Hartmut Jedicke zur Übernahme von Berlin Verlag und Bloomsbury Berlin

Mit dem Kauf des Berlin Verlags und Bloomsbury Berlin hat Hartmut Jedicke, CEO bei der Bonnier-Gruppe für die deutschen Verlage die Branche gestern überrascht [mehr…]. Doch wie passt der Verlag in die Bonnier Gruppe? buchhmarkt.de mit Fragen an Jedicke.

Buchmarkt.de: Kooperation oder Kauf? Die Frage hat vorgestern erst einmal für Verwirrung gesorgt. Bloomsbury teilt seinen Aktionären mit, dass Berlin und Bloomsbury Berlin an die Bonnier Gruppe verkauft wurde. Was ist Ihr Interesse am Berlin Verlag und an Bloomsbury Berlin

Hartmut Jedicke

Hartmut Jedicke: Schon vor über 10 Jahren haben wir mit Nigel Newton über eine Zusammenarbeit gesprochen. Insbesondere über die Möglichkeiten, wichtigen Autoren in den drei weltweit wichtigsten Märkten (USA, UK, D) zum Durchbruch zu verhelfen. Diese Kooperation war einer der beiden ausschlaggebenden Gründe. Der andere ist natürlich der Kauf des Verlages in Berlin. Mit seinen wichtigen Autoren, dem literarischen Renomee und einer tollen Mannschaft mit viel Kampfgeist.

Durch die Pressemitteilung aus dem Hause Piper entstand der Eindruck, dass Berlin an Piper angedockt wird. Dabei haben Sie mit den Ullsteinverlagen in Berlin exzellente Anknüpfungsmöglichkeiten. Sind da Synergien mit Ullstein denkbar?

„Exzellente Anknüpfungsmöglichkeiten“ kann aber auch heißen, dass der Berlin Verlag in den Schatten des großen und erfolgreichen Ullstein Verlages gerät, der ja auch noch Allegria, Econ, Graf, List, Marion von Schröder und Propyläen hat. Die beabsichtigte Kooperation mit Piper garantiert dem Berlin Verlag einen stärkeren Eigenauftritt. Und das ist gewollt.

Der Berlin Verlag hatte es in den letzten Jahren nicht leicht. Bekommen Sie den Berlin Verlag wieder in die Gewinnzone?

Eine Rückkehr in die Gewinnzone ist natürlich das Ziel

Wie wollen Sie Berlin und Bloomsbury in Deutschland weiter positionieren?

Das ist eine Frage, die man nie abschließend beantworten kann. Weil ja immer an der Positionierung gearbeitet wird. Im Augenblick sehe ich das Haus als einen Hauptstadt -Verlag, der die besondere Lebendigkeit und kulturelle Vielfalt der Stadt in seinen Programmen widerspiegelt. Der Berlin Verlag steht für gehobene Literatur und für ein anspruchsvolles Sachbuchprogramm. Bloomsbury Berlin ist etwas populärer und durch die Vielzahl der angelsächsischen Autoren – und großen Erfolgen in der Vergangenheit- etwas internationaler aufgestellt. Eine sehr interessante Mischung mit vielen Möglichkeiten, die keinerlei Anlass bietet, daran etwas ändern zu wollen.

Was können Sie mit einer Gruppe wie Bonnier im Hintergrund anders als Bloomsbury es konnte?

Wir setzen als deutsche Bonnier Gruppe sehr auf Dezentralität. Also unabhängige Verlage/Verleger in lokal verwurzelten Verlagen, eigenständige Hauskulturen, Einheiten, die für Menschen überschaubar sind, in denen sie sich wohlfühlen. Mitarbeiter, freie Mitarbeiter, Übersetzer, Autoren. Das ist die eine Seite. Aber wir haben auch starke zentrale Elemente, weil kleine übersichtliche Häuser allein keine Synergien schaffen können. Wir arbeiten beispielsweise in Logistik, Administration, zentraler Betreuung bestimmter Kundengruppen, teilweise im Einkauf (Druckleistungen), etc. sehr zentralistisch, um Kosten zu sparen und doppelten Aufwand zu vermeiden. Einen weiteren Verlag in dieses System einzubeziehen ist kein großes Problem. Die Kostenvorteile sind immens und wirken schnell. Ansonsten ist uns aber klar, dass Veränderungen ihre Zeit brauchen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Londoner Börse -an der Bloomsbury PLC notiert ist-immer sehr geduldig ist. Unsere Gesellschafter sind geduldig. Wir haben die Bonnier Familie hinter uns, die seit über 200 Jahren das Buchgeschäft kennt.

Wird es weiter Verbindungen nach England geben? Wird es weitere Autorenkooperationen mit dem Mutterkonzern Bloomsbury geben? Haben Sie exklusives Zugriffsrecht auf Autoren bei Bloomsbury weltweit?

Bloomsbury London und Bloomsbury Berlin kooperieren ja schon seit vielen Jahren bei der Veröffentlichung interessanter Autoren aus dem englischsprachigen Raum. Große Erfolge der Vergangenheit, wie z.B. die Bücher von Khaled Hosseini, William Boyd, Ben Schott oder Elizabeth Gilbert sind darauf zurückzuführen. Diese Kooperation wird fortgesetzt und sogar intensiviert.

Wie reagieren die Autoren und Agenten bisher?

Die Reaktionen waren durchweg positiv.

Sie haben nun mehrere Kinderbuchverlage im Portfolio. Bleibt der Bloomsbury Kinderbuchverlag eigenständig? Oder wird das einem der bestehenden Verlage zugeordnet? Gibt es für den Kinderbuchverlag neue Programmziele?

Ja, wir haben starke Kinderbuchverlage, die eine Menge Möglichkeiten eröffnen. Über deren Nutzung werden wir nach Zustimmung des Kartellamtes gemeinsam mit den Mitarbeitern in Berlin sprechen.

Die Fragen stellte Matthias Koeffler

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.