Internationaler Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt verliehen

Ein Fest für die fremdsprachige Literatur. Gestern Abend nahmen Dany Laferrière und Beate Thill im Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin den Internationale Literaturpreis [mehr…] entgegen. Das wurde mit einer „Langen Nacht der Shortlist“ auf der Dachterrasse des HKW gefeiert.

Der haitianisch-kanadische Autor Dany Laferrière wurde für seinen Roman Das Rätsel der Rückkehr ausgezeichnet, der im Wunderhorn Verlag erschienen ist. Er kann sich über ein Preisgeld von 25.000 Euro freuen. Weitere 10.000 Euro gingen an Beate Thill, die das Buch aus dem Französischen übersetzt hat.

Dany Laferrière erkläre nichts, vielmehr erzähle er Haiti ohne falsches Pathos und ohne Selbstmitleid, sagte Jurymitglied Hans Christoph Buch in seiner Laudatio. Das Rätsel der Rückkehr, in Frankreich bereits mit dem Prix Médicis ausgezeichnet, sei Laferrières reifstes und reichstes Buch, die Summe seines Werks: „Eine Reise ans Ende des Tages, die im eisigen Kanada beginnt und über New York zurückführt nach Port-au-Prince, auf den Spuren seines verstorbenen Vaters und des eigenen Ichs. Ein innerer Monolog, der die Leser auf unangestrengte Art einbezieht.“

Buch würdigte nicht nur den Autor, er fand auch lobende Worte für Beate Thill. „Es grenzt an ein Wunder, dass und wie es der Übersetzerin gelang, diese in sich komplexe Botschaft aus einer fremden Welt für hiesige Leserinnen und Leser nachvollziehbar zu machen, ohne fragwürdige Exotismen oder falsche Anbiederei, und Laferrières kreolischen Sprachwitz ebenso ins Deutsche hinüberzuretten wie die sensible Musikalität und den pulsierenden Rhythmus des Originals.“

Das Besondere des Preises für internationale Literatur ist, dass er nicht nur die Autoren, sondern auch die Vermittlungsarbeit der Übersetzer würdigt und die gesamte Shortlist in den Fokus rückt. Die Shortlist sei ein deutscher Blick auf das, was heute als Weltliteratur gelten kann, betonte Bernd M. Scherer, der Intendant des HKW, in seiner Begrüßung. Fast alle Autoren und Übersetzer der Shortlist waren anwesend und stellten ihre Bücher in Lesungen und Gesprächen vor.

So war Bernardo Kucinski eigens aus Brasilien angereist und stellte gemeinsam mit der Übersetzerin Sarita Brandt seinen Roman K. oder Die verschwundene Tochter (Transit) vor, für den er in Brasilien bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.

Der Bulgare Georgi Gospodinov und sein Übersetzer Alexander Sitzmann haben in diesem Jahr eine weitere Chance aufs Siegertreppchen zu kommen. Gospodinovs Roman Physk der Schwermut (Droschl) ist auch für den Brücke Berlin Preis [mehr…] nominiert.

Eröffnet wurde der Abend mit einer Festrede von Yoko Tawada über Sprachnuancen und kulturellen Reichtum. Die Japanerin, die als Schriftstellerin in Berlin lebt, schreibt auf Deutsch und Japanisch. Im Konkursbuch Verlag erschien zuletzt ihr Roman Etüden im Schnee. Yoko Tawada, bekannt für ihre performativen Lesungen und Wortakrobatiken gratulierte allen sechs Preisträgern der Shortlist nach ihrer Rede mit Blumensträußen aus Wörtern: Anagramme aus den Buchstaben ihrer Namen. Und wofür steht HKW? Yoko Tawada schlug gestern Abend vor: Heute wieder klares Wetter. Kein Wunder, dass das Fest auf der Dachterrasse auch nach Mitternacht noch nicht vorbei war.

Für alle, die nicht dabei sein konnten: Die Rede von Yoko Tawada ist in der heutigen Ausgabe des Tagesspiegel abgedruckt.
Mitschnitte der Gespräche und der Preisverleihung gibt es im Blog des Internationalen Literaturpreises unter http://www.ilp-onblog.de/blog/.

Der Internationale Literaturpreis wird seit 2009 jährlich vergeben und soll die Aufmerksamkeit auf herausragende Beiträge, aber auch auf die Vielstimmigkeit weltweiten literarischen Schaffens und die bedeutende Vermittlungsarbeit des Übersetzens lenken. Er ist mit 35.000 Euro dotiert und wird maßgeblich von Jan Szlovaks Hamburger Stiftung Elementarteilchen getragen.

ml

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