Bonifatius Verlag kündigt Redaktion drei Tage vor Weihnachten

Was sich in der Pressemitteilung des Bistums Paderborn so liest: “Die Paderborner Bonifatius GmbH (dazu gehört auch der Buchverlag Bonifatius und zwei Buchhandlungen in Paderborn und Dortmund, Anm. d. Redaktion), beschreitet zu Beginn des Jahres 2010 publizistisch neue Wege”, hat offenbar deutlich andere Hintergründe.

“Zum 1. Januar wird die Bistumszeitung Der DOM geschäftlich eng mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) und der Zentralredaktion in Bonn kooperieren”, heißt nichts anderes, als dass man fast der ganzen Redaktion einer Kirchenzeitung gekündigt hat.

Das wird erst jetzt durch eine Internetseite deutlich, die der Deutsche Journalisten Verband (DJV) gestern online geschaltet hat. Dort ist in einer Stellungnahme der Gesellschaft katholische Publizisten (GKP) nachzulesen: “Verlegerisch fragwürdig und menschlich tragisch ist die Entscheidung des Paderborner Verlages Bonifatius GmbH, die Redaktion der Bistumszeitung Der Dom zu schließen.”

Wie das Bistum betonte, werde die Zeitung weitergeführt, dafür geht der Gesellschafter des Buch- und Zeitschriftenverlags aber offenbar über menschliche Opfer hinweg. Das zeigt unter anderem die Tatsache, dass der Bonifatius Verlag, der dem Bistum Paderborn gehört, die Entscheidung den Mitarbeitern um Chefredakteur Christian Schlichter erst drei Tage vor Weihnachten bekannt gegeben hat.

Erstmals beschreitet ein Bistum damit einen neuen Weg und lässt die Zeitung von einer Nachrichtenagentur erstellen. Damit sei die Glaubwürdigkeit der katholischen Presse in Gefahr, lässt sich weiter aus der Stellungnahme der GKP, einer Vereinigung, der 560 katholische Publizisten angehören, herauslesen. Denn während eine Nachrichtenagentur unabhängig berichten muss, soll eine Kirchenzeitung auch mal kommentierend eingreifen können. Die KNA gerate nun in einen Interessenskonflikt, heißt es. Damit bekommt auch Kritik, die Beobachter schon länger an der Unabhängigkeit kirchlicher Medien üben, neue Nahrung.

Da der Betriebsrat in die Entscheidung nicht eingebunden war, wird das Vorgehen nun ein jurustisches Nachspiel haben, heißt es unter anderem in der Neuen Westfälischen.

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