Bernhard Meuser über seinen Wechsel zu Sankt Ulrich

Mit seinem Wechsel von Pattloch zu Sankt Ulrich hat Bernhard Meuser nicht nur die Branche überrascht, sondern auch die Mitarbeiter. buchmarkt.de fragte, was Meuser zum raschen Wechsel bewogen hat.

buchmarkt.de: Die Meldung kam überraschend, aber der Wechsel ist sicher schon länger geplant. Warum haben Sie so lange hinter dem Berg gehalten?
Bernhard Meuser: Nein, Sie werden lachen – es war nicht von langer Hand geplant. Der Wechsel ist im Zusammenhang mit dem YOUCAT zu sehen. Der Jugendkatechismus der katholischen Kirche ist nicht nur in Deutschland ein Riesenerfolg – wir haben schon über 100.000 Exemplare abgesetzt, was man nicht so merkt, weil uns der SPIEGEL nicht in die Liste reinlässt – nein, wir sind auch in 22 weiteren Sprachen der Erde da. Anders gesagt: in über 50 Ländern. Eine globale katholische Jugendmarke ist entstanden – und die zu pflegen und im Internet zu betreuen, das sprengt die Grenzen eines klassischen Verlages.

Bernhard Meuser

Aber warum so plötzlich?
Der Weltjugendtag in Madrid wird ein entscheidendes Datum sein. Bis dahin muss die internationale Webpräsenz YOUCAT stehen. Das zu organisieren, dafür müsste ich bei Pattloch alle Griffel fallen lassen…

Haben Sie sich nicht mehr bei Pattloch zu Hause gefühlt? Sie sind jetzt wieder näher an der Kirche dran.
Hören Sie – in Pattloch steckt 18 Jahre Herzblut von mir! Die ganze Aufbauarbeit, die Bestseller mit Renate Hartwig, Manfred Lütz, Paul Badde, Klaus Berger, Nina Hagen, um nur einige zu nennen. Meinen Sie das gibt man gerne auf? Nein, darum geht es nicht. In Augsburg wird es einen kirchlichen Rahmen für das internationale YOUCAT-Projekt geben. Das ist der Sankt Ulrich Verlag, der ja bekanntermaßen nicht nur aus einem Buchverlag besteht, der vielmehr im Zeitschriftenbereich, im Radio, im Fernsehen und im Internet unterwegs ist. Klar, bin ich in Zukunft näher an der Kirche dran. Aber das entspricht ja voll meiner Überzeugung. Ich bin sehr gerne katholischer Christ. Je verwaschener und “wertloser” der Mainstream daherkommt, desto attraktiver wird das Katholische. Das sehen Sie ja auch an dem Matussek-Buch.

Nehmen Sie YOUCAT mit nach Augsburg?
YOUCAT als Buch bleibt hier bei Pattloch, auch das vereinbarte Folgeprojekt YOUCAT Jugendgebetbuch … aber alle weiteren Aktivitäten werden in Augsburg stattfinden, und auch alle weiteren Bücher werden dort erscheinen.

Welches Potenzial sehen Sie bei Sankt Ulrich? Was reizt Sie an der Aufgabe?
Lassen Sie sich überraschen. Reizvoll finde ich, dass es in Augsburg eine breite Klaviatur medialer Möglichkeiten gibt. Ich gehe nicht von einem weiteren Rückgang des Christlichen aus. Ich glaube, dass wir wieder Kompetenz erwerben und ein attraktives alternatives Profil anbieten können.

Sankt Ulrich ist als aggressiv konservativ wahrgenommen worden. Wird sich daran etwas ändern?
Ja.

Die Prssemitteilung spricht von Evangelisierung als Neuausrichtung, das hat Sankt Ulrich unter einem anderen Schlagwort bisher auch schon getan, was ändert sich im Detail?
Die katholische Kirche muss dringend aus dem Lagerdenken, progresssiv-konservativ, herauskommen. Als Verleger interessiert mich zunächst einmal nicht, welche politische Denke ein Christ drauf hat. Mich interessiert nur, ob er alles dafür gibt, dass die Botschaft Jesu auch bei unseren Kindern ankommt. Mir wird ganz schwummerig, wenn ich sehe, mit welchen tertiären Fragen die deutsche Kirche gerade herumtrödelt, statt in die Offensive zu gehen und junge Menschen für den Glauben an Gott zu begeistern.

Werden Sie noch stärker Vatikan-Themen aufnehmen?
Keine Ahnung. Wir werden alles machen, was Kraft hat und leuchtet. In der katholischen Kirche gibt es allerdings einen uralten Grundsatz: Ubi Petrus, ibi ecclesia – wo Petrus ist, da ist die Kirche. Will sagen: Wer nicht die Einheit mit dem Papst sucht, den betrachte kritisch. Und wenn wir da von Nähe zum Papst sprechen, dann meine ich nicht nur diesen, sondern auch den nächsten und den übernächsten. Auch wenn der nächste ein nigerianischer Wunderheiler, der übernächste ein chinesischer Befreiungstheologe und der überübernächste ein andalusischer Eremit ist.

Wie steht das Unternehmen wirtschaftlich da? Werden Sie alle Mitarbeiter weiterführen?
Christliche Unternehmen in einer nichtchristlichen Umgebung haben zu kämpfen. Und zwar alle – gerade, wenn sie Profil zeigen. Bei SUV wird es darum gehen, möglichst schnell, möglichst gute Arbeit zu leisten – Arbeit, die von den Menschen honoriert wird, für die sie gemacht wird. Arbeitsplätze sind auf Dauer nur sicher, wenn Menschen die „Produkte“ so schätzen, dass sie dafür Geld bezahlen.

Die Fragen stellte Matthias Koeffler

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.