Was bedeutet es Schriftsteller im Jahr 2012 zu sein?

Das Blaue Sofa in Berlin: Der schottische Autor John Burnside und sein deutscher Kollege Daniel Kehlmann sprachen gestern Abend über die Auswirkungen der digitalen Revolution auf ihre schriftstellerische Arbeit.

Barbara Wahlster, Daniel Kehlmann,
John Burnside (© Bertelsmann)

Bereits zum dritten Mal war das Blaue Sofa, das gemeinsame Autorenforum vom Club Bertelsmann, Deutschlandradio Kultur und dem ZDF, zu Gast in der Berline Bertelsmann Repräsentanz. Hausherrin Helen Müller konnte sich trotz der Sommerferien über ein volles Haus freuen. „Als wir hörten, dass John Burnside in diesem Sommer Gast im Literarischen Colloquium in Berlin ist, haben wir sofort reagiert und das Blaue Sofa eingeladen“, sagte sie. Wie Burnside habe auch sein Rezensent und Freund Daniel Kehlmann mit seiner Zusage keinen Moment gezögert.

Kehlmann, dessen Bestseller Die Vermessung der Welt im Oktober in die Kinos kommt, sprach voller Bewunderung über Burnsides Romane und Gedichte. Burnside sei für ihn ein „Sprachschöpfer von einzigartigem Rang“. In dem von Barbara Wahlster (Deutschlandradio Kultur) moderierten Gespräch outete er sich als Nutzer von Computerspielen. Deren Technik sei unglaublich komplex und kreativ, weil beim Programmieren so viele Handlungsoptionen bedacht und multimedial umgesetzt werden müssten. Das Storytelling der Spiele hingegen könne man mit dem literarischen Erzählen nicht vergleichen. Burnside gab zu, zwar ein Facebook-Profil zu besitzen, es jedoch nicht aktiv zu nutzen. Aber er schätze den direkten Dialog mit seinen Lesern sehr.

Schreibt man im hypermedialen Zeitalter anders? „Ich hoffe, es ist nicht so“, betonte Kehlmann und brachte damit die Haltung der beiden Literaten auf den Punkt. Burnside ging zudem auf das Thema Self-Publishing ein. „Es mag sein, dass mich eine Sache interessiert und ich darüber schreiben will. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass aus diesem Schreiben gute Literatur entsteht.“ Vielmehr sei es wichtig, beim Schreiben von einem Spezialisten, einem Lektor begleitet zu werden. „Die Verlage sind in ihrer Rolle als Gatekeeper unverzichtbar“, sagte Burnside. „Ihre Erfahrung, ihre Kompetenz und Leidenschaft macht ihre Arbeit so wertvoll.“

Trotz gewisser Skepsis waren sich die beiden Autoren einig: Die digitalen Möglichkeiten ließen zwar neue Kunstformen entstehen, die Tätigkeit des Schriftstellers, der zu Hause sitzt und einen Roman kreiert, werde dadurch aber nicht aufgehoben.

So harmonisch wie die Diskussion verlief, klang auch der warme Sommerabend aus: Noch lange fachsimpelten die zahlreichen Gäste aus Kultur und Medien auf der großen Dachterrasse der Bertelsmann Repräsentanz mit der repräsentativen Adresse Unter den Linden 1.

ML

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