Hessisches Literaturforum: Abschied und Neuanfang

Björn Jager, Harry Oberländer

Am gestrigen Abend war das Hessische Literaturforum im Mousonturm in Frankfurt proppenvoll: Harry Oberländer, seit der Gründung 1985 Mitarbeiter, seit 1986 Mitherausgeber von L. Der Literaturbote, seit 2010 Geschäftsführer des Literaturforums, wurde nach 30 Jahren verabschiedet.

So kamen nicht nur Vertreter aus Stadt- und Landespolitik, sondern Kollegen anderer Literatureinrichtungen in der Region und viele Autoren, um diesen Abend zu Ehren Oberländers zu gestalten.

Björn Jager, Oberländers Nachfolger, begrüßte die Gäste und rief zum Spenden auf: In den Räumen des Literaturforums stehe eine dringend notwendige Renovierung an, für weitere finanzielle Unterstützung sei man dankbar.

Den Abschiedsabend eröffnete Elisabeth Volck-Duffy vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, zuständig auch für das 1984 gegründete Junge Literaturforum Hessen, das seit 1994 um Thüringen erweitert wurde und damit länderübergreifend Schreibwettbewerbe für junge Autoren veranstaltet.
„Harry Oberländer hat mit seiner Arbeit einen guten Weg für das Literaturforum gefunden“, würdigte sie den scheidenden Geschäftsführer.

Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth unterstrich, dass das Literaturforum weit über die Stadtgrenzen in die Region ausstrahle und zu den ältesten literarischen Einrichtungen der Stadt am Main gehöre.
Bei dem in seiner Arbeit eigensinnigen und hartnäckigen Harry Oberländer gebe es eine ständige Verbindung zwischen eigenem Schaffen und öffentlichem Wirken von Literatur.

Als erster Autor sprach Alban Nikolai Herbst, mit der Vorsitzenden Eva Demski bildet er den Vorstand des Literaturforums. Er erinnerte mit seinem Vortrag an einen Komponisten, der sein Vorbild durch Variationen eines Themas ehrt.

Olga Martynova und ihr Sohn Daniel Martynov folgten mit einem Text zu einem Gedicht von Harry Oberländer, zum Schluss sprach die Autorin einen Wunsch aus: „Die Leser sollen sich in sonnigen Tagen vermehren.“

Ria Endres, Bernd Leukert und Wilhelm Genazino dankten dem langjährigen Literaturarbeiter auf ebenso besondere Weise. Thomas Wurzel, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die das Literaturforum seit vielen Jahren unterstützt, würdigte Oberländers Engagement.

Oleg Jurjew überreichte ein illustriertes Gedicht in einem Rahmen, Werner Söllner berichtete von der ersten Begegnung mit Oberländer 1983 und einer sich daraus entwickelnden Freundschaft. Eva Demski trat, wie sie selbst bemerkte, als „Abschiedsprofi“ auf, Björn Jager bedankte sich für die Warmherzigkeit im Literaturforum, das so etwas wie eine Familie für ihn geworden sei.

Michael Bornhak begleitete den Abend musikalisch auf dem Kontrabass.

Harry Oberländer wird auch nach dem Ende seiner Tätigkeit als Geschäftsführer dem Hessischen Literaturforum verbunden bleiben. Und er wird wesentlich mehr Zeit haben, um Gedichte zu schreiben. So ist anzunehmen, dass dem in diesem Jahr in der Edition Faust erschienenen Lyrikbändchen chronos krumlov weitere Veröffentlichungen folgen werden.

Das Literaturforum, seit 2004 ist übrigens auch die Geschäftsstelle der Hessischen Leseförderung hier angesiedelt, pausiert für einige Wochen wegen Renovierung der Räumlichkeiten. Im März 2016 wird es dann wieder Veranstaltungen geben – ein Neuanfang also.

JF

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