert Hörbücher, hinzu kommen sollen demnächst Musik-CDs und Konsolenspiele.

Alle Medienprodukte sind Originale – man erfasst einfach z.B. die Hörbücher, die man tauschen möchte, und sucht sich diejenigen aus, die man erhalten möchte. Je erhaltenem Produkt fallen 99 Cent „Vermittlungsgebühr“ an, das Porto bezahlt der Versender. Die so genannte Hitflip-Garantie schützt vor Betrugsfällen und zerkratzten Medien. Alpar: „Viele Mitglieder haben darauf hingewiesen, dass Hörbücher häufig nicht mehr als ein- oder zweimal gehört werden und dann im Regal verstauben. Hitflip bringt DVDs und Hörbücher zusammen und ermöglicht das einfache, sichere, legale und kostengünstige Tauschen von DVDs und Hörbüchern.“

Hitflip ist also keine Tauschbörse für (meist illegal verbreitete) Dateien, sondern es werden echte gekaufte Hörbücher und DVDs getauscht. Den unterschiedlichen Preisen von Hörbüchern wird bei Hitflip über die virtuelle Währung „Flips“ Rechnung getragen: „Je nach Alter und Attraktivität wird das Hörbuch automatisch von unserem System bewertet“, erklärt André Alpar.

Die Hitflip-Betreiber wollen mit dem Hörbuchangebot den Wert der heimischen Hörbücher-Sammlung zu neuem Leben erwecken. „Das Tauschen von Hörbüchern haben wir sicherlich nicht erfunden“, bekundigt Alpar. Hörbuch-Fans tauschen ihre Audio-Lieblinge schon lange, beispielsweise über Internet-Foren: „Dort hat man aber den Nachteil, dass man dem anderen eventuell nicht vertrauen kann, und es gibt auch keine Versicherung. Außerdem könnte es unangenehme Diskussionen um den wahren Wert des jeweiligen Hörbuchs geben.“

Ein anderer Weg, Hörbücher indirekt zu „tauschen“, läuft bei vielen Hörern über eBay oder Amazon. Man verkauft quasi die gebrauchten Hörbücher und deckt sich über denselben Weg mit neuen gebrauchten Hörbüchern ein. Hitflip dagegen sei, so André Alpar, günstiger, sicherer und fairer. „Am Ende könnte das Kaufen von physischen Hörbüchern sogar günstiger werden als der Download von Hörbüchern!“

Doch welches Argument entgegnen die Hitflip-Macher Buchhändlern, die befürchten müssen, weniger Hörbücher zu verkaufen? „Wenn ein Hörbuch bei uns verfügbar ist, wurde es ja von jemandem irgendwo gekauft. Wir rechnen eher damit, dass Hitflip Leute eher noch zum Kauf animieren könnte. Schließlich überlegen sich die Kunden es gut, ob sie ein Hörbuch für 25 Euro kaufen und nicht wissen, wie gut es ist. Aber wenn sie wissen, dass sie es auch sicher wieder loswerden, ist vielleicht die Hemmschwelle zum Kaufen teurer Hörbücher niedriger.“

André Alpar kann sich sogar Kooperationen mit Hörbuchverlagen vorstellen: „Zum Beispiel könnten Verlage in ein Hörbuch-Booklet die Hitflip-Versicherung integrieren. Dort würden Hörbuchkäufer dann einen Code finden, der ihnen einen kostenlosen Tausch des Hörbuchs über Hitflip ermöglichen würde.“ Die Botschaft: Wem es nicht gefällt, wird es garantiert wieder los.

Bleibt die Frage, welcher Verlag dieses unterschwellige „Eventuell gefällt es nicht“-Eingeständnis abzugeben bereit ist. Schließlich hat jede der zurzeit 15.000 lieferbaren Produktionen auf dem deutschen Hörbuchmarkt eher den Anspruch, dem Kunden zu gefallen. Andererseits könnten „kommerziell modern“ eingestellte Labels das Experiment wagen – als Hingucker und Kauf-Zugabe taugt das Angebot allemal.
rw

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