Joschka Fischer und Shimon Stein würdigten bei Festakt des Clubs Bertelsmann die deutsch-israelischen Beziehungen

Bei einem vom Club Bertelsmann ausgerichteten Festakt im Bundesverwaltungsgericht Leipzig anlässlich der seit 40 Jahren bestehenden deutsch-israelischen Beziehungen haben Bundesaußenminister Joschka Fischer und Botschafter Shimon Stein heute die Annäherung beider Länder als etwas Besonderes gewürdigt.

Der bilaterale Austausch sei im Hinblick auf die Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten keinesfalls selbstverständlich, unterstrich der Bundesminister während der feierlichen Zeremonie in der sächsischen Metropole. „Die Fortentwicklung der Kontakte gestaltet sich vor dem Hintergrund der Geschichte schwierig und ist nicht abgeschlossen“, sagte Fischer vor rund 100 geladenen Gästen.

Für das Jubiläumsjahr kündigte er ein Kulturabkommen zwischen beiden Ländern an. Schließlich gelte es, nicht nur gute politische Beziehungen zu pflegen. Der Minister unterstrich in seiner Rede eine wichtige Gemeinsamkeit beider Länder: „Beide Völker sind Bücherwürmer.“ So könne auch die Literatur ein Weg der Verständigung sein. Fischer dankte dem am Festakt teilnehmenden israelischen Gegenwartsautor Amoz Oz dafür, dass er den Deutschen die Identität und Kultur seines Landes wie kein anderer Gegenwartsautor vermittelt habe.

Botschafter Shimon Stein ging auf die „eindrucksvolle Entwicklung“ der Wirtschaftsbeziehungen beider Länder ein. Ebenso habe die wissenschaftliche Kooperation der Staaten ein beachtliches Niveau erreicht. Positiv hob er auch den umfangreichen Schüler- und Jugendaustausch hervor. „Das ist ein guter Anfang, der aufbaufähig ist“, sagte der Botschafter. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Deutsche und Israelis sich auch auf emotionale Weise weiter annähern. Hierzu bedürfe es jedoch einer Erinnerungskultur. „Der Ort, an dem wir heute die diplomatischen Beziehungen würdigen, die Buchmesse, ist ein Paradebeispiel dafür, dass Israel sich nicht auf Terror und den israelisch-palästinensischen Konflikt beschränken lässt.“ Ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Deutschland und Israel aufzubauen, sei „eine anspruchsvolle Aufgabe, die realistisch und machbar ist.“

In seiner Begrüßung appellierte Marc-Oliver Sommer, Geschäftsführer des Club Bertelsmann, die deutsch-israelischen Beziehungen „mit gegenseitiger Neugierde, mit Zuhören und Erzählen auszugestalten.“ Kulturschaffende und gesellschaftliche Kräfte seien geeignet, die deutsch-israelischen Beziehungen nachhaltig mit Leben zu füllen. Der Club Bertelsmann wolle hierfür mit der seit 14 Jahre bestehenden Reihe „Jüdische Lebenswelten“ ein Forum bieten.

Im Bild (v.l.): Marc-Oliver Sommer, Geschäftsführer von Der Club Bertelsmann, Botschafter Shimon Stein, Bundesaußenminister Joschka Fischer und Ewald Walgenbach, Vorstandsvorsitzender der DirectGroup Bertelsmann (Copyright: Blume/Club Bertelsmann)

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