DREI FRAGEN AN: Dr. Matthias Oehme, Eulenspiegel Verlag-Geschäftsführer

Dr. Matthias Oehme

„Rotbuch-Autoren rebellieren gegen Verlagsverkauf“, titelte gestern der SPIEGEL [mehr…], und ein bißchen kam man sich im warmen Winter wie zurückversetzt in den Kalten Krieg vor: Autoren wie ]Peter Schneider], Herta Müller, Richard Wagner befürchteten öffentlich, künftig unter dem Dach eines Hauses, „in dem Stasi-Offiziere ihre Erinnerungen pflegen“, zu erscheinen.

Als wäre Markus Wolf nie bei claassen oder Rowohlt erschienen (z.B. mit seinen Erinnerungen „Die Troika“), oder die „Deutsch-deutschen Erinnerungen“ von DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski bei Rowohlt, oder Egon Krenz mit „Wenn Mauern fallen. Die friedliche Revolution: Vorgeschichte – Ablauf – Auswirkungen. Unter Mitarb. von Hartmut König und Gunter Rettner“ in Wien beim Verlag Neff. Nicht zu vergessen: Karl-Eduard von Schnitzler (verschrieen als „Sudel-Ede) bei Nautilus

Oehme antwortete über die dpa: „Die Einschätzung, ob die Eulenspiegel-Gruppe auch ein ‚DDR-Nostalgie-Verlag’ sei, überlasse er anderen, ‚auch ob Peter Hacks, Kurt Böwe oder Eberhard Esche dazu gehören’. Tatsache sei, dass sein Verlag ein ‚Riesenprogramm’ mit ‚klarem Schwerpunkt im Osten’ habe, wofür es Leser gebe, das sei die normale Aufgabe eines Verlages, ‚auch im Westen’. ‚Wir haben auch eine ganze Reihe von Titeln im Programm, die wichtiges bei der Aufarbeitung von DDR-Geschichte geleistet haben.’’ [mehr…]

buchmarkt.de hat den Verleger im Wochenende gestört und ihm drei Fragen gestellt:

buchmarkt.de: Haben Sie Argumente, die Autoren Schneider, Delius, Müller und Dalos zum Bleiben zu bewegen?
Dr. Matthias Oehme: Ich glaube nicht, daß im Moment Argumente helfen. Ich bin nicht der Rotbuchmacher. Es wird eine Programmleitung und ein Lektorat geben, das eigenständig arbeitet, hoffentlich gut. Dann wird es die Zeit bringen. Es geht da ja auch um unterschiedliche literarische Qualitäten. Mit György Dalos habe ich gesprochen. Ich verstehe gut, daß er nicht in diese Diskussion kommen will, es wird also nichts geschehen ohne seine Zustimmung, ganz egal, was in den Verträgen steht.

Um Rotbuch war es ja in den letzten Jahren eher still: Wie soll der Verlag neu positioniert werden?
Auch hier will ich nicht vorgreifen. Sicher ist jetzt schon, daß der Verlag im Sachbuch und beim Krimi an seine innovativste Zeit anknüpfen und scharfes Profil zeigen wird. Scharf und kantig – aber Rotbuch soll auch kein Verlag für jedermann sein.

Sie haben eine riesige Backlist mitgekauft – da sind sicher einige Raritäten dabei. Was werden Sie damit machen?
In den letzten Jahren standen die Zeichen auf Lizenznahme und Zweitverwertung im eigenen Haus. Das wird sich zwar ändern – Novitäten sollen im Vordergrund stehen -, aber es wird mit den vorhandenen Rechten intensiver gearbeitet werden: in einer durchdachten Mischung aus Neuauflagen und Lizenzvergaben. Was die Backlist betrifft, so stammen einige der Bestände tatsächlich noch aus den achtziger Jahren. Wir werden, statt zu ramschen, auf überraschende Aktionen in Werbung und Marketing setzen, um die Bücher wirklich ans lesende Publikum zu bringen.

Die Fragen stellte Ulrich Faure.

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