Dr. Sven Fund zur Übernahme von Birkhäuser

Bereits vier Jahre hat Dr. Sven Fund Birkhäuser mitgestaltet, jetzt hat er den Verlag zu de Gruyter geholt, dessen operatives Geschick er als geschäftsführender Gesellschafter leitet. Dass dahinter keine alten Vorlieben stecken, sondern eine Strategie, erläutert er im Gespräch mich buchmarkt.de.

Buchmarkt.de: Nun haben Sie sich Ihren früheren Job wieder ins Haus geholt.

Dr. Sven Fund

Dr. Sven Fund: Ja, ich kam gestern von einer anstrengenden Reise aus den USA zurück und fand die Zustimmung auf dem Tisch, das hat mich sehr gefreut. Birkhäuser ist eine starke Marke. Natürlich habe ich gute Einblicke in das Unternehmen.

Da kommen keine Emotionen auf?
(lacht) Sicher ist man nie emotionsfrei, aber der Beirat weiß mich schon vor zu großen Emotionen zu schützen.

Welche Fehler hat Birkhäuser denn nach Ihrer Zeit im Verlag gemacht?

Ich denke, da gab es einige Management-Fehler, falsche Titelentscheidungen und eine schlecht gepflegte Backlist. Denn die Backlist ist das Herzstück von Birkhäuser. Außerdem kam noch der Ausgliederungseffekt von Springer dazu. Aber das war nur das Sahnehäubchen. Es gibt also viel zu tun.

Mit Architektur holen Sie sich ein neues Fachgebiet in Haus. Dabei wollten Sie sich konzentrieren. Wo sehen Sie die Chancen?

Das ist richtig, Architektur haben wir bisher noch nicht im Programm. Wir haben aber immer gesagt, dass wir unser Portfolio erweitern wollen. Der Markt der Kunstbücher ist deutlich geschrumpft, dort nehmen wir nun eine Erweiterung vor. Wir machen Bücher, an die Bibliotheken und professionelle Nutzer nicht vorbei kommen. Und so ein Programm hat Birkhäuser und deshalb passt er gut zu uns. Vor mir steht beispielsweise das Gesamtwerk von Corbusier. Das sind Werke, die sich jedes Jahr immer noch drehen. Zusammen mit dem Kunstlexikon, das jetzt bei uns erscheint, haben wir in diesem Bereich jetzt einen starken Auftritt. Es gibt aktuell ein starkes Frontlist-Programm, das müssen wir jetzt zusammen mit den richtigen Titeln aus der Backlist verfügbar machen.

Das klingt, als ob eine Strategie dahinter steckt.

Ja. Wir schauen, wo es Marktbereinigungen gibt, und versuchen dann kleine Nischen zu erschließen. In ihnen wollen wir dann die Nummer 1 werden.

Springer hat ja als Vorvorbesitzer auch noch Programmteile von Birkhäuser, nun haben Sie die Markenrechte gekauft, was darf Springer jetzt noch?

Wir prüfen in Bereich STM sämtliche Optionen. Insbesondere in der Mathematik ist Birkhäuser ein starker Name.

Wie geht es da weiter?

Das werden wir sehen. Wir hatten bisher noch keine Zeit, uns darüber Gedanken zu machen, wie es weitergehen wird. Die Marke Birkhäuser für das gesamte Mathe-Programm zu nutzen, wäre eine Option. Das Schöne ist, dass wir da auch fortsetzen können, was wir in einigen Bereichen schon tun.

Gab es Reaktionen?

Ja, großes Lob an den Buchhandel, sofort nach der Meldung gestern riefen zahlreiche Händler an und gratulierten, das hat gut getan.

Das klingt aber auch nach hohen Erwartungen, dass es vertrieblich nun besser läuft.

Ich sag ja, es gibt viel zu tun.

Die Fragen stellte Matthias Koeffler

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