Fachpresse Kongress: Dr. Christian Sprang stellt Portal zur Lizenzbearbeitung vor / Thieme empfiehlt Teilnahme an Subito

Vorträge auf höchst allgemeinem Niveau, eine große Bühnenshow, Einsichten in einen Umwandlungsprozess: Durchwachsener hätte der erste Tag des Kongresses der Deutschen Fachpresse nicht sein können [mehr…]. Nach über 40 Vorträgen stand fest: Die Fachtagungen am zweiten und letzten Tag machten den Kongress doch noch zu einem notwendigen Branchentreff. Denn da fanden sich so manche Perlen.

Vor nur sechs Zuhörern erlaubte Börsenvereinsjustiziar Dr. Christian Sprang erstmals Einblicke in das neues Projekt MVB Rightslink, das die Lizenzabteilungen deutlich entlasten könnte und im Januar 2012 an den Start gehen soll. Mit ihm lassen sich endlich die Lizenzanfragen digital bearbeiten. „Bisher war der Lizenzprozess ein reiner Offline-Prozess. Die Bearbeitung einer Lizenzanfrage dauert durchschnittlich zwei Stunden, und ihr durchschnittlicher Ertrag beträgt 60 Euro, den sich der Verlag mit dem Autor zu 50 Prozent teilen muss“, rechnete Sprang vor. Mit MVB Rightslink lasse sich dieser Prozess, der meist zwei bis drei Wochen dauere, nun deutlich verschlanken. Das neue Tool ist eine Übertragung eines amerikanischen Erfolgsmodells des Copyright Clearing Centers. Vorteil des digitalisierten Tools: Mit ihm lassen sich Lizenzgebühren bereits vor einer Anfrage kalkulieren. „Das Tool soll auch einen standardisierenden Effekt haben“, so Spang. Denn damit würden gleichzeitig auch alle Lizenzvergaben rechtlich korrekt dokumentiert. Kosten: 15 Prozent der Lizenzsumme, mindestens aber 12 Euro.

Fast ebenso zukunftsorientert: Sigrid Lesch stellte die Zusammenarbeit von Thieme mit dem Dokumentenlieferanten für Bibliotheken, Subito, vor. „Subito ist eine kommerzielle Alternative, mit der elektronische Dokumente entsprechend der Vorgaben an Bibliotheken ausgeliehen werden können“, so Lesch. Das Problem: Der Urheberrechtsparagraf 52 ist so schwammig formuliert, dass auf zahlreichen Ebenen Unsicherheiten gibt, wie dieser in die Praxis umgesetzt werden kann. Schon jetzt habe Subito 700.000 PDFs im Angebot und über 100.000 Nutzer. Mit der Hilfe dieses Portals können Bibliotheken digitale Handapparate und Leseplätze anlegen und gleichzeitig in den entsprechenden Modi abrechnen. Diese führt Subito im Auftrag der Verlage mit den Institutionen nach den gesetzlich vorgegebenen Schlüsseln voll automatisch ab.

Mit welchen Schritten der Hanser Fachbuchverlag in die digitale Zukunft gehen will und wie diese innerhalb des Verlages umgesetzt wurden, stellte Verlagsleiter Dr. Hermann Riedel vor. „Die Digitalisierung bedeuten für Verlage immer komplexer werdende Prozesse und stellt die Verlagssysteme vor gewaltige Herausforderungen“, konnte er am Ende sagen. Dabei hat Hanser große Buchpakete für die Bereiche Technik, Management und Computer geschnürt. Die gute Nachricht: Sie sollen ausschließlich über das Sortiment vertrieben werden.

Welche Herausforderungen auf den Verlag der Zukunft zukommen, trug dann noch einmal Ehrhardt F. Heinold vor. „nur wenn der der Verlag mehr Aufmerksamkeit generieren kann als ein Autor, hat er noch eine Existenzberechtigung“, betonte er in Anlehnung eines Zitates von O’Reilly. „Die Aggregatoren werden immer mächtiger auf dem Markt und viele Verlage bewegen sich in die Richtung, Aggregatoren zu werden“, sagte er. Inhalte, die Verlage nicht haben, werden hinzugekauft. „Die Kundenbeziehung wird wichtiger als der Inhalt“, resümierte er.

Viele überraschende Ergebnisse brachte die Chefredakteursumfrage zu Tage. So zeigten sich viele Redaktionschefs in rechtlichen Fragen nicht besonders Sattelfest. Zum Beispiel im Verhältnis zwischen Anzeigenkunden und redaktionellen Inhalten oder beim Umgang mit den Urheberrechten und ihrer Abrechnung von Freien Mitarbeitern. Insgesamt müssen Redaktionen multitasking zahlreiche Medienformate gleichzeitig bedienen können. Dabei kam die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Erlöse mit Online-Angeboten wachsen.

Ergebnisse aus der E-Books Studie des Börsenvereins stellte Prof. Dr. Christoph Kochhan vor, die er kurz vor seinem Wechsel an die SRH FernHochschule Riedlingen noch zum Abschluss gebracht hat. „Seit 2009 hat sich die Akzeptanz des E-.Books nicht verändert“, so Kochhan. Anders als berichtet scheint damit ein Durchbruch es E-Books beim Leser noch nicht zu erwarten. Aber das Interesse steigt deutlich. Denn: Während 75 Prozent der Verlage in den angeben, sich in nächsten zwei Jahren Ihre Bücher als E-Books bereitszustellen, wollen im gleichen Zeitraum nur 46 Prozent der Sortimenter mit E-books handeln. „Da tut sich eine Schere auf“, so Kochhan. Und Thieme-Chef Dr. Albrecht Hauff ergänzte: „Es ist mühsam, Buchhändler davon zu überzeugen, E-Books zu verkaufen“

Insgesamt hatten knapp 500 Teilnehmer in diesem Jahr am Kongress teilgenommen.

Matthias Koeffler

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