Zuflucht in Frankfurt für Autorin Pegah Ahmadi

Matthias Göritz, Jutta Himmelreich, Pegah Ahmadi

Die erste Veranstaltung des Hessischen Literaturforums im Mousonturm im neuen Jahr am gestrigen Abend war eine besondere; als Gast konnte die iranische Schriftstellerin Pegah Ahmadi begrüßt werden.

Im Rahmen des Programms Städte der Zuflucht weilt die regimekritische Autorin seit September 2009 in der Main-Stadt. Gestern Abend hatten das Kulturamt, die Frankfurter Buchmesse und litprom ins Literaturforum eingeladen, um Pegah Ahmadi und ihre Arbeiten der Öffentlichkeit vorzustellen.

Werner Söllner, Leiter des Hessischen Literaturforums, begrüßte die vielen Besucher und unterstrich an diesem Abend die Rolle Frankfurts als Stadt der Zuflucht.

Für die Frankfurter Buchmesse sprach Tobias Voss, Leiter der Internationalen Abteilung. Er dankte den Partnern Kulturamt, litprom und besonders Peter Ripken, der sich seit Jahren für das Projekt engagiert.

An den Ursprung des Programms Städte der Zuflucht erinnerte Carolina Rohman, Kulturamt. Die Idee kam 1994 von Salman Rushdie, damals Präsident des Internationalen Schriftsteller-Parlaments. 1996 wurde sie in Frankfurt von Daniel Cohn-Bendit aufgegriffen und 1997 von der Stadt angenommen. „Eine neue Bedrohung der Literatur erfordert neue Antworten“, heißt es in den Grundsätzen des Programms.

Während die Buchmesse das Stipendium für die Autoren finanziert, stellt das Kulturamt ein Appartement zur Verfügung, litprom organisiert den Aufenthalt.

Auf dem Podium hatten der Frankfurter Autor Matthias Göritz, die Übersetzerin Jutta Himmelreich und Pegah Ahmadi Platz genommen. Werner Söllner stellte die Gesprächsrunde vor und erwähnte, dass Pegah Ahmadi im September mit einem im Iran verbotenen Buch anreiste, aus dem im Laufe des Abends noch gelesen werde.

Die 1974 in Teheran geborene Pegah Ahmadi studierte in ihrer Heimat persische Literatur, leitete eine literarische Zeitschrift und übersetzte Sylvia Plath als erste Schriftstellerin ins Persische. Schon früh wendete sich Ahmadi, einziges Kind literaturbegeisterter Eltern, Büchern zu, schrieb mit sieben Jahren das erste Gedicht, veröffentlichte erstmals mit 17.

„Im Iran“, erläuterte die Autorin, „ist Poesie Teil des Lebens.“ Persische Poesie hat eine lange und starke Tradition und motiviert die Menschen, gerade auch die widerständigen. Deshalb wird sie vom Regime gefürchtet, werden die Arbeiten junger Autoren zensiert, die Schriftsteller verfolgt und inhaftiert. Das Internet bietet eine gute Möglichkeit, trotzdem zu publizieren, doch auch hier wird von der Regierung gefiltert.

Anschließend las Pegah Ahmadi ihre Gedichte auf Persisch, Jutta Himmelreich übersetzte ins Deutsche. Matthias Göritz schloss sich mit eigener Lyrik an.

Jutta Himmelreich bat im Rahmen der Veranstaltung um eine Gedenkminute für die Erdbebenopfer von Haiti, sie selbst arbeitet zurzeit an der Übersetzung von Arbeiten einer haitianischen Autorin und konnte bislang nicht in Erfahrung bringen, ob diese Schriftstellerin überlebt hat.

Mehr über Pegah Ahmadi steht übrigens in den Literaturnachrichten Nr. 103, herausgegeben von litprom.

JF

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