Berlin: Verlagsabend in der Schweizer Botschaft

Ein gelungener Auftritt gestern Abend in Berlin: Die Verlage Dörlemann, Nagel & Kimche und Walde + Graf stellten sich und ihr Frühjahrsprogramm in der Schweizer Botschaft im Berliner Regierungsviertel vor. Botschafter Tim Guldimann (Foto) begrüßte rund 80 Buchhändlerinnen und Buchhändler aus Berlin und Brandenburg.

Die Gemeinschaftsveranstaltung des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands und des Berliner Landesverbands war der Auftakt zu einer Serie von Verlagspräsentationen. Ziel ist es, dem deutschen Buchhandel die Vielfalt der Schweizer Produktion zu zeigen – was am ersten Abend auch bestens gelang.

„Wir haben mehr zu bieten als Uhren, Käse und Schokolade“, so Marianne Sax. Die Präsidentin des Schweizer Verbands, die die Verlage mit feinem Gespür ausgewählt hatte, führte durch den kurzweiligen Abend.

Sabine Dörlemann hatte Bettina Abarbanell mitgebracht, die gerade den Roman Blick auf den Hafen von Elizabeth Taylor übersetzt hat. Gemeint ist nicht die berühmte Schauspielerin, sondern die englische Schriftstellerin Elizabeth Taylor (1912-1975). Die Autorin sei zeit ihres Lebens selbst in ihrer Heimat unterschätzt worden und bislang nie auf Deutsch erschienen, so Sabine Dörlemann. Man darf gespannt sein auf diese Entdeckung, die im August erscheint. In Vorbereitung ist auch ein neuer Band des Reiseschriftstellers Patrick Leigh Fermor.

In diesem Frühjahr konnte Dörlemann nicht nur mit Rødby – Puttgarden aus der Feder der jungen dänischen Autorin Helle Helle punkten, auch Martha Gellhorns Reisen mit mir und einem Anderen wurde gut angenommen. Übersetzt hat den Text Herwart Rosemann. Es ist ein Markenzeichen des Verlags, alle Übersetzer auch auf dem Cover zu erwähnen.

Dorothee Binder betonte, dass Nagel & Kimche, auch seit der Verlag vor gut zehn Jahren unter das Hanser-Dach schlüpfte, in Zürich ein unabhängiges Programm auf die Beine stellt. Rund 20 Titel kommen im Jahr auf den Markt. In diesem Frühjahr gehörte Die Mutter des Erfolgs von „Tigermutter“ Amy Chua zu den Bestsellern. Für den Herbst kündigte Dorothee Binder ein neues Buch von Charles Lewinsky an. Außerdem wird Jürg Wegelin eine Biografie von Jean Ziegler vorlegen.

Als Dritter präsentierte Peter Graf den noch jungen Verlag Walde + Graf. Auch in seinem zweiten Jahr wolle das Zürcher Unternehmen schöne, unterhaltsame Bücher machen, die sich verkaufen lassen. Für die Ausstattung der Bücher wurde der Verlag schon vielfach gelobt (s. auch BuchMarkt Heft 3/2011). Zu einem der Bestseller entwickelte sich der Roman Die Monkey Wrench Gang von Edward Abbey mit Illustrationen von Robert Crumb.

Ein Raunen ging durchs Publikum als Peter Graf Parties hoch hielt. Den Roman, herausgegeben von Armin Abmeier, hatten offenbar viele Gäste bereits gelesen. Geschrieben hat ihn der amerikanische Autor Carl Van Vechten (1880-1964). Solche Wiederentdeckungen ergänzt das Frühjahrsprogramm mit Literatur zeitgenössischer Autoren. Besonders ans Herz legte Peter Graf den Berliner Buchhändlern – im Jahr des Gastlandauftritts Islands – den Roman Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft von Gyrðir Eliasson, der 1998 mit dem Isländischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Beim anschließenden Büfett setzten die Buchhändler ihre Gespräche mit den Verlegern fort. Ein außergewöhnlicher Abend, eine gute Idee, ein herzlicher Empfang, so oder so ähnlich lauteten ihre Kommentare.

Am 27. Juni wird die Reihe fortgesetzt, dann präsentieren sich Schweizer Verlage aus den Bereichen Kunst, Design, Architektur und Typografie. Im Herbst folgen dann Wissenschafts- und Kinderbuchverlage.

ML

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.