Melinda Nadj Abonji und Urs Faes lasen im Düsseldorfer Heine-Haus

v.l.: Rudolf Müller, Melinda Nadj Abonji,
Urs Faes, Martin Krumbholz

Ein Glücksgriff: Im Rahmen einer Lesetour der fünf zum Schweizer Buchpreis nominierten Autoren durch Deutschland bescherte ein „Blind Date“ der Buchhandlung Literatur bei Müller und Böhm im Düsseldorfer Heine-Haus eine Veranstaltung mit der diesjährigen Preisträgerin des Deutschen Buchpreises Melinda Nadj Abonji [mehr…] und Urs Faes.

Der Schweizer Generalkonsul Urs Strausak begrüßte das zahlreich erschienene Publikum zu einem ganz besonderen Abend. Urs Faes las aus „Paarbildung“ (Suhrkamp), Melinda Nadj Abonji aus „Tauben fliegen auf“ (Jung und Jung). Zwei ganz unterschiedliche Stimmen aus der Schweiz, und dennoch machten die Moderatoren Rudolf Müller und Martin Krumbholz Gemeinsamkeiten aus.

Abonjis Geschichte einer letztlich erfolgreichen Migration und Faes’ Geschichte einer letztlich erfolglosen Paarbildung verbinde die Sehnsucht anzukommen. Faes schreibt über einen Psychotherapeuten, der einer vergangenen Liebe wiederbegegnet – sie ist eine krebskranke Patientin. Der Autor, der selbst über ein Jahr lang eine Krankenstation hinsichtlich ihrer Kommunikationsstrategien beobachtet und beraten hat, habe aber kein Spitalbuch schreiben wollen, wie er betonte. Vielmehr sei es ihm um die Frage gegangen: Wie findet man in einer extremen Situation ins Gespräch, wie findet man Sprache?

Melinda Nadj Abonji, Urs Faes

Hintergrund sei auch die autobiographische Erfahrung mit der Generation der „verhockten“ Väter, denen die Sprache gefehlt habe. Ein Schnittpunkt zu Abonjis Buch, in dem es um die Migration einer Familie aus Jugoslawien in die Schweiz geht. Eine Familie, die, wie die Autorin erklärte, über wesentliche Dinge nicht sprechen kann, was nichts damit zu tun hat, dass sie eine neue Sprache lernen muss.

Urs Faes bewunderte die „leichte, verspielte Ironie“ Abonjis. Zur Ironie gehöre Distanz, erklärte der Autor. „Mir würde es nie gelingen, die Schweiz mit dieser Außensicht zu sehen.“ Zu sehr geprägt sei er von diesem Land. Und so nahm das Publikum die Schlussworte von Martin Krumbholz mit großem Applaus auf: Zwei große Bücher, Abonji hat den Deutschen Buchpreis bekommen, da könnte der mit 50.000 Schweizer Franken dotierte Schweizer Buchpreis an Urs Faes gehen.

Mehr wissen wir am 14. November, wenn die Entscheidung an der BuchBasel bekannt gegeben wird. Im Oktober sind auch die weiteren Nominierten Dorothee Elmiger, Pedro Lenz und Kurt Marti in Deutschland unterwegs.

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