Hermann Eckel über Musikalien im unabhängigen Sortiment

Hermann Eckel, Geschäftsführer beim Leipziger Notenverlag Edition Peters hat sich am Wochenende in die Höhle des Löwen gewagt und ist als erster Musikalien-Verleger auf der Tagung des Arbeitskreises unabhängiger Buchhändler (AkS) aufgetreten. Dort hat er über die Chancen für den Verkauf von Musikalien im Buchhandel berichtet. Wir fragten ihn nach seinen Eindruck vom Begegnung mit den AkS-Buchhändlern.

buchmarkt.de: Sie waren als Musikalienverleger beim AkS und haben die Produkte Ihrer Branche, die so nah ist und vielen Buchhändlern doch fremd erscheinen, vorgestellt. War es das erste Mal vor so vielen Buchhändlern und wie haben Sie diese erlebt?

Hermann Eckel

Hermann Eckel: Für mich persönlich war es nicht das erste Mal, denn ich habe vor meiner Zeit als Peters-Geschäftsführer einige Jahre in der Academic Division von Oxford University Press gearbeitet und bin daher schon früher bei ähnlichen Gelegenheiten mit vielen Buchhändlern zusammen gekommen. Einige Kollegen wiederum, etwa Herr Dr. Matthias Hutzel vom Schott-Verlag, der Sprecher des AK Musikverlage, haben innerhalb der letzten beiden Jahre schon mehrfach das Thema „Notenverkauf im Buchhandel“ vor größerem Publikum präsentiert. Aber es stimmt, das Interesse an diesem Thema wächst beständig und damit auch der Hörerkreis, den ich in Berlin als sehr angenehm und aufgeschlossen erlebt habe. Ein Großteil der Tagungsteilnehmer war am Sonntag Vormittag noch anwesend und hat aktiv zugehört. Das hat mich natürlich sehr gefreut.

Sie wollen Musikalien nun auch über den Buchhandel vertreiben, wie haben die Buchhändler auf Ihren Vorschlag reagiert?

Die Buchhändler waren wie gesagt sehr offen. Der Buchhandel insgesamt ist ja schon seit geraumer Zeit ein ernstzunehmender Vertriebskanal für Musikverlage, wobei die Gewichtung von Verlag zu Verlag sehr verschieden ist: Ein Pop-Musikverlag, der vor allem Songbooks und Gitarrenbücher verkauft und für alle Titel ISBNs vergeben hat, wird sicher deutlich höhere Umsatzanteile über den Buchhandel verzeichnen als ein auf Orchestermaterial spezialisiertes Verlagshaus. Zumindest das passive Besorgungsgeschäft läuft entsprechend schon in vielen Buchhandlungen ‚nebenbei‘ mit. Aber viele können sich inzwischen auch vorstellen, sich aktiver mit dieser Warengruppe zu beschäftigen.

Wie war die Stimmung gegenüber dem neuen Segment?

Insgesamt sehr positiv. Einige der anwesenden Buchhändler verkaufen bereits Musikalien im nennenswerten Maßstab und haben ihre Kolleginnen und Kollegen ermuntert, es ihnen gleich zu tun. Gelobt wurden vor allem die beiden Musik-Großhändler (Grahl & Nicklas und MGS Loib) als einfache Bezugsquellen. Andere haben aber auch mit Recht auf manche Hürden hingewiesen, etwa ihre Schwierigkeiten mit der Identifikation der richtigen Ausgabe eines Werkes (Partitur vs. Klavierauszug oder Einzelstimme) oder die Tatsache, dass es häufig keine Einzelausgaben von in Sammelbänden enthaltenen (Chor-)Stücken gibt – was dem Kopieren von Noten Vorschub leiste.

Was konnten Sie ihnen dann vermitteln?

Ich hoffe, ich konnte aufzeigen, dass sich in unserer Branche besonders im Hinblick auf die Recherchemöglichkeiten und die schnelle Verfügbarkeit von Musikalien in den vergangenen Jahren bereits sehr viel getan hat und weiterhin tun wird. Dies ist nicht zuletzt der steten Weiterentwicklung der zentralen Notendatenbank IDNV mit inzwischen bald 600.000 verzeichneten Musikalien zu verdanken. Damit werden die Hürden, in dieses Segment einzusteigen, ständig niedriger.

Sehen Sie also gerade für „kleine“ Läden eine Chance?

Unbedingt! Denn über ein solches Zusatzsortiment kann sich ein kleinerer Buchhändler verstärkt profilieren und neue Kundenkreise erschließen bzw. die bestehenden enger an sich binden. Es wird ja viel lamentiert über den Niedergang des Musikunterrichts an den Allgemeinbildenden Schulen. Aber zugleich geben sich immer mehr Schulen ein Musikprofil, um damit – erfolgreich – Schülerinnen und Schüler anzuziehen. Dazu gibt es Bläser- und Streicherklassen sowie diverse Initiativen für das Singen mit Kindern im Kindergarten und in der Grundschule. Nach einer tatsächlich negativen Tendenz bis vor einigen Jahren sehe ich in jüngster Zeit wieder sehr viele positive Entwicklungen im Musikbereich und damit auch einen wieder interessanter werdenden Markt. Angesichts des leider immer dünner werdenden Netzes an Musikalienhandlungen mit immer größer werdenden ‚weißen Flecken‘ auf der Landkarte bleibt da für Buchhändler mehr und mehr Raum zur Entfaltung.

Lohnt sich da der Aufwand für Sie? Je kleiner der Händler, desto weniger wirft Ihr Aufwand ab…

Genau darum geht es: Wir müssen mit der entsprechenden Infrastruktur und Unterstützung, etwa mit Informationsbroschüren, dafür sorgen, dass der Aufwand für alle Händler so gering wie möglich wird. Für ein echtes Sortimentsgeschäft, das fundierte Beratung, etwa zur Repertoire-Auswahl fürs nächste Konzert, mit einschließt, gehört selbstverständlich noch einiges mehr, insbesondere fachlich erfahrene Mitarbeiter. In diesem Punkt wird eine spezialisierte Musikalienhandlung immer ‚die Nase vorn‘ haben. Aber das Besorgungsgeschäft sollte niemanden vor große Herausforderungen stellen. Einige der anwesenden Händler haben übrigens bestätigt, dass dies in der Regel schon jetzt der Fall sei, da die meisten Kunden genau wissen, welche Ausgabe sie benötigen und diese dann schlicht bestellen.

Hatten Sie anschließend das Gefühl, es wird etwas passieren?

Absolut! Unter den bisherigen Zusammentreffen mit Buchhändlern war dies wohl das positivste. Das liegt sicher auch daran, dass gerade für die im AkS vertretenen Händler Musikalien als Zusatzsortiment interessant sind, da sie sich häufig genug fernab der größeren Städte befinden, wo es eben keine Musikalienhandlung mehr gibt – wohl aber Musikschulen, Chöre und andere begeisterte Laienmusiker. Wir freuen uns daher sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit dem AkS!

Die Fragen stellte Matthias Koeffler

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