Campus-Verleger Thomas Carl Schwoerer wieder mit traditionellem Jahresbericht

Thomas Carl Schwoerer

Diesen traditionellem Jahresbericht (einst von seinem Vater und Campus-Gründer Frank Schwoerer erfunden) hat Campus Verleger Thomas Carl Schwoerer (Foto) auch in diesem Jahr an „Autoren-, Berater-, Gesellschafter-, Herausgeber- und MitarbeiterInnen“ geschrieben – und hier ist er für alle anderen nachzulesen.

Liebe Freunde,
leicht fiel es mir diesmal nicht, diesen Bericht zu schreiben, denn wie die meisten von Ihnen bereits wissen, ist meine Mutter am 3. Dezember gestorben. Sie hat das hohe Alter von 89 Jahren erreicht, und es ist tröstlich für mich, dass sie nach Wochen schwerer Krankheit ohne Qualen und Schmerzen sterben konnte. Ich durfte viel Anteilnahme von den Mitarbeitern und Freunden des Verlags erfahren. Meine Gefühlslage hat der Agent Peter Fritz mit dem Satz „Man wird in jedem Alter zum Waisenkind“ auf den Punkt gebracht.

Meine Mutter hat maßgeblich zur Gründung des Verlags im Jahr 1975 beigetragen und sich sehr für ihn und seine Autoren eingesetzt. Wie Renate Heuer vom Archiv Bibliographia Judaica treffend formulierte, wäre die weiterhin erfolgreiche Arbeit des Verlags gewiss der schönste Dank, mit dem wir die Erinnerung an Elisabeth und Frank Schwoerer lebendig halten können.

In diesem Sinne haben wir uns von 2011 an eine neue Strategie gegeben. Zu diesem Zweck haben wir uns in den beiden Vorjahren intensiv mit Fragen wie „Welche Menschen interessieren sich für die Bücher des Verlags?“, „Wie leben diese Menschen?“ und „Wie werden diese von Anbietern anderer Produkte und Dienstleistungen angesprochen, was kann Campus davon lernen?“ auseinandergesetzt.

Mithilfe der neuesten Beschreibungen der Sinus Milieus von Sinus Sociovision und anderen Studien über das Kaufverhalten, etwa der Limbic-Map (ein Instrument, das aus Erkenntnissen der Hirnforschung und der Psychologie entstanden ist), haben wir Kernzielgruppen definiert und Musterkäufer entwickelt, aus deren Sicht wir auf Buchprojekte, Titel- und Umschlagsvorschläge blicken und an deren Wünschen und Erwartungen sich nun alle Prozesse im Verlag ausrichten. Da unsere Kernzielgruppen Wert legen auf Originalität, Inspiration, Überraschungen und Weitblick und gerne Verantwortung übernehmen, müssen unsere Bücher diesen Maßstäben gerecht werden.

Erste Ergebnisse sind in unserer Frühjahrsvorschau zu besichtigen: Das Marketing ist konsequent auf unsere Zielgruppe ausgerichtet. Diese sprechen wir intelligent durch Fragen an, die zu den Buchinhalten hinführen, und mit grafisch und emotional ansprechenden Bildern, die einem Reportagestil ähneln. Das Verlagslogo haben wir moderat überarbeitet, es kann nun flexibler in der Umschlaggestaltung eingesetzt werden. In 2011 konnten wir unseren Umsatz leicht gegenüber dem Vorjahr erhöhen, auch dank unserem besten Umsatz im Monat Dezember seit 2004. Das Wissenschaftssegment profitierte von der starken Backlist im Bereich Soziologie (allem voran das „Lehrbuch für Soziologie“, hg. von Hans Joas, neben den „Sternstunden der Soziologie“, hg. von Sighard Neckel, Ana Mijic, Christian von Scheve und Monica Titton, die 2010 den René-König-Lehrbuchpreis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie gewannen), und Titeln wie Volkmar Siguschs „Auf der Suche nach der sexuellen Freiheit“, Christoph Butterwegges „Armut in einem reichen Land“ und der Geschichte und Bestandsaufnahme der deutschen Umweltbewegung „Das Ende der Gewissheiten“ von Frank Uekötter.

Unsere Umsatz-Renner des Jahres 2011 sind: Morris „Wer regiert die Welt?“, Scherer „Glückskinder“, Malik „Strategie“, Malik „Führen Leisten Leben“, Osterwalder „Business Model Generation“, Lewis „Boomerang“, Kitz/Tusch „Ich will so werden, wie ich bin“, Rifkin „Die dritte industrielle Revolution“, Küstenmacher „Simplify your day 2012“, Fisher/Ury „Das Harvard-Konzept“, Förster/Kreuz „Nur Tote bleiben liegen“, Küstenmacher „Best of Simplify“, Buckingham „Entdecken Sie Ihre Stärken jetzt!“, Doppler/Lauterburg, „Change Management“, Püttjer/Schnierda „Das große Bewerbungshandbuch“, Hölting „WISO: Immobilienfinanzierung“, Goldratt „Das Ziel“, Diesbrock „Ihr Pferd ist tot? Steigen Sie ab!“, Sprenger „Die Entscheidung liegt bei dir!“, Simon „Die Wirtschaftstrends der Zukunft“. Die Besten nach Absatzzahlen: Scherer „Glückskinder“, Morris „Wer regiert die Welt?“, Küstenmacher „Simplify your day 2012“, Küstenmacher „Best of Simplify,“ Malik „Führen Leisten Leben“, Kitz/Tusch „Ich will so werden, wie ich bin“, Malik „Strategie“, Lewis „Boomerang“, Rifkin „Die dritte industrielle Revolution“, Püttjer/Schnierda „Das große Bewerbungshandbuch“, Förster/Kreuz „Nur Tote bleiben liegen“, Fisher/Ury „Das Harvard- Konzept,“ Osterwalder „Business Model Generation“, Diesbrock „Ihr Pferd ist tot? Steigen Sie ab!“, Seiwert „Wenn du es eilig hast, gehe langsam“ (Hörbuch).
Wichtig dafür war wieder das schöne Medienecho: Claudius Seidl hat in der FAS Michael Lewis’ „Boomerang“ gelobt mit den Worten „Es ist nicht nur so, dass man nach dieser Lektüre die Krise besser versteht. Man versteht auch, warum man so vieles daran nicht versteht. Das ganze Finanzsystem lebt davon, dass Leute einander Dinge verkaufen…, die sie nicht verstehen.“ Über Lewis sind lange Portraits und Interviews in Spiegel, Zeit und FAS erschienen. „Der Angriff“ von Ulrich Schäfer war mit einem zweiseitigen Essay im Spiegel und im ZDF-Morgenmagazin vertreten, außerdem in SZ, Zeit, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt und Wirtschaftswoche. „Wer regiert die Welt?“ von Ian Morris wurde in Aspekte, NZZ, einer ganzseitigen Rezension von Jürgen Osterhammel in der SZ und einem vierseitigen Interview im Spiegel besprochen.

„Die Wirtschaftstrends der Zukunft“ von Hermann Simon wurde in FAZ, SZ und Absatzwirtschaft besprochen, der Autor führte Interviews in Manager Magazin und Bild. Weitere Wirtschaftsbücher, die herausragende Rezensionen bzw. Interviews bekamen, waren „Strategie“ von Fredmund Malik, „Business Model Generation“ von Alexander Osterwalder, „Der Change Manager“ von Klaus Doppler und „Unternehmen Idee“ von Raimund Schmolze.

„Digital ist besser“ von Kai-Hinrich und Tim Renner wurde rezensiert in SZ, FR und Manager Magazin, mit Vorabdrucken in Welt am Sonntag und Berliner Morgenpost. „Ich will so werden, wie ich bin“ von Volker Kitz und Manuel Tusch wurde in Freundin und Bild besprochen. Weitere herausragende Veröffentlichungen gab es für „Aufgewacht!“ von Angelika Gulder, „Glückskinder“ von Hermann Scherer und „Leadership 2.0“ von Maren Lehky. In unserem Wissenschaftssegment stand Alexander Zinns „Das Glück kam immer zu mir“ im Mittelpunkt eines dreiseitigen Spiegel-Artikels. Jutta Allmendinger führte ein Interview in Cosmopolitan für „Verschenkte Potentiale“. „Auf der Suche nach der sexuellen Freiheit“ von Volkmar Sigusch wurde u.a. in FAZ (drei Seiten, von Petra Gehring), NZZ, taz und SZ rezensiert. Die FAZ besprach u.a. Volker Caspari/Bertram Schefold (Hg.) „Wohin steuert die ökonomische Wissenschaft?“, Ute Frevert u.a. „Gefühlswissen“, Michael Kempe „Fluch der Weltmeere“, Alexander Kraus/Birte Kohtz (Hg.) „Geschichte als Passion „und Dorothea Weltecke „Der Narr spricht“. Die SZ rezensierte ebenfalls „Der Narr spricht“, außerdem Jan-Otmar Hesse „Wirtschaft als Wissenschaft“ und Jutta Bakonyi „Land ohne Staat“. Dies war außerdem das neunte Jahr, in dem es Preise und Ehrungen bei Campus gab.

„Der Angriff“ von Ulrich Schäfer stand auf der Shortlist des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises. „Business Model Generation“ von Alexander Osterwalder wurde zum Managementbuch des Jahres gekürt, „Unternehmensorganisationen der Zukunft“ von Daniel Pinnow wurde Personalbuch des Jahres, und „Führungsstark im Wandel“ von Alexander Groth war einer der Finalisten bei der Wahl zum Trainerbuch des Jahres. „Wer regiert die Welt?“ von Ian Morris stand auf Platz 8 der Sachbuch-Bestenliste der SZ und erhielt den getAbstract International Book Award. „Toyota Kata“ von Mike Rother bekam den Shingo Prize. Christoph Kalter „Die Erfindung der Dritten Welt“ wurde mit dem Walter-Markov-Preis für Geschichtswissenschaften ausgezeichnet. Und Nina Elsemann bekam den Ernst-Reuter-Preis der FU Berlin für „Umkämpfte Erinnerungen“. Fürs Frühjahr 2012 freuen wir uns auf unseren Spitzentitel „Ausgegeizt!“ von Uli Burchardt und neue Werke der bekannten Autoren David Eagleman, Eva Wlodarek, Roy Baumeister, Martin Lindstrom, Jim Collins, Klaus Doppler, Andreas Drosdek, Sally Helgesen, Dorothea Assig, Anne Jacoby, Florian Vollmers, Svenja Hofert, Christian Püttjer, Uwe Schnierda, Martin Wehrle, Reinhard Sprenger, Tim von Arnim, Kaspar Maase, Renate Mayntz, Klaus Dörre, Peter Waldmann, Andreas Fischer-Lescano und Dieter Haller und vielen anderen mehr.

A propos Frühjahrsprogramm: Die Lektüre von Jim Collins’ „Oben bleiben. Immer.“ hat mich deutlich gelassener darüber nachdenken lassen, wie wir trotz der kommenden unsicheren Jahre oben bleiben können. Denn es kommt immer noch mehr auf unsere Handlungen an, als auf das, was die Welt mit uns macht.

Entsprechend werde ich in diesem Jahr mit dem einen oder der anderen Abgeordneten das Gespräch zum Thema Urheberrecht vertiefen. Mehrere Parteien verkaufen das Urheberrecht unter Wert, zugunsten kostenloser Zugänge für Nutzer zu Informationen. Mir hat noch niemand darlegen können, was dagegen spricht, dass Nutzer Warnhinweise von Providern erhalten, wenn sie sich Raubkopien herunterladen, oder wie eine Kulturflatrate so funktionieren könnte, dass AutorInnen weiterhin kreativ arbeiten können. Kreativität lohnt sich nicht mehr, wenn Werke im Netz freigegeben werden – entsprechend hat kürzlich eine spanische Autorin angekündigt, das Schreiben aufzugeben, weil zu viele Raubkopien ihrer Bücher heruntergeladen werden, an denen sie nichts verdient. Von dieser Freigabe profitieren primär große Wirtschaftskonglomerate und Raubkopierer wie Rapidshare.

Ich danke den MitarbeiterInnen für ihr großes Engagement und Ihnen für Ihre beständige Mit- und Zusammenarbeit, wünsche uns selbige auch für die Zukunft und Ihnen, Ihren und unseren MitarbeiterInnen ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr.

Ihr
Thomas Carl Schwoerer

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